(Deutsch) Autos als Kohlenstoffsenken


par Hans-Peter Schmidt & Nikolaus Foidl

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11 Le Responses pour “(Deutsch) Autos als Kohlenstoffsenken””

  1. Dr. Armin Siepe
    Titre:

    Lieber Hans-Peter, ein toller und innovativer Artikel, danke!! In Gänze wegweisend & unterstützenswert!

    Bitte erlaube mir aber doch, an einer Stelle einen Neben-Aspekt zu korrigieren: 2. Absatz im Artikel: « Lässt man Baumholz im Wald verrotten, ist die Kohlenstoffbilanz im besten Fall neutral. »

    Allein schon das Wort « verrotten » suggeriert Negatives, Unnützes.

    Tatsächlich aber ist das Totholz ungemein wertvoller Lebensraum, für Pilze, Käfer, Insekten, Nahrungskette (Biodiversitäts-Strategie = Arten-Vielfalt, gegen Arten-Sterben, nach Alt- & Totholz-Konzepten Wald, FSC-Siegel u.v.m.).

    Aus Sicht der Klimabilanz aber: Dabei baut sich wieder Humus im Waldboden auf, der durch eine permanente Holz-Nutzung ansonsten überwiegend entzogen würde. (Allein nur Laub- und Schwachholz-Verbleib im Wald erhält allenfalls den Humus-Pool, oft nicht einmal das.) Die Kohlenstoffsenke 50-60% C im Humus ist ja bekannt, ebenso die vielfachen weiteren Nutz- und Lebensraum-Wirkungen eines gesunden, Humus-reichen Bodens im Wald (und nicht nur dort)! Der Boden könnte dank Totholz Humus Klimagas-Senke sein, ist unter Nutzung derzeit allermeist aber Klimagas-Quelle!

    Auf die Spitze getrieben wird eine nur sektorale Betrachtung in einer jüngst weit verbreiteten Pressemitteilung des Fachverbands Pflanzenkohle mit ähnlicher Aussage (in top-agrar u.a. Medien) – Zitat:

    « Momentan liegen 17 Millionen Tonnen Holz in den Wäldern … Sie verwittern ungenutzt und geben dadurch Kohlenstoff ab. Diese unglaubliche Menge an Material könnte zu sehr guter Pflanzenkohle verarbeitet werden. Dazu brauchen wir neben den nötigen technischen Anlagen auch die Rückendeckung und das Verständnis aus der Politik, was Pflanzenkohle wirklich leisten kann.“

    Diese Empfehlung ignoriert die oben genannten und weitere wesentliche Zusammenhänge. Sie verstößt auch gegen Kriterien des EBC-Siegels (für Leser: Europäisches Biokohle Certificat, Grundlage für Pflanzenkohle- Herstellung und -Nutzung). Sie riefe, würde sie denn umgesetzt, zum Wald- und Humus-Plündern auf. Möge sie uns, der Forst-, Klima- und Bodenschutz-Politik erspart bleiben.

    Gerade wir, die wir Natur- und Umwelt-Zusammenhänge ganzheitlich denken wollen, müssen uns stets bemühen, die mono-thematische und sektorale Brille abzulegen, so weit wir eben vermögen. Ithaka tut das in beeindruckendem Maße!!!

    In diesem Sinn Danke für stetes, beeindruckend-engagiertes Wirken, alles Gute, jeden Erfolg und persönliches Wohlergehen weiter auch im Neuen Jahr 2020!

    Herzlich Armin
    —————–
    Dr. Armin Siepe
    Büro SchwarzErde
    Lindenplatz 3
    D-76185 Karlsruhe

  2. hps
    Titre:

    Lieber Armin,
    Vielen Dank für den wichtigen Hinweis, den wir in dieser Diskussion nicht vergessen dürfen. Totholz hat im Wald eine enorm wichtige Funktion und ist nötig, um das Waldsystem in gesunder Balance zu halten. Aus Sicht der Kohlenstoffbilanz – und darauf bezog sich der Satz im Artikel – verursacht das Verroten von Baumholz sogar mehr Treibhausgase als das kontrollierte Verbrennen, da im Rotteprozess auch Methan entsteht. Das heißt freilich nicht, dass alles Totholz entfernt werden müsste. In Wäldern, die unter Naturschutz stehen, bleibt ja auch alles Totholz im Wald. In Wirtschaftswäldern aber gibt es keine absolute Notwendigkeit, mehr als einen biologisch notwendigen Prozentsatz an Totholz zu belassen. Klimaschutz ist nun einmal ein Kompromiss, der immer wieder zwischen den natürlichen und den anthropogenen Kohlenstoffkreisläufen ausgehandelt werden muss. Ohne Waldbewirtschaftung lässt sich die Treibhausgasbilanz nicht neutralisieren, selbst wenn die Verbrennung von fossilen Bodenschätzen bis 2050 auf Null zurückgefahren würde. Allerdings lässt sich aus der Waldbewirtschaftung nur dann ein Klimanutzen ziehen, wenn die Biomassen zu kohlenstoffspeichernden Materialien transformiert werden, und wenn weder der Wald noch der Humus weniger werden.
    Herzlich, Hans-Peter

  3. Dr. Armin Siepe
    Titre:

    Lieber Hans-Peter,

    herzlichen Dank für Deine rasche Antwort! Wir sind uns einig, die Totholz- und Kohlenstoff-Vorräte in Waldböden zu erhalten, wo möglich auszubauen. Wälder unter Naturschutz, die Du nennst, in denen das Totholz grundsätzlich verbleibt, sind z.B. die Bannwälder in Baden-Württemberg. In denen (aber auch nur in denen) ist jede Nutzung, also auch Entnahme von Totholz verboten. Nun haben diese Wälder in B-W allerdings nur einen Flächen-Anteil von 0,22 %! Wir können uns bestimmt einigen, dass dieser geringe Anteil keinen flächendeckenden Humusschutz im Wald insgesamt bewirken kann!

    Im Übrigen ist ja eben hier die Entnahme von Totholz verboten – also diese Wälder haben die von mir angesprochenen, auch kritisierten Empfehlungen zur Restholz-Entnahme aus dem Wald eben nicht gemeint.

    Die Empfehlungen zur Restholzentnahme meinen vielmehr die Wirtschaftswälder. Hier wird aber ja sowieso das Nutzholz in großem Umfang entnommen, also ein erheblicher Teil des Kohlenstoffs bereits exportiert. Ich sprach ja nicht gegen Waldbewirtschaftung an sich – ganz bestimmt auch für den Klimaschutz. Meine Warnung gilt der Empfehlung, nun auch noch das restliche, bisher verbleibende Holz ganz oder in Teilen zu entziehen – zum Schaden der Boden- und Humusbildung, des Arten- und Biotopschutzes.

    Die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel nennt im Hinblick auf Wald-Böden das Ziel: „Schutz der ökologischen Leistungsfähigkeit der Böden durch die Erhaltung der organischen Substanz, Umsetzung standortangepasster Landnutzungsstrategien zur Verringerung negativer Effekte durch Veränderungen in der Boden- und Humusbildung.“

    Die Europäische Forststrategie formuliert in dieselbe Richtung: „Bestehende Kohlenstoffbestände sollen geschützt und ausgebaut und neue Kohlenstoffbestände angelegt werden.“

    FSC-zertifizierte Wälder wiederum legen eine „betriebliche Biotop- und Totholz-Strategie“ fest.

    Ich weiß von meinen Forst-Kontakten, dass Totholz ganz gezielt aus diesen Strategien und Gründen im Wald belassen wird. Was wir heute in Zeiten der Intensiv-Nutzung im Wald noch haben, ist also (allenfalls !!!) der von Dir genannte « biologisch notwendige Prozentsatz an Totholz » (vielleicht eher nur knapp!). Da sind keine Riesen-Überschüsse mehr für Pflanzenkohle oder Ähnliches. Dem Anliegen der Forstverwaltung würde ein Aufruf also nicht gerecht, das (notwendige!) Restholz aus Klimaschutzgründen nun doch wieder zu entziehen.

    Meine Aussagen sehe ich also konform mit den offiziellen Wald- und Forst-Strategien. Wir sollten also wesentlich differenzierter argumentieren, als eben nur aus der einen, sektoralen Sicht. Die hat uns schon bei vielen Themen des Natur- und Umweltschutzes in – durchaus vermeidbare – Konflikte geführt. Pflanzenkohle – für die ich mich einsetze – hat genug Widerstände. Diese hier brauchen wir nicht.

    Herzlich Armin

  4. Hermann Schuster
    Titre:

    Hallo Herr Schmidt
    Ich habe den Beitrag „Autos als Kohlenstoffsenken“ mit Begeisterung gelesen, und mir das Interview angehört. Welche Möglichkeiten es gibt, Holz als Ausgangsproduckt zu verwenden, gleichzeitig den Kohlenstoff dauerhaft und sinnvoll zu speichern. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann kann man nur astfreies Stammholz, einzelne Holzstücke oder Bretter zu hochwertigen Materialen verdichten. Meine Überlegung zu einer weiteren Möglichkeit wäre der Einsatz als Dachziegel. Damit könnte man die kurzen Stammstücke zwischen den Astreihen verwerten. Durch Ankohlen der Dachziegel würde die Haltbarkeit und Entflammbarkeit weiter erhöht werden.
    Grüße und viel Erfolg bei den Aufgaben im neuen Jahr
    Hermann Biobauer aus Österreich

  5. hps
    Titre:

    Lieber Hermann,
    Dachziegel wären tatsächlich eine weitere hervorragende Möglichkeit. Ich gehe davon aus, dass auch als Spänen verdichtete Holzmaterialien hergestellt werden können, aber das muss erst noch gezeigt werden. Das Torrefizieren/Ankohlen von Holz ist eine weitere wunderbare Möglichkeit, Holz dauerhaft haltbar zu machen, womit eben auch die C-Senkenkapazität gesteigert würde.
    Holzschutz durch Oberflächen-Torrefizierung ist übrigens ein anderer Artikel, den ich schon seit langem einmal schreiben möchte.
    Beste Grüsse und Dank für den Kommentar, Hans-Peter

  6. Anton Bischof
    Titre:

    Hallo Herr Schmidt

    Ein wirklich sehr interessanter Beitrag mit enormem Potential

    Trotz aller Euphorie möchte ich drei Dinge anmerken:
    1. Ich würde das Wort « ungiftig » bei den Laugen weglassen oder durch unbedenklich ersetzen.
    2. Bei der Beschreibung über die Herstellung fehlt mir der Energieaufwand für das Kochen und Dämpfen, welcher sich natürlich je nach Brettstärke durch die unterschiedlichen Kochzeiten extrem verändert und
    3. ist es zwar genial, dass man zu entsorgende Teile zerhäckseln und verkohlen kann, aber wenn diese zuvor gegen Wasseraufnahme lackiert waren ist das nicht mehr so unproblematisch.

    @Interview: Wenn Sie die Flasche innen leicht antoasten, erreichen Sie einen noch viel größeren Effekt als in Barriques :-)

    Mit freundlichen Grüßen
    Toni Bischof

  7. hps
    Titre:

    Vielen Dank für die wertvollen Anmerkungen.
    1) Hinsichtlich der Laugen ersetze ich das « ungiftig » gern durch « unbedenklich ». Allerdings ist genau das im Auge zu behalten. Zwar sind die beiden bisher verwendeten Laugen tatsächlich unbedenklich, aber wie man die Industrie kennt, werden hier sicher noch ganz andere Laugen getestet werden, um den Prozess zu optimieren, und da sollte man dann genau darauf schauen, dass keine Umweltbelastungen auftreten.
    2) Die Energiebilanz muss natürlich in die Gesamtbilanz einberechnet werden. Wir haben das bisher nur überschlagen und ableiten können, dass der Energieaufwand im Vergleich zum Energiegehaltes des Holzes gering ist, entscheidend wird dann die industrielle Umsetzung und wie im konkreten Fall die Energie bereitgestellt wird.
    3) In den meisten Fällen sollte eine Imprägnierung mit natürlichem Öl genügen. Sollten spezielle Lacke verwendet werden, muss natürlich untersucht werden, welche Schadstoffe während der Pyrolyse daraus entweichen können.

    Besten Dank und Gruss, Hans-Peter Schmidt

  8. Uwe Thomas
    Titre:

    Hallo allerseits :)

    ich frage mich, ob Hanf/zellulose sich wohl auch wie Holzzellulose zu komprimierten « Holz » be- und verarbeiten lässt.

    Herzliche Grüße

    Uwe

  9. hps
    Titre:

    Das frage ich mich auch, gehe aber davon aus, dass es funktionieren sollte. Miscanthus, Switchgras, Bambus, Hanf – die C-Effizienz wäre deutlich höher als die von Bäumen.

  10. jakob
    Titre: Nährstoffe im Wald

    Der Artikel enthält sehr viel wertvolle Information, geht jedoch meiner Meinung nach zu wenig auf Herkunft des Holzes ein. Es gibt sogar einen Wiederspruch: heimische Wälder schützen und zugleich mehr Bauholz fördern? Ich glaube nicht.
    Selbst wenn es möglich wäre dem Wald nicht durch das Gerät zu schaden und man die Auswirkungen auf Flora und Fauna in Grenzen halten könnte: Durch massenhaftest Abtransportieren des Holzes (und damit einhergehende Unterbindung einer lokale Zersetzung) muss doch der Waldboden extrem leiden, oder etwa nicht?

    Vielen Dank für den Artikel und beste Grüße,
    Jakob

  11. hps
    Titre:

    Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Aber wenn man all das Holz, das derzeit für sogenannte Bioenergie verbrannt wird, durch materielle Nutzung zu C-Senken macht, könnte man sowohl die heimischen Wälder schützen als auch mehr Bauholz erzeugen.
    Die Nutzung von Wäldern als C-Senke sollte selbstverständlich mit Schutz von Wald und Biodiversität einhergehen. Hier gibt es den Unterschied zwischen Natur- und Nutzwäldern und vor allem die Kombination von Land- und Fortswirtschaft als Ackerforst, wodurch mehr nutzbare Biomasse für C-Senken erzeugt wird als durch reine Nutzwälder.

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