Biokohle für Biowein – TV-Report


von Sandra Odermatt

Eine Reportage des Schweizer Fernsehens zeigt die Herstellung von Pflanzenkohle und deren Einsatz im Weinbau. Dass Pflanzenkohle CO2 speichert und die Fruchtbarkeit der Böden verbessern kann, ist ja durchaus bekannt. Ob aber dadurch auch der Wein besser wird? Ein großer Feldversuch des Delinat-Instituts soll Antwort darauf bringen.

 

Kommentar zum Film

Während der Saison 2011 hat die Journalistin Sandra Odermatt mit ihrem Filmteam vom SF1 verschiedene Pflanzenkohleversuche sowohl am Delinat-Institut als auch bei den Forschungspartnern des Biochar Science Networks begleitet. Drehbeginn war im Frühjahr während der Anlage des großen Kompostversuches, wo auf neun jeweils 12 m3 großen Mieten die Kompostierung mit und ohne Pflanzenkohle miteinander verglichen wurde. Neben den üblichen Kennwerten der Kompostierung wie Temperatur, Kohlendioxid und Sauerstoff, wurden aller zwei Tage Kompostproben zur Analyse der verschiedenen Stickstoffumsätze entnommen. Außerdem wurden Gasproben abgezogen und anschließend an der Universität Gießen auf das extrem klimaschädliche Lachgas untersucht. Die ausführlichen Ergebnisse des Kompostversuches werden ab Januar 2012 veröffentlicht. Im Vorfeld dieser Veröffentlichung kann aber schon gesagt werden, dass die Kohlenstoffeffizienz um 20% und die Stickstoffeffizienz um 12% durch den Einsatz von 20% Pflanzenkohle verbessert werden konnte.

Da zum Drehbeginn im Frühjahr 2011 zu Pflanzenkohle noch Biokohle gesagt wurde, behielt man während der gesamten Reportage diesen Begriff bei und erwähnte nur zu Beginn den mittlerweile stattgefundenen Begriffswechsel. Der markante Titel “Biokohle für Biowein” verfehlt nicht seine Wirkung, auch wenn die Pflanzenkohle natürlich nicht nur im biologischen Weinbau, sondern insbesondere in den bedeutend fragileren Böden konventioneller Weingüter ihre besonderen Eigenschaften zur Wirksamkeit bringen wird.

Im Juni hat das Filmteam dann die Anlage des Pflanzenkohle-Versuches im Weinberg gefilmt. Auf einer 1000 m2 großen Parzelle, die zeitgleich auf biologischen Anbau umgestellt wurde, legte man vier Varianten mit je fünf Wiederholungen an: Pflanzenkohle-Kompost, Pflanzenkohle pur, Kompost pur und die Kontrolle ohne jeden Zusatz. Anschließend wurde die Pinot-Noir-Parzelle mit einer niedrig wachsenden Leguminose-Begrünung eingesät.

Parallel zur Anlage des Versuches im Weinberg, wurden auch mehrere Feldversuche im Gartenbau mit den gleichen Substraten sowie einigen speziell aktivierten Pflanzenkohle-Düngern angelegt. Auch dies wurde von dem Filmteam bis zur Herbsternte der Kartoffeln, Tomaten, Bohnen, Porree und Rosenkohl gefilmt, hatte in der Reportage dann allerdings keinen Platz mehr gefunden. Dies ist einerseits etwas bedauerlich, dient andererseits aber der Konsistenz des 8minütigen Filmes. Die Dokumentation der Gartenversuche und des Einsatzes von speziellen organischen Pflanzenkohle-Düngern hätten das Thema zu komplex gemacht und dem Erzählfluss geschadet. Die Ergebnisse der Gartenversuche werden im Januar 2012 im Ithaka-Journal veröffentlicht.

An einem halben Drehtag war das Filmteam auf der Pyrolyse-Anlage von Swiss Biochar, wo die Pflanzenkohlen für unsere Versuche hergestellt werden. Diese erste Anlage zur industriellen Herstellung von Pflanzenkohle war vor anderthalb Jahren quasi als Pilotanlage der Firma Pyreg in die Schweiz geliefert worden. Seither wurde die Anlage mehrmals umgebaut und in Zusammenarbeit mit dem Delinat-Institut in vielen Details verbessert. Inzwischen wurde an dem Standort bereits eine Anlage der zweiten Generation in Betrieb genommen, die nun auch stabil im Dauerbetrieb läuft und von der inzwischen weitere Anlagen in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland in Betrieb genommen wurden. Die im Film gezeigte Animation des Pyrolyseprozesses gehört übrigens zum Besten und Verständlichsten, was zur Erklärung der Pyrolyse je im Fernsehen zu sehen war.

An der Universität Zürich, zu der das Delinat-Institut ebenso wie zum Agroscope Reckenholz und zur Universität Gießen eine intensive Forschungspartnerschaft pflegt, wurden die eingesetzten Pflanzenkohlen und Pflanzenkohlesubstrate detailliert untersucht und charakterisiert. Auf Grundlage dieser Daten lassen sich die Versuchsergebnisse auch auf andere Standorte übertragen und mit den Resultaten anderer Versuche vergleichen.

Zum Abschluss des Filmes wurden die Blatt- und Traubenanalysen sowie deren Auswertung aufgenommen. Insofern der Einsatz von Pflanzenkohle ein langfristiger Prozess zur Regenerierung der Bodenaktivität ist, konnten im ersten Jahr noch keine signifikanten Steigerungen hinsichtlich des Ertrages und der Pflanzengesundheit erwartet werden. Umso erstaunlicher und erfreulicher ist es, dass schon nach der ersten Vegetationsperiode eine klare Zunahme der Triebdurchmesser und vor allem des assimilierbaren Stickstoffs in den Trauben gemessen werden konnten. Im extrem heißen und trockenen Jahrgang 2011 vermuten wir die Ursache vor allem in der erhöhten Wasserverfügbarkeit der Varianten mit Pflanzenkohle-Kompost. Die bessere Bodendurchlüftung, die höhere Nährstoffverfügbarkeit und die stärkere mikrobielle Aktivität spielten vermutlich ebenfalls eine nicht zu vernachlässigende Rolle. In den parallel angelegten Versuchen auf den Gütern des Delinat-Forschungsnetzwerkes in Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland zeigten sich ebenfalls bereits im ersten Jahr ähnliche Ergebnisse. Die Auswertung dieser Resultate wird noch 2011 in Ithaka veröffentlicht.

Zur Freude aller Beteiligten zeigen die letzten Bilder des Filmes, dass die Weinlese auf Mythopia, auch wenn es das von Wissenschaftlern geleitete Forschungsgut des Delinat-Institutes ist, Ausdruck einer familiären Tradition geblieben ist.  (hps)

Das obige Bild von Terra Preta in Indianerhänden stammt aus dem sehr schönen Film “Die Wiederentdeckung der Terra Preta”, die der Dresdner Schriftsteller Ingo Schulze für das ZDF gedreht hat. Wunderbare Bilder aus dem Amazonas, Interviews mit alten Indianer und neuen Cowboys… Hier der Link zum Film.

Und auch in der Wochenzeitschrift Die Zeit ist kürzlich ein ganzseitiger Artikel über die Terra Preta erschienen: Terra Preta, ein fruchtbarer Humus der Indios, wird als vielseitiger Retter zerstörter Böden gepriesen.

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2 Antworten zu “Biokohle für Biowein – TV-Report””

  1. Peter Stucki
    Titel: Mit eigenem Beispiel voran

    Lieber Hans-Peter,
    ich habe Deinen Beitrag über Biokohle gesehen. Es war ein sehr guter Beitrag, bravo!
    Wir sind nun selber gerade daran Biokohle zu verarbeiten und ich konnte bereits einen Nachbarn davon überzeugen. Gleichzeitig werden wir auch Versuche machen die Kohle mit EM aufzuladen.
    Wir werden die Kohle, da wo wir zu starken Wuchs haben, direkt in den Boden einbringen um die Nähstoffe, welche eingeschwemmt werden abzubinden.Auch werden wir nach Deinem Beispiel, Einsaaten und Einpflanzungen im Rebberg vornehmen.
    Euer Mythopia hat uns alle sehr inspiriert, und wir sind voller neuer Ideen nach Hause gefahren.
    PS
    Ich habe den Versuch aufgegeben, gegen Ämter, Politik und Industrie zu kämpfen, es ist ein frustrierender Kampf gegen Windmühlen.
    Wir werden auf unserem Betrieb eine Insel schaffen und unsere “Energie” somit für unsere kleine Insel sinnvoll einsetzten und da mit gutem Beispiel vorangehen.
    Liebe Grüsse und weiterhin viel Erfolg
    Peter

  2. Udo Thiem
    Titel: Gutes Beispiel

    Ich probiere die Methode mit der Biokohle seit einiger Zeit selbst im Garten beim Gemüseanbau. Bin gespannt ob es da auch funktioniert.

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