Bienen im Weinbau – Erste Ergebnisse


von Claudio Niggli und Fabian Nürnberger

Mit der Integration von Bienenstöcken in die Rebkulturen begeht das Delinat-Institut unkonventionelle Wege. Ob und inwiefern Honigbienen für das Ökosystem Rebberg von Nutzen sind, wird laufend beobachtet. Im Zentrum stand bisher ein Versuch, durch den nachgewiesen werden sollte, dass sich durch die Anwesenheit von Bienen im Weinberg der Befall durch Traubenwickler erheblich reduzieren lässt. Nun sind die Daten ausgewertet worden und es liegen erste Ergebnisse vor.

Viele Winzer haben Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von Honigbienen. Dabei geht es nicht primär um die Befürchtung, bei der Arbeit von den Tieren gestochen zu werden, sondern um die Weinqualität. Honigbienen saugen gerne den zuckerreichen Saft von Trauben. Da sie aber selbst nicht in der Lage sind, die Traubenhäute zu durchbeissen, sind sie an Frasslöchern von Wespen oder Vögeln zu finden. Durch Bienen können Bakterien übertragen werden, die bei bestimmten Bedingungen zu Essigfäule führen.

bienenstockAuf einer Kulturfläche von 5000 m2 wurden auf dem Versuchsgut des Delinat-Instituts 8 Bienenstöcke inmitten der Rebzeilen aufgestellt. Die Bilanz ist sehr positiv ausgefallen: Obwohl mehrere Frassspuren von Vögeln in der Versuchsparzelle gefunden werden konnten, wurde in einer Stichprobe von fünfzig Stöcken kurz vor der Ernte nur an einer Traube eine Biene beim Saugen gefunden. Die untersuchte Reihe befindet sich in unmittelbarer Nähe der Bienenstöcke und der Bienenflug war am Stichtag dank der meteorologischen Verhältnisse intensiv. Dasselbe Ergebnis fand sich an 50 untersuchten Stöcken in einer rund 30 m entfernten Nachbar-Parzelle. Auch während der Erntearbeiten konnten keine saugenden Bienen und auch keine Fressspuren beobachtet werden.
Wir nehmen an, dass die Attraktivität der Trauben aufgrund der auch spät noch blühenden Begrünung (besonders Malva sylvestris) und Ausgleichsflächen abnimmt, die Bienen vielleicht Blütennektar bevorzugen.

Die 8 Bienenstöcke stehen in Parzellen mit Pinot Noir und Fendant, welche eine sehr feste Traubenhaut aufweisen und somit auch nicht von den Füssen der Bienen aufgeschabt werden können. Die Bienen sind daher darauf angewiesen, dass die Trauben durch Wespen, Ameisen, Vögel oder Traubfäule geöffnet werden, um an den süssen Traubensaft zu gelangen.

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Es konnte allerdings beobachtet werden, dass die Frassschäden durch Wespen allgemein, aber besonders in Nähe zu den Bienenstöcken gering waren. Diese Beobachtung soll in künftigen Untersuchungen ebenfalls statistisch untersucht werden. Erwachsene Faltenwespen sind Allesfresser und ernähren sich unter anderem von Blütennektar und Insekten. Es wäre gut möglich, dass durch die erhöhte Pflanzen- und Insektenvielfalt im Weinberg die Wespen viele alternative Futterquellen angeboten bekommen und darum der Befrass an Traubenbeeren reduziert wird.

Im nächsten Jahr werden wir die Versuche auf Parzellen mit „dünnhäutigen” Trauben wie Humagne Blanc und Muskat ausweiten. Des Weiteren planen wir umfangreiche Untersuchungen zu Wechselwirkungen von blütenreicher Begrünung mit Bienen und Wespen in Bezug auf eventuelle Fressschäden.

Bienen gegen Traubenwicklerbefall

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Versuchsfläche mit Zelten

Wissenschaftler der BEEgroup an der Uni versität Würzbürg haben entdeckt, dass die Larven von gewissen Schmetterlingsarten auf die Flügelschlagfrequenz einer herannahenden Wespe mit Starre oder Fluchtverhalten reagieren (TAUTZ & ROSTÀS). Werden solche instinktive Reaktionen über einen längeren Zeitraum immer wieder provoziert, führt der Stress zu einer gebremsten Entwicklung der Larve und später des ausgewachsenen Falters. In Experimenten wurde gezeigt, dass die untersuchten Raupenarten offenbar nicht zwischen den Flügelschlagfrequenzen von  Echten Wespen und Honigbienen unterscheiden können. Faltenwespen sind als Prädatoren natürliche Feinde der Raupen, Honigbienen sammeln ausschliesslich pflanzliche Substanzen als Nahrung. Es drängte sich die Frage auf, ob Bienenflug im Weinberg die Entwicklung von Traubenwicklern, einem schädlichen Kleinschmetterling, indirekt massgeblich beeinflussen kann. In Zusammenarbeit mit der BEEgroup  wurde im Rahmen einer Diplomarbeit von Fabian Nürnberger ein entsprechendes Freiland-Experiment geplant und auf dem Delinat-Institut mit dem Bekreuzten Traubenwickler (Lobesia botrana) umgesetzt. Zudem wurden im Labor Versuche mit Tönen durchgeführt, welche bei der durchschnittlichen Flügelschlagfrequenz von Honigbienen liegen und dabei die Auswirkungen auf die Larvenentwicklung untersucht. (Die detaillierte Auswertung des Versuches finden Sie in der Druckausgabe des Artikel >>> hier)

 

Wildbienen – eine kleine Zwischenbilanz

Im Juni diesen Jahres wurden fünf Insektenhotels am Ende von Rebzeilen installiert und ein zusätzliches in einer Böschung integriert. Diese dienen primär als Nisthilfen für diverse Wildbienen-Arten. Es wurden sowohl Laub- als auch die allgemein weniger empfohlenen Nadelhölzer (vorwiegend Lärche) verwendet. Total befinden sich 941 der angebotenen Löcher in Laubholz, 938 in Nadelholz. Inzwischen sind rund 8 % der angebotenen Nisthilfen in Holzsubstrat belegt worden, wobei der Anteil in Laubholz doppelt so hoch liegt, wie in Nadelholz. Einen kleinen Anteil an Nadelholz in Nisthilfen können wir aufgrund dieser Resultate durchaus empfehlen.

bienenhotel

Auch wenn mit den bisherigen Methoden kein Einfluss der Bienen auf den Schädlingsbefall gezeigt werden konnte, ziehen wir aus unseren Beobachtungen eine sehr positive Bilanz für den Einsatz von Honigbienen im Weinbau. Bienen fördern die Biodiversität im Weinberg und tragen damit zur Stabilisierung des Ökosystems bei. Zudem ist Honig ein schmackhaftes, gesundes Naturprodukt und Bienenstöcke nicht zuletzt deshalb eine schöne Bereicherung der Rebkulturen. In der “Charta für Biodiversität im Weinberg” wird denn auch die Installation von Bienenstöcken empfohlen.

>>> Zur Druckausgabe des Artikels

Weiter Artikel zum Thema:
Bienen als Pflanzenschützer
Wenn Pflanzen um Hilfe rufen
Nisthilfen für Wildbienen

Literatur:

Tautz, J. und Rostás, M.: “Honeybee buzz attenuates plant damage by caterpillars” , Current Biology 18 (24) pp. R1125 – R1126

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5 Antworten zu “Bienen im Weinbau – Erste Ergebnisse””

  1. Maexchen1
    Titel:

    Verstehe ich das richtig,
    es werden auch von Würmern befallene und von anderen Insekten angefressenen Trauben für den Wein verwendet?

    Und dann reden Sie noch von einer Weinqualität?

    Es ist auch richtig, das Bienen Bakterien übertragen.

    Was hier aber nicht geschrieben wird,
    das auch Wespen Bakterien wie Escherichia coli und sogar Salmonellen übertragen können.
    Fliegen finden sich auch auf den verletzten Trauben und saugen bekanntlich auch auf Fäkalien.

    Fruchtfliegen können ebenfalls Essigbakterien übertragen.

    So schön ich als Imker den Versuch mit den Bienen auch finde – nebst den Vorbehalten gegenüber Bienen sollten auch Probleme mit anderen Insekten aufgezeigt werden.

  2. cln
    Titel:

    Grundsätzlich ist es uns ein Anliegen, genau jene Vorbehalte gegen Honigbienen mit guten Argumenten zu relativieren.
    Zum hygienischen und mikrobiologischen Aspekt: Trauben, welche angefressen sind, setzen nach einiger Zeit Schimmel an und werden sodann bei der Ernte ausgemustert. Bei frisch verletzten Trauben gibt es keinen Grund, diese nicht mitzuverarbeiten. Für den Menschen potentiell schädliche Keime werden, wenn überhaupt, höchstens in vernachlässigbar geringem Masse durch Insekten auf die Trauben übertragen. Im Milieu, welches bei der Gärung entsteht, werden zudem die meisten Bakterien abgetötet. Wein ist mit seinem Gehalt an Alkohol, Säuren und Gerbstoffen ein schlechtes Milieu für die allermeisten Mikroorganismen. Was es nicht zu vergessen gilt: Das Immunsystem eines gesunden Menschen kann mit Erregern in geringer Keimzahl gut fertig werden und wird im Alltag auch überall und immer mit potentiell schädlichen Keimen konfrontiert – ohne Folgen für die Gesundheit. Fruchtwürmer sind in den reifen Beeren nicht zu finden.

    Mit freundlichen Grüssen, Claudio Niggli

  3. sabine Csampai
    Titel:

    Sehr geehrte Damen und Herren, ich lebe in der südl. Toskana und habe einen 1ha großen Garten,voll mit Obst, Beeren, Blumen, Oliven, den ich völlig biologisch bearbeite. Ich hätte gerne Bienen, aber ich habe auch 400 Weinstöcke, die ich so wenig wie möglich spritze, aber 2-3x zwischen April und Juli muß ich Schwefel und Kupfer spritzen. Beides ist im biol.Weinanbau erlaubt, schadet das den Bienen zu sehr? Um meinen Garten ist in 3 Richtungen nur “Natur”, aber ein Nachbar hat Gemüse und spritzt mit allem was im Handelö ist.Kann ich trotzdem Bienen halten? Bitte um Hilfe. Sabine Csampai

  4. hps
    Titel:

    Das werden die Bienen überstehen. Wir haben einige Winzer, die Bienen im biologischen Weinbau halten. Die Bienen werden sich ohnehin eher in der Natur bedienen als im Garten Ihres Nachbars. Da geht es vielen Bienen viel schlechter, als es in dem von Ihnen beschriebenen Paradies sein wird.

  5. Markus
    Titel:

    Hallo,

    sorgen Sie zusätzlich dafür dass genug Hornissen und Wespen auf Ihrem Gelände einen Lebensraum finden, ebenfaalls der Bienenwolf und Spinnen, in deren Netze sich die Bienen fangen.

    Grüße, Markus

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