1 kg Fleischessen = 250 km Autofahren


von Darius Weissmüller

Die Menschen in den wohlhabenden Ländern essen immer mehr Fleisch und verschärfen damit das Hungerproblem in den armen Ländern. Aber nicht nur das: Nutztiere stossen auch mehr schädigende Klimagase aus als Autos und Flugzeuge.

Die meisten Vegetarier und Veganer verzichten aus ethischen, religiösen oder gesundheitlichen Gründen auf den Verzehr von Fleisch. Viele von ihnen wissen gar nicht, dass sie damit auch gleich noch aktiven Klimaschutz betreiben. Denn die Nutztierhaltung trägt mehr zur Klimaerwärmung bei als der gesamte Verkehr auf der Erde. Laut einer Studie der UNO-Landwirtschaftsorganisation FAO ist die Tierhaltung für 18 Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Schweinemast - copyright: www.dietierfreunde.de

Zwei Umweltwissenschaftler der Weltbank, die im Auftrag des unabhängigen Forschungsinstitutes WorldWatch nachgerechnet haben, kommen sogar auf 51 Prozent. Wo auch immer die wissenschaftliche Wahrheit liegt, eines lässt sich festhalten: Wenn man sämtliche Autos und Flugzeuge verbieten und nur noch Energie aus erneuerbaren Quellen produzieren würde, wären die Auswirkungen auf das Klima geringer, als wenn die Menschheit auf den Fleischkonsum komplett verzichten würde.

Wiederkäuer stossen Treibhausgase aus

Wieso das? Die wiederkäuenden Kühe, Schafe und Ziegen produzieren beim Verdauen Methan, das 23 mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Und sie produzieren viel davon: eine Kuh zwischen 75 und 120 Kilogramm pro Jahr. Weltweit gibt es rund 1,5 Milliarden Rinder und Kühe, sie belasten die Atmosphäre mit – vorsichtig gerechnet – gut 110 Millionen Tonnen Methan pro Jahr. Wenn man diese Zahl und die damit einhergehende Belastung des Klimas auf konkrete Beispiele umrechnet, bedeutet sie etwa folgendes:

  • Eine Kuh belastet das Klima gleich stark wie ein moderner Personenwagen, der pro Jahr 18’000 Kilometer zurücklegt.
  • Ein Kilo Fleisch zu essen, hat den gleichen Klimaeffekt wie 250 Kilometer Auto zu fahren.
  • Würden die Deutschen pro Jahr nur noch durchschnittlich 9 statt 10 Kilo Fleisch essen, könnten 930’000 Tonnen Methan eingespart werden. Das entspricht der Klimabelastung eines Flugzeuges, das 1500 Mal um die Welt fliegt. Oder: 7 Milliarden Autokilometern.

Angesichts dieser Fakten hat Rajendra Pachauri, der Leiter des UNO-Weltklimarates, vor einigen Jahren beschlossen, kein Fleisch mehr zu essen.

Wo einst Regenwald war, weiden heute Rinder

Putenzucht - Copyright Greenpeace

Putenzucht - Copyright Greenpeace

Das Methan aus den Kuh-, Schaf- und Ziegenmägen ist aber nicht das einzige Problem. Die Tiere brauchen auch Unmengen an Futter, bei dessen Produktion noch einmal riesige Mengen an Treibhausgasen entstehen. Die Viehzucht beansprucht heute rund 70 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Bodens. Die eine Hälfte davon sind Weiden, auf der anderen Hälfte wird Futtergetreide angebaut. Bis heute sind mehr als 50 Prozent der ursprünglich vorhandenen Regenwälder verschwunden. Auf drei Vierteln der gerodeten Flächen werden Rinder geweidet, auf dem Rest vor allem Futtermittel für Tiere angebaut. Meistens aber nicht sehr lange: Die Übernutzung, die Bodenverdichtung und die Erosion führen dazu, dass die meisten Weiden nach einigen Jahren aufgegeben werden müssen. Mit dem Resultat, dass weitere Waldflächen gerodet werden.

Ithaka-Kommentar

Das Beispiel des Fleischkonsums zeigt mit bitterer Deutlichkeit, dass wir uns nicht nur in einer Klimakrise, Wirtschaftskrise, Ökologiekrise, Sozialkrise befinden, sondern in einer universellen Krise der menschlichen Lebensart:

  1. Der übermäßige Fleischkonsum schadet der Gesundheit und führt damit zu hohem Verbrauch an Medikamenten, deren Wirkstoffe zu 2/3 ins Abwasser gelangen.
  2. Die Massentierhaltung, ohne die die tägliche Fleischversorgung nicht abgesichert werden kann, stellt eine Verachtung des Lebens überhaupt dar. “For the animals, it is an eternal Treblinka!” (Bashevis Singer)
  3. Die Massentierhaltung führt zu weltweiten Krankheitsseuchen wie die Schweine- oder Vogelgrippe. Die nächste Pandemie könnte zu einem Massensterben führen.
  4. Die Arzneimittel wie Antibiotika, mit denen Tiere in Massenhaltung flächendeckend behandelt werden, führen nicht nur zu massiven Abwasserverunreinigungen, sondern auch zur Ausbildung resistenter Bakterienstämme, so dass auch menschliche Infektionskrankheiten bereits in absehbarer Zeit nicht mehr behandelt werden können.
  5. Bei der Fleischproduktion entstehen, wie der Artikel es vorrechnet, enorme Mengen an klimaschädlichen Emissionen.
  6. Zur Fütterung der Tiere wird Getreide angebaut, wofür natürliche Ökosysteme zu Monokulturen verwandelt werden und die Biodiversität zerstört wird.
  7. Die Monokulturen lassen sich nur unter Verwendung von Pestiziden, Herbiziden und chemischen Düngemitteln wirtschaftlich betreiben.
  8. Auch wenn in Europa genmodifizierte Pflanzen weitestgehend verboten sind, so wird doch der Großteil der Futtermittel für die intensive Tierhaltung durch genmodifizierte Soja und Mais aus Süd- und Nordamerika abgedeckt. Die Bauern geraten in Abhängigkeit der Großindustrie.

Wir erregen uns über die Unfähigkeit von Politik und Wirtschaft, geeignete Maßnahmen gegen den Klimawandel zu vereinbaren und durchzusetzen und verkennen dabei, dass wir durch unser eigenes Verhalten jeder für sich einen entscheidenden Beitrag gegen die Zerstörung der Welt leisten müssen und können. (hps)

Dies alles führt dazu, dass die Viehzucht nicht nur für ca. 37 Prozent des emittierten Methans verantwortlich ist, sondern auch für ca. 9 Prozent des Kohlendioxids und für ca. 65 Prozent aller Stickoxide, die vor allem aus den Düngemitteln stammen. Hinzu kommt noch das Ammoniak aus der Gülle, welches zur Versauerung des Regens und damit der Böden und des Wassers beiträgt.

Die Nachfrage nach Fleisch steigt und steigt

Die immense Belastung des Klimas hat natürlich viel mit der stetig steigenden Nachfrage nach Fleisch zu tun. Die Menschen auf dieser Erde essen heute rund 230 Millionen Tonnen pro Jahr und damit etwa doppelt so viel wie 1970. Glaubt man den Prognosen der Welternährungsorganisation WHO, so wird der Fleischkonsum bis 2050 auf 465 Millionen Tonnen steigen, die Milchproduktion von heute knapp 600 Millionen auf 1050 Millionen Tonnen. Damit wird auch die Zahl der Rinder und Kühe weiter steigen – mit den entsprechenden Folgen fürs Klima.

Es gibt heute erste Politiker, die angesichts dieser Zahlen laut über eine „Kuh-Abgabe“ nachdenken. Mit dem Ziel, das Fleisch zu verteuern, den Fleischkonsum zu drosseln und damit die Zahl der Kühe zu verringern. Auf Klimakonferenzen ist die Landwirtschaft ohnehin ein Thema. In Kopenhagen wurde u.a. darüber diskutiert, ob die Landwirtschaft mit in den CO2-Zertifikatehandel eingebunden wird.

Die einen schlemmen, die anderen hungern

Der übermäßige Fleischkonsum des wohlhabenden Teils der Erdbevölkerung ist aber nicht nur ein Problem fürs Klima, er trägt auch wesentlich zum Hungerproblem in den armen Regionen bei. Weil es für die Produktion eines Kilos Fleisch zwischen 7 und 16 Kilo Getreide braucht, landet mehr als die Hälfte des weltweit geernteten Getreides in Futtertrögen anstatt auf den Tellern. Fleisch zu essen, ist also eine sehr effiziente Art, Nahrungsmittel zu vernichten. Würde die ganze Ernte an die Menschen statt an die Tiere gehen, so stünden jedem Bewohner dieses Planeten täglich über 600 Gramm Getreide zur Verfügung. Würde man auch noch die politischen Probleme im Zusammenhang mit der Verteilung lösen, so wäre Hunger kein Thema mehr. Zur Erinnerung: Vor einigen Monaten hat die UNO gemeldet, dass mehr als eine Milliarde Menschen hungern müssen. Die wachsenden Migrationsströme von Süden nach Norden haben viel mit dieser Zahl zu tun.

Wie hat Albert Einstein einst gesagt? „Nichts wird die Chance auf ein Überleben der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung“.

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12 Antworten zu “1 kg Fleischessen = 250 km Autofahren””

  1. Pressel, Olaf
    Titel:

    Ich bin zeitlebens Vegetarier, lebe sehr gut und schlemme trotzdem gerne, das muss kein Gegensatz sein. Es wird auch wenn alle wenig Fleich essen würden nicht so sein, dass kein Fleisch mehr gegessen werden kann, da müsste sonst das Fleisch für die Milch- und Lederproduktion weggeworfen werden. Das verlangt niemand. Über den Preis der einzelnen Nahrungsmittel der völlig falsch ist, werden die Menschen zu schädlicher Ernährungsweise verleitet. Wenn Fleisch einfach so teuer wäre, wie es eigentlich sein müsste, um die Schädigungen des Klimas ausgleichen zu können, dann würde der Konsum sich auch regulieren. Frohe Weihnachten.

  2. Manfred
    Titel:

    Die Einbeziehung der Landwirtschaft in den CO2-Emissionshandel ist absoluter Schwachsinn. Vielmehr sollte man auf die flächendeckend nachhaltige, ökologische Produktion, auch von Fleisch setzen. Darauf sollten Foodwatch und andere Institutionen Einfluss nehmen und gesetzliche Regelungen einfordern. Der Vergleich Auto und Kuh geht doch am Thema vorbei. Bei diesem Vergleich, wenn man ihn schon anstellt, muss dann auch die gesamte Produktion des Autos einbezogen werden. Wenn ausschließlich auf regionale Produktion von Fleisch unter
    Einbeziehung v.g. Grundsätze gesetzt wird, relativiert sich der negative Einfluss der Fleischproduktion auf die Umwelt. Warum müssen Tiere
    über hunderte von Kilometern transportiert werden, warum muss Rindfleisch aus Argentinien nach Europa importiert und dafür auch noch Regenwald gerodet werden Warum wird nicht auf einheimische Eiweißfuttermittel gedrängt, anstelle von Soja aus Brasilien, Argentinien . . .???
    Wir sollten uns wirklich nicht bei einem Vergleich zwischen Auto und Kuh aufhalten – es gibt wirklich gravierendere Probleme, die gelöst werden müssen – solche Vergleiche lenken doch nur ab von Themen, wie Kriege
    (welche Umweltbelastungen gehen davon aus . . .?), Hunger in der Dritten Welt, Unterdrückung, Ausbeutung von Ressourcen etc.!
    Darüber sollten wir uns austauschen und Wege zur Lösung angehen – alles andere sind nur Nebenkriegsschauplätze und nützen nur denen, die von diesen Dingen profitieren und gezielt ablenken – solange wir uns mit CO2 aufhalten, stellen wir keine anderen Fragen . . . !!!

  3. e.Breitenmoser
    Titel:

    Ich bin zwar sehr dafür, dass man den Fleischkonsum auf ein sinnvolles Mass reduziert. Massiv Mühe habe ich jedoch damit, wenn in diesem Beitrag Essen mit Autofahren verglichen wird. Essen muss jeder, Autofahren müsste eigentlich niemand. Und es gibt – gerade in der Schweiz- weite Teile des Landes, die NUR zur Fleischproduktion oder zur Produktion tierischer Lebensmittel wie Milch genutzt werden kann. Oder wollen Sie etwa, dass die Bevölkerung “ins Gras beisst” und die Gründlandgebiete der Berge abgrast, an denen nichts anderes gedeiht als Gras, Gras und nochmals Gras? Auch die Schweine als Abfallverwerter haben in unsere Gesellschaft eine wichtige Funktion, ebenso wie man die tierische Eiweissversorgung nicht einfach nur negativ sehen soll. Fleisch in einem vernünftigen Mass und dafür deutlich weniger Mobilität, das sollte eigentlich das Motto sein. Aber wie so oft, wird hier lieber die Landwirtschaft schlecht gemacht, obwohl diese schon seit Jahrtausenden betrieben wird. Dafür stellt man dann den Verkehr als vergleichsweise harmlos hin. Doch Autos kann man nicht essen…

  4. Martin Schäppi
    Titel:

    Wie so vieles ist auch dies eine Frage des richtigen Masses. Ein naturnahe Weidewirtschaft mit Kleinvieh (Ziegen, Geissen usw) wäre in den Alpen und Voralpen eine sehr sinnvolle Landwirtschaft und würde der Verbuschung vorbeugen. Und diese Tiere können bedenkenlos zu Fleisch verarbeitet werden. (z.B. Sfiefelgeissen-Projekt von http://www.prospecierara.ch)

    Aber wir Mitteleuropärer essen ja lieber Filets, wo möglich aus Argentinien und am liebsten täglich. Diese Rechnung geht natürlich nicht auf. Also: massvoller Konsum und dort einkaufen, wo man weiss woher das Produkt kommt!

  5. Evi
    Titel:

    Den hohen Fleischkonsum thematisieren finde ich okay, aber die Art und Weise wie das hier gemacht wird, finde ich völlig daneben: Fleisch mit Autofahren zu vergleichen ist absurd. Man könnte dieselbe Rechnung auch mit Wein machen, Wein braucht man wirklich überhaupt nicht, das ist ein reines Genussmittel. Wieviel Energie würde weltweit eingespart, wieviele Arbeitskräfte freigesetzt, wieviele Tonnen CO2 NICHT ausgestossen, wenn die gesamte Rebbaufläche der Natur überlassen würde??? Dann bräuchte man auch keine Weinkeller, keine Glasflaschen, keine Korkeichen, keine Transporte… und solche Texte würden einem auch erspart.

    Fleisch ist ein gesundes und ehtisch vertretbares Nahrungsmittel wenn es aus artgerechter Haltung kommt und zu einem guten Teil von Wiederkäuern stammt oder wenn das Fleisch als Koppelprodukt anfällt: als Verwertung von Schotte oder Küchenabfällen oder als Bullenkalb von Milchkühen. Selbstverständlich sollte Fleisch massvoll genossen werden – genauso massvoll wie Autofahren. Die Rechnung mit dem 7 kg Getreide pro Kilo Fleisch ist zudem in dieser Form falsch: Eine Mutterkuh frisst z.B. fast gar kein Getreide sondern ernährt sich und ihr Kalb von Gras, welches wir ja nicht fressen wollen oder können. Und ein Poulet frisst drei Kilo Getreide für ein Kilo Fleisch, nicht sieben oder acht…

    Wenn man nur das Klima betrachtet, ist es übrigens “umweltfreundlicher” die Tiere in geschlossenen, engen Ställen zu halten – weil dann pro Kilo Fleisch weniger Emissionen freigesetzt werden… Alternativ könnte man natürlich das Auto essen. Ich trinke dann aber lieber weniger Wein….

  6. Darius Weissmüller
    Titel:

    Ich wollte mit meinem Beitrag keinesfalls den Konsum von Fleisch verteufeln. Es ist, wie Martin Schäppi völlig richtig bemerkt, eine Frage des Masses und des richtigen Kaufentscheides – nämlich für Fleisch von Tieren, die in unseren Breitengraden artgerecht gehalten werden. Und der Vergleich mit dem Auto sollte nur illustrieren, in welchem Masse auch die Nutztierhaltung das Klima belastet. Dass die Ernährung von wesentlich existenziellerer Bedeutung ist, versteht sich ja von selbst. Ich war selber 10 Jahre Vegetarier und esse immer noch wenig, gerne aber gutes Fleisch.
    Ich bedanke mich aber sehr herzlich für die engagierten Kommentare.

  7. Ulrike
    Titel:

    Ich finde den Artikel auch zu einseitig. Und er bietet keine Ideen an, wie wir gemeinsam das Problem der Überversorgung/Übersättigung der Industrieländer verhindern können. Weniger Fleisch essen als Tipp finde ich ok. Besser fände ich, nur noch Fleisch, aber auch Gemüse, Soja? etc. aus kleinbäuerlicher, tierfreundlicher, regionaler Haltung zu kaufen. Wir kennen die Vergleiche zur genüge – Wein aus Übersee hat scheins auch die bessere Ökobilanz, als der aus der Schweiz – Schade,dass der Artikel so ist. Wenn der Newsletter sich so weiterentwickelt, werde ich ihn nicht mehr lesen wollen.
    Grüsse vom Berg

  8. Philippe Wyss
    Titel:

    Die Lust am Fleisch sitzt tief, Essen ist generell mit vielen Emotionen verbunden, wohl jeder Mensch hat schon aus Frust mehr gegessen als sinnvoll ist. Entsprechend fallen auch Kommentare emotional aus…und die Situation “richtig” zu beurteilen ist menschlich nicht ganz einfach. Da prallen zwei Heilige Kühe, das Auto und die Tierindustrie (“Landwirtschaft”) aufeinander.

    Wenn aber jeder Mensch auf sein innerstes Gefühl, sein Herz hört, wird er oder sie verstehen, ob ein Tier unter wirklich tierfreundlichen Bedingungen lebt und ob es Sinn macht, dass wir dieses Tier für unseren Bedarf töten wollen/sollen/”müssen”. Die Tierindustrie, die Tierhaltung auf vielen Bauernhöfen, wie sie auch heute leider immer noch sehr verbreitet ist – auch in der Schweiz(!) und oft auch unter leider nur wenig besseren Bedingungen auf biologisch geführten Betrieben(!) – ist sehr oft nicht tierfreundlich! Wer mit offenen Augen und Herzen verschiedene Tierhaltungsbetriebe anschaut, wird merken, was wirklich tier- und klimafreundlich ist und was nicht. Mutterkuhhaltung ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung!

    Getreide, Obst und Gemüse wachsen übrigens auch gut auf unseren Alpen bis auf relativ grosse, heutzutage fast nicht mehr vorstellbaren Höhen, nur ist das Wissen darüber durch die bis vor kurzem massiv subventionierte Fleisch- und Milchindustrie verdrängt worden. Dass Produktion und “Haltung” von Lebensmitteln tier-, pflanzen- und menschenfreundlich auch in der bergigen Schweiz möglich ist, zeigt z.B. die Permakultur (eine “Weiterentwicklung” der biologischen Landwirtschaft) wie sie z.B. Sepp Holzer auf über 1000m über Meer oder das Delinat-Institut :-) entwickeln.

    Massvoller Genuss (ca. 1 mal pro Woche oder Monat…) von Fleisch aus echter, extensiver Freiland-Tierhaltung (auch Schweine lieben eine Weide!) kann ich mit meinem Wissen und Gewissen als ok bezeichnen. Mehr ist aber nicht nur für unsere Welt und Mitlebewesen, sondern auch für unsere eigene körperliche Gesundheit eher unzuträglich. Dasselbe gilt übrigens auch für den intensiven Kuhmilchkonsum in Europa und Nordamerika, der ebenso für viele sogenannte Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes und Arthritis (mit-)verantwortlich ist. Ab und zu Käse oder Joghurt geniessen, ist meiner Meinung nach sicher in Ordnung, wertvoller noch wären Ziegenmilchprodukte. Die Abholzung von unvorstellbaren Flächen von Wald für das Futter unserer Milchkühe, Mastkälber und -schweine (und “Bio”-Diesel aus Palmöl für unsere Autos) schleckt aber auch keine Geiss weg…

  9. hps
    Titel:

    Wer kein Auto fährt, ist am leichtesten von der Schädlichkeit des Autofahrens zu überzeugen. Wer in den sommerkühlen Bergen wohnt, braucht nicht lange von der schlechten Energiebilanz elektrischer Klimaanlagen überzeugt zu werden. Wer Wein nur aus Flaschen kennt, sieht auf den ersten Blick, wie wichtig eine artenvielfältige Begrünung im Weinberg ist. Und wer nie im Kuhstall gearbeitet hat, unterzeichnet schnell eine Petition, die das Enthornen von Rindern verbieten will. Die Notwendigkeit, bestimmte eingefahrene Gewohnheiten zu durchbrechen, lässt sich nun mal am leichtesten von denjenigen erkennen, deren Leben nicht von eben jenen Gewohnheiten geprägt ist.
    Die beiden kurz vor Weihnachten veröffentlichten Artikel über die ökologischen Kosten des hohen Fleischkonsums haben eine heftig geführte Kontroverse ausgelöst. Dabei lag es uns völlig fern, den ersten Stein zu werfen und anzuklagen. Wir sind keine religiösen Eiferer, die anderen Menschen eine bestimmte Lebensart vorschreiben wollen und z.B. Fleischkonsum generell verbieten. Wir wollten lediglich auf die enorme Höhe der ökologischen Kosten hinweisen, die mit dem Massenkonsum an Fleischprodukten und deren industrielle Herstellung verbunden sind.
    Tiere gehören zu unserer Lebenswelt und artgerechte Tierhaltung zur kulturellen Tradition der Menschheitsgeschichte. Dass die industrielle Nahrungs- und Tierproduktion die Welt an einen Abgrund führt, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Bauern und Viehzüchter überall auf der Welt großartige Leistungen für eine nachhaltige, tiergerechte Erzeugung köstlicher, gesunder Nahrungsmitteln leisten. Eine bemerkenswerte Organisation in dieser Hinsicht ist die Schweizer Bergheimat, in der sich Bio-Bergbauern zusammengeschlossen haben, um das kulturelle Erbe der schweizerischen Landwirtschaft zu bewahren und eine lokale Versorgung mit qualitativ hochwertigen pflanzlichen wie tierischen Nahrungsmitteln zu sichern (www.schweizer-bergheimat.ch).
    Frohe Festtage mit vielen nachhaltigen Lebensgenüssen, wünscht Ihnen
    Hans-Peter Schmidt

  10. Werner Kuhnle
    Titel:

    Ich bin zwar kein Vegetarier, aber ich finde es mutig und richtig, solche Artikel zu veröffentlichen, die buchstäblich “Heilige Kühe” zwar nicht schlachten, aber wenigstens hinterfragen !
    Falls die Zahlen stimmen, dann ist es auch richtig, sie zu veröffentlichen, auch wenn es manchem (einschließlich mir) nicht gefällt.
    Bitte eher mehr als weniger davon.

    Ich habe beim Ithaka-Journal generell eher das Problem, daß ich oft nicht recht weiß, ob das Journal nur zum “Greenwashing” dient. Dies deshalb, weil manche für ökologischen Weinbau aus meiner Sicht wichtige Dinge wie zB. Kupfer-Reduktion, kaum angesprochen werden.

  11. Marcel
    Titel: Energie infos

    Auch ich bin kein Vegetarier . Jedoch überlege ich mir mittlerweile wo und bei wem ich mein Fleisch kaufe . Traurigerweise sind in dieser studie (1kg zu 250km) die Tranportkosten nicht einberechnet . Dadurch entsteht je nach transport (Futtermittel+ Fleisch als fertiges endprodukt) eine noch graußigere Bilanz . Auch ich habe mich kurz dem Thema gewidmet und ein interessantes Video online gestellt ! http://energie-und-umwelt.at/umwelt/ist-der-verzehr-von-fleisch-am-klimawandel-mit-schuld-525
    Lg Marcel

  12. Bodenschützer
    Titel:

    Ihren Satz “Wo einst Regenwald war weiden heute Rinder” sollte man vervollständigen: Wo einst Regenwald war weiden heute Rinder – und morgen fahren darauf SUVs, landen Flugzeuge oder werden Shopping Citys aus dem noch(!) fruchtbaren Boden gestampft!
    Wir in der westlichen Welt betonieren unsere mächtigen Schwarzerdeböden, die sich über Jahrtausende aufgebaut haben, innerhalb weniger Jahrzehnte zu – und müssen in Brasilien Regenwald abholzen um unseren Hunger zu stillen.

    Zum Vergleich Fleischkonsum mit Verkehr:
    Erst kürzlich beklagte sich GLOBAL2000 über den wachsenden Fleischverzehr in China und Indien, der zu Lasten des Klimas geht. Ist auch richtig, aber soll die arbeitende Bevölkerung auf den Verzehr von Fleisch verzichten, dass die High Society Schicht jede Woche 5x mit dem Flugzeug rund um die Welt fliegen kann und das auch noch steuerfrei?
    aprobos:Für 1kg Brot zahlt jeder Mehrwehrtsteuer, ein Flugticket für Paris Hilton zur nächsten Party am anderen Ende der Welt ist UStfrei.

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