Pestizidsteuer, Fleischsteuer, Rohstoffsteuern – keine Lohnsteuern


von Hans-Peter Schmidt

Wenn nicht Löhne und Gewinne besteuert würden, sondern der Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen, könnten Wirtschaftswachstum und Ökologie zumindest für eine Übergangszeit in Einklang gebracht werden. Kostenneutral würden hoch wirksame finanzielle Anreize für den ökologischen Wandel der Wirtschaft und den Stopp der Ressourcenvernichtung gesetzt. Ökologisches Handeln würde sich für Konsumenten und Produzenten wirtschaftlich auszahlen.

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Suggestivwirkung des Wirtschaftswachstums

Das Wirtschaftswachstum errechnet sich auf den im Grunde rein fiktiven Werten des Geldumsatzes., wobei es unerheblich ist, ob das Geld für die Produktion von Konsumgütern, für die Organisation königlicher Hochzeiten, für die Heilung von Krebskranken, den Kauf von Getreidefutures, für die Aufräumarbeiten an zerstörten Atomreaktoren oder Beerdigungen von Tornadoopfern ausgegeben wird. Insofern der Marktwert von Rohstoffen sich lediglich aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage errechnet und durch Spekulation stark beeinflusst wird, fallen die Folgekosten für die Umwelt sowie die künftige Verknappung dieser Ressourcen komplett aus den Kalkulationen des Wirtschaftswachstums heraus.

Die Bedeutung des Wirtschaftswachstums erklärt sich vor allem aus der Suggestivwirkung der simplen Tatsache des Wachstums selbst. Denn im Grunde geht es bei der Statistik des Wirtschaftswachstums hauptsächlich darum, dass Konsumenten und Produzenten genügend Vertrauen in die Zukunft fassen, um eigenes und geliehenes Geld rasch auszugeben bzw. zu investieren. Solange möglichst viele finanzielle Werte in zügigem Umlauf sind, kann sich die Mehrheit mit dem Eindruck trügen, dass Reichtum und Wohlstand wachsen und sich entsprechend wirtschaftsgünstig verhalten.

 

Finanzielle Anreize zu höherer Rohstoffeffizienz

Insofern das Wirtschaftswachstum also ohnehin eine fiktive Größe ist und seine Bedeutung vor allem durch Suggestivwirkung erlangt, könnte man die Fiktion auch anders als durch die Hinnahme von Ressourcenverschleiß und Umweltzerstörung erzeugen. Anstatt die Gewinne zu versteuern, könnte der Rohstoff- und Ressourcenverbrauch versteuert werden. Da die Geschwindigkeit der Geldzirkulation dadurch nicht sinken würde, bliebe es fürs Wirtschaftswachstum vorerst beim Gleichen. Und da die Steuersumme insgesamt gleich hoch bliebe, würde sich auch für das Staatseinkommen nichts ändern. Die Ressourceneffizienz jedoch könnte erheblich erhöht werden und der Verbrauch von nicht erneuerbarer Quellen ließe sich regulieren.

Wer mehr verbraucht, zahlt mehr Steuern. Da aller Verbrauch von Ressourcen zu Lasten der Gemeinschaft geht, wäre die Rohstoffsteuer damit auch gerechter als die Einkommenssteuer, die sich kaum als Lenkungsmaßnahme ökologisch gemeinnützigen Handelns eignet. Die Höhe der Ressourcensteuern könnte sich dynamisch am Steuerbedarf des Staates sowie am ökologischen Wert der jeweiligen Ressourcen regulieren. Auf diese Weise würde erstmals für eine finanzielle Rückkopplung der Wirtschaft mit ihren natürlichen Grenzen gesorgt, welche von der Gesamtheit der verfügbaren Ressourcen vorgegeben sind. Die Wirtschaft ist ein offenes Untersystem des Ökosystems und kann sich unmöglich über dessen Grenzen hinausentwickeln. Solang die Wirtschaftentwicklung nicht finanziell an das vom irdischen Ökosystem vorgegebenen Ressourcenpotential gekoppelt wird, nähert sich der ökologische Crash der Wirtschaft in exponentieller Funktion zur Zeit.

Ölsandproduktion in Kanada. Die derzeitige Produktion von 1,5 Milliarden Barrel Öl soll bis 2025 auf 3,5 Milliarden Barrel gesteigert werden. (Foto: Greenpeace)

Bisher berechnet sich der Preis für die Nutzung natürlicher Ressourcen nur über die Kosten, die für die Bereitstellung der Rohstoffe anfallen. Holz z.B. kostet soviel wie das Fällen, Transportieren, Trocknen und Sägen eines Baumes sowie das durch Spekulation beeinflusste Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Und zwar unabhängig, ob es der erste oder letzte Baum eines Waldes ist, solang genügend andere Wälder den Weltmarktpreis für Holz stabil halten. Für Öl, Phosphor, Wasser, Fisch und Getreide funktioniert die Preisbildung ebenso. Ohne staatliche Eingriffe kann sich dies nicht ändern, da in der freien Wirtschaft sowohl die Folgekosten wie z.B. Grundwasser-, Boden- und Luftverschmutzung als auch das Aufbrauchen nicht erneuerbarer Ressourcen wie z.B. das Abpumpen fossiler Grundwasservorkommen außerhalb der vom Markt bestimmten Wirtschaftlichkeitsrechnungen bilanziert werden. Die Folgekosten verteilen sich auf die Gemeinschaft und werden letztendlich durch Steuergelder und den Verlust an Lebensqualität von der Gesamtheit der heutigen und künftigen Gemeinschaft getragen.

Diese Schwachstelle des Wirtschaftssystems lässt sich nur korrigieren, wenn sämtliche ökologische Folgekosten auf die Produkte umgelenkt werden, was allerdings nicht durch die Wirtschaft selbst, sondern nur durch staatliche Regulierung erfolgen kann. Wenn dies erfolgt, funktionieren auch die Gesetze der freien Marktwirtschaft wieder, da die notwendigen Anreize für höhere Ressourceneffizienz geschaffen und die Wirtschaftsentwicklung dynamisch mit den ökologischen Systemgrenzen rückgekoppelt wären.

Eine solche Umstellung des Steuersystems ist im Grunde weniger kompliziert, als es auf den ersten Blick scheinen mag, und ließe sich weitaus transparenter als die Abschöpfung von Einkommens- und Gewinnsteuern gestalten. Für jede Tonne verbrauchten Kohlenstoffs müsste eine Quellensteuer erhoben werden und ebenso für jeden Kubikmeter verbrauchten Wassers, für Uran, Silizium, Phosphor, Stahl, Beton, Boden, Wald. Die Kosten würden dabei sowohl dem Produzenten als auch den Konsumenten verrechnet, und ein Produkt würde umso billiger, je weniger Ressourcen bei seiner Produktion aufgewendet werden. Wer Ressourcen, anstatt zu verbrauchen, wieder bindet, recycelt und erneuert, könnte durch Steuerbonifikationen vergütet werden. Wer also Humus aufbaut, Bäume pflanzt, Nahrungspflanzen nachhaltig anbaut, Kohlenstoff in den Boden zurückführt, Theaterstücke inszeniert, das Eis im Polarmeer wachsen lässt, Biomasse und Schmetterlinge in die Sahara oder Lachse in die Bergflüsse zurückbringt, erhielte Steuerrückzahlungen. Die sich selbst erfüllende Fiktion des Wirtschaftswachstums ließe sich auf diese Weise ohne Weiteres aufrecht erhalten. Es würde sogar eine gänzlich neue Wirtschaftslage geschaffen, deren Dynamik wie nach dem Weltkrieg einen regelrechten Wirtschaftsboom auslösen würde, nur dass in diesem Fall die eigentliche Lebens- und Lebensraumqualität nicht ignoriert würde.

 

Energie, Pestizide, Fleisch – Konkrete Schritte

Aufgrund der grenzenlosen Märkte wird sich dieses Konzept für einige Rohstoffe leichter als für andere umzusetzen lassen. Aber es ist auch gar nicht nötig, gleich von Beginn anein fertig ausgeklügeltes System für alle Rohstoffe, Ressourcen und Spezialfälle zu verabschieden. Es lässt sich sehr gut schrittweise umsetzen, alles Weitere ergäbe sich aus der rasch sich entfaltenden Eigendynamik.

Am leichtesten einzuführen wäre eine Energiesteuer auf nicht erneuerbare Energien von beispielsweise 100%, womit die Lohnsteuer um ca. 5% gesenkt und Arbeitslosen wie Rentnern eine Beitragserhöhung zugesprochen werden könnte. Für das Gesamtsteueraufkommen des Staates wäre es das Gleiche, aber es gäbe einen wirklichen Anreiz zum Stromsparen und zu Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien. Selbst die Stromerzeuger würden durch Planungssicherheit keine Verluste einfahren, sofern sie in alternative Energien investieren. Parallel könnte die Steuer auf Heizöl, Zement und Abfälle im Ausgleich zu weiteren Lohnsteuerkürzungen erhöht werden.

Der nächste wichtige Schritt wäre eine je nach Giftklasse abgestufte Steuer auf Pestizide und Herbizide von bis zu 500%. Durch den großflächigen Einsatz dieser Produkten kommt es zu erheblichen Schädigungen der  natürlichen Ressourcen, der Lebensraumqualität sowie der Gesundheit. Derzeit werden die Kosten für diese Schäden wie selbstverständlich von der Allgemeinheit getragen, anstatt nach dem Verursacherprinzip von den Herstellern und Anwendern zurückgefordert zu werden. Durch die Einführung einer Pestizid und Herbizidsteuer würden die tatsächlichen Kosten dieser Produkte auf den Produktpreis aufgeschlagen, anstatt als versteckte Subvention von der Gemeinschaft geleistet zu werden.

Die Höhe der Pestizidsteuer müsste sich an den verursachten Umweltnebenkosten ausrichten. Die Lebensmittelpreise würden je nach der gewohnten Einsatzmenge solcher Produkte zunächst steigen, was durch abermals verringerte Lohnsteuern und erhöhte Renten- und Sozialbeiträge abgefedert werden müßte. Um die Bauern in dieser Umstellungsphase zu unterstützen, müsste eine zeitlich begrenzte Zwischenfinanzierung für die Umstellung auf nachhaltigere Anbaumethoden geschaffen werden. Um zu verhindern, dass die nationalen Märkte mit billigen pestizidbelasteten Landwirtschaftsprodukten aus dem Ausland überschwemmt werden, müsste auf allen Lebensmitteln die Einsatzmengen von Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln nach den entsprechenden Giftklassen aufgedruckt und eine Handelssteuer wie derzeit bereits bei Zigaretten erhoben werden. Allein diese Maßnahme würde alle Diskussionen um genmodifizierten Soja- oder Maisanbau umgehend beenden, denn die Herbizide würden zu teuer, als dass diese Art der Landwirtschaft noch rentabel wäre. Schließlich sind das Problem der genmodifizierten Futterpflanzen weniger die modifizierten Gene als vielmehr die Herbizide, mit denen die Felder der herbizidresistenten Pflanzen eingesprüht werden.

Des Weiteren sollte eine Fleischsteuer von ebenfalls bis zu 500% die Kosten für Regenwaldabholzung, genmodifizierte Futterpflanzen, Klimagase und Epidemien ausgleichen und dafür sorgen, dass der Fleischkonsum um wenigstens die Hälfte reduziert wird, was nach neuesten Berechungen die gesamten Treibhausgasemissionen eines mitteleuropäischen Landes um 20% reduzieren würde.

Die Recyclingsteuer sollte je nach Produkt variabel zwischen 10% und 250% die effektiven Umweltkosten für das Recycling von Konsumprodukten abdecken. Hinzu kämen eine Steuer auf jeden Quadratmeter versiegelten Bodens und ein Bonus für jeden neu gepflanzten Baum, Strauch und jeden Quadratmeter begrünter Dach- und Parkfläche.

Am Ende dieser Steuerreform könnte die Lohnsteuer komplett abgeschafft werden, während die Staatseinnahmen dank der entsprechend festgelegten Ressourcensteuern gleich blieben. Für den Staat und sein Volk würde daraus eine wirkliche Gestaltungsmöglichkeit erwachsen, um ohne Einbußen an Lebensqualität und Wirtschaftswachstum den eminent drohenden Zusammenbruch der Umwelt gerade noch zu verhindern. Es braucht im Grunde nicht viel, nur ein bisschen Mut zum Nachdenken und Entscheiden. Ein Kleinstaat wie Liechtenstein oder Luxemburg könnte zum Vorreiter und Beispiel für die Welt werden.

Ohne ein solches flexibles Steuersystem, das die ökologischen Grenzen der wirtschaftlichen Entwicklung zur Berechnungsgrundlage hat, wird wahrscheinlich weder der Klimawandel abgebremst noch die Erhaltung der Lebensräume noch überhaupt die Sicherung der Nahrungsgrundlage des größten Teils der Menschheit erreicht werden können. So wie die soziale Marktwirtschaft nur durch staatliche Eingriffe und Regulierung möglich wurde, wird auch die ökologisch-soziale Marktwirtschaft nur durch intelligente politische Rahmenbedingungen möglich werden.

 

PS.: Die EU-Kommission hat übrigens im Jahre 2010 selbst eine Rohstoffsteuer vorgeschlagen. Allerdings sollte diese nicht durch Reduktion der Lohn- und Gewinnsteuern finanziert werden, sondern so niedrig ausfallen, dass sie zusätzlich erhoben und als Einnahmequelle für die EU-Verwaltung in Brüssel genutzt würde. Immerhin hat die EU-Kommission errechnet, dass bei einer um 20% effizienteren Nutzung aller derzeit verarbeiteten Bodenschätze, ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von einem Prozent erzeugt würde. Bundeswirtschaftsminister Brüderle reagierte vehement auf den Vorstoß der EU: “Eine Steuer auf den Rohstoffverbrauch würde die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie beeinträchtigen. In den letzten Monaten haben die Preise für viele Rohstoffe bereits kräftig angezogen. So verdoppelten sich die Preise für Eisenerz. Eine zusätzliche Steuer würde die industrielle Produktion in ganz Europa weiter verteuern. Für die gerade wieder anspringende Konjunktur wäre das fatal.”

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Empfohlene Literatur zum Thema:

Herman E. Daly (1996): Beyond Growth [eines der tiefgründigsten und wohlüberlegtesten Bücher über die Grundlagen einer ökologische Wirtschafsreform]

Lester R. Brown (2011): World on the Edge [ein eindringliches Buch, das konkrete Methoden und Massnahmen beschreibt, durch die bis 2020 die ökologische Wende erreichbar wäre]

Hans Christoph Binswanger (2011): Die Glaubensgemeinschaft der Ökonomen [5 wegweisende Essays vom Erfinder der Ökosteur]

Swantje Küchler, Bettina Meyer (2011): Was Strom wirklich kostet – Vergleich der staatlichen Förderungen und gesamtgesellschaftlichen Kosten von Atom, Kohle und erneuerbaren Energien. Langfassung (100 Seiten), Kurzfassung (10 Seiten inkl. Grafiken), Pressemeldung von Greenpeace Energy

Das Forum für ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) entwickelt ebenfalls Modelle für eine ökologische Steuerreform

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11 Antworten zu “Pestizidsteuer, Fleischsteuer, Rohstoffsteuern – keine Lohnsteuern””

  1. Tony Katz
    Titel: Neues System

    In eine ähnliche Richtung, nämlich Löhne und Gewinne steuerfrei zu stellen geht das http://www.bandbreitenmodell.de. Es dreht das heutige Prinzip einfach um. 1. Regel: Wer Geschäfte (in einem Land) machen will, muß Arbeitsplätze bieten. 2. Regel: Wer zu wenig GUT bezahlte Arbeitsplätze bietet, muß eine HÖHERE Umsatzsteuer bezahlen (Nebeneffekt: Arbeitslosigkeit und Niedriglohnsektor beseitigt). Jetzt kommt die deutliche Ähnlichkeit mit obigen Artikel: komplett steuerfrei sind folgende “Branchen”: erneuerbare Energien, landwirtschaftliche Produkte (außer Biosprit), Kultur, Sport, Bildung! und Hausbau für eigene Zwecke.

  2. Jürgen Teigeler
    Titel:

    Es ist erfreulich, dass wenigstens realistische und durchaus verwirklichbare Ideen da sind, wie aus dem derzeitigen zerstörerischen Wirtschaftssystem auszusteigen wäre. Dummerweisse muss man aber im Hinblick auf ihre Realisierung immer im Irrealis sprechen, solange Politiker und Wirtschaftskapitäne das Sagen haben, die auch die kleinste Änderung in diese Richtung als den Einstieg in den dann umgehen anstehenden Weltuntergang definieren. Man schaue sich nur an, was mit dem Vorschlag geworden ist, beim KFZ den CO2-Ausstoß zu besteuern. Oder welche Aufregung im Ländle herrschte, als Winfrid Kretschmann, der designierte Ministerpräsident von Baden-Württemberg, sagte: “Wir brauchen nicht mehr Autos, sondern mehr Mobiität.” (Zusatz: Am gleichen Tag stand in der Zeitung, dass wir auf den Fernstraßen 105 Km Staus zu verzeichnen hatten!)

  3. Thorsten Schober
    Titel:

    Rein mathematisch lassen sich 500% Aufschlag nicht mit 5% Senkung ausgleichen. Sicher sollte aktiv Umweltschutz betrieben werden und die Ressourcen sollten erhalten bleiben. Die oben dargestellten Vorgehensweisen würden die Wirtschaft jedoch zum Erliegen bringen. Wer würde denn noch produzieren, wenn das Nichtproduzieren vergütet wird? Es würde sich eine massive Disbalance zwischen Dienstleister und Gewerbe bilden, weiterhin würde die Armut in Deutschland und weltweit noch weiter ansteigen. Weltweite Märkte würden ausgehebelt. Die einzig treibende Kraft in der Welt sind die Rohstoffe, aus denen sich die Produkte und Leistungen schaffen lassen. In einem Punkt jedoch muss ich zwingend zustimmen, und der betrifft die Honorierung der Rohstoffrückführung. Es kann nicht sein, dass z.B. Recyclingpapier mehr kostet als konventionell gebleichtes. Würden hier z.B. durch staatliche Regulierung Maßnahmen ergriffen, wäre das begrüssenswert, wenn konventionelles Papier einfach per Gesetz teurer würde. Die Kosten fürs Recyceln werden sich ja kaum senken lassen.

    Zu Tony Katz: Wie soll ein Startupunternehmen eine reelle Marktchance haben, wenn es zugleich für fehlende Arbeitsplätze, die es sich zu beginn nicht leisten kann, “bestraft wird”?

  4. Martin Gesell
    Titel: zu schwarz-weiß

    “…würden die Wirtschaft jedoch zum Erliegen bringen.”
    “…würde die Armut in Deutschland und weltweit noch weiter ansteigen.”
    “Weltweite Märkte würden ausgehebelt.”
    “Die einzig treibende Kraft in der Welt sind die Rohstoffe,…”

    …diese Aussagen sind ohne Begründung vorgebracht und mir auch zu einseitig …man kann das Thema nicht schwarz-weiß betrachten …es gibt auch etwas dazwischen, eine realisierbare, von der Wirtschaft verkraftbare Zwischenstufe.
    Sicher waren die “Vorschläge” auch nicht als tatsächlich realisierbare, ernste Ziele gedacht, sondern als Ideallösung in deren Richtung man streben sollte.

    “Geht nicht – kann man nicht machen – die Wirtschaft geht zugrunde…”, das hab ich schon so oft gehört (im Bezug auf Umweltschutz, etc.), und nicht einmal erlebt, dass es tatsächlich so kam.
    Ich denke es ist eher Angst vor Veränderung, vor Unbekanntem … nicht davor Verluste zu machen, sondern davor “von dem vielen Geld etwas abgeben zu müssen”.

    Nicht alles was wir tun müssen (müssten) wirft sogleich 10% und mehr Rendite…

    Gruß

  5. Peter Straub
    Titel: Ein wichtiger, nüchterner Ansatz

    Die traditionellen Wirtschaftsmodelle und Vorstellungen davon, dass und wie Kollektivität zu organisieren seien, gingen von einer “Unerschöpflichkeit” der Ressourcen aus. Eine weitere, etwas einfältige Vorstellung belegt auch heute noch den Verstand vieler im Abstrakten hochintelligenter, sich gegen das Konkrete mit allen ihnen Verfügbaren mentalen und materiellen Mitteln bisher erfolgreich abschirmenden Autoritäten, Excellenzen, Experten, Exponenten, usf., dass nämlich Prozesse beliebig lange und auch noch beliebig beschleunigbar ohne nennenswerte Nachteile für deren künftige Fortsetzbarkeit weiterlaufen können wie bisher – und dies auf einer Erdoberfläche, die einfach nur sehr unbedeutend vergrösserbar ist – “aufpumpen” jedenfalls liesse sich der “Erdball” nicht ohne auch für die Privilegiertesten möglicherweise unwillkommene Folgen. Man wird auch den Weltbedarf von Getreide nie in einem Blumentopf anpflanzen können.
    Man wird auch die Kosten wovon und wofür auch immer nie auf Null senken können, jedenfalls nicht nach gegenwärtig gebräuchlichen Berechnungsmethoden, die natürlich auch mit unseren Vorstellungen von “Geld” und wozu es dienen und taugen soll, zusammenhängen.

    Der Bedarf nach Geld und seinen Verwendbarkeiten hat sich mit der Komplexität und quantitativen Grösse von Organisationsformen des Kollektiven entwickelt und unter quantitativen wie qualitativen Aspekten gesteigert.

    Vermutlich war und ist es nicht, wie idelogisches Eifern es voreilig und einseitig darstellt, vorrangig und nur “reine Gier”, wenn neue, komplexe Anlage- (Kaufkraft- und Kreditspeicher-), Kredit- und Transaktionsinstrumentarien (Derivate) entwickelt wurden und werden, sondern auch die Ahnung und das Erkennen vieler mit Geld intensiv Beschäftigter, dass grundlegende Innovationen fällig und überfällig geworden sind, um nicht nur die quantitativen sondern auch die neuen qualitativen Bedürfnisse zu befriedigen, die eine möglichst friedliche und zivilisiert sein sollende Globalwirtschaft hervorbringt, während das Bewusstsein des Otto Normalverdieners und -verbauchers wie noch vor Jahrzehnten unter “Geld” versteht, was er in Scheinen bei sich und in Zahlen auf Kontoauszügen bestätigt erhält (Motto: “Wenn nur die Kasse stimmt”).
    Dieses naive und rückständige Geldverständnis wird durch die in einigermassen zivilisierten Makrokollektivorganisationen (was heute noch unter “Staaten” verstanden wird) gängigen Besteuerungsformen bestätigt und trägt wenig bis nichts zur Weiterentwicklung der Auffassung von Geld und seiner Bedeutung für und Auswirkungen auf das menschliche Dasein im Allgemeinen, und die Gestaltbarkeit individueller Existenz im Besondern bei.

    Die Evolution menschlicher Kollektivität steht zu wiederholtem Male vor der Notwendigkeit der Einsicht, dass “Geld” nicht länger allein über Mengen und Mengenverhältnisse definiert werden kann und darf.

    Es liegt einigermassen nahe – womit allerdings noch nicht erwiesen ist, dass ein neu und besonders auch über Qualitäten (und die können sogar sich darauf auswirken, was mit Geld entgeltlich sein kann und darf) definiertes Geld sich auch auf die Steuerideologieen und -systeme auswirken kann.

    Der Gedanke, dass mehr an den Kollektivkosten beitragen soll, wer mehr Entgeltliches für sich in Anspruch nimmt und kosumiert, kann durchaus als Element in einem künftig notwendigen, neu entwickelten Geld- und Steuersystem Platz finden.

  6. EuroTanic
    Titel:

    Wir brauchen gar keine Steuer ausser einer Mehrwertsteuer auf Produkte und Dienstleistungen. Dann könnte der Verbraucher direkt mit dem Portmonaie abstimmen.

  7. Sebastian Meyer
    Titel:

    Ich denke, dass es auf einen breiten Diskurs in den Gesellschaften weltweit ankommt. Es mangelt nicht an Ideen, die sich eignen, dazu beizutragen, die Welt liebenswerter zu gestalten. Das ist ja das, woran es uns am allermeisten gebricht: Liebe!

    Damit das nicht eine hohle Phrase bleibt: In dem Moment, wo ich von meinen Mitmenschen eine Leistung entgegennehme – nicht vorher und auch an keiner anderen Stelle der “Wertschöpfungskette” – kann am transparentesten aufleuchten, was uns das entgegengenommene “Gut” (Sing. von “Gütern”) Wert ist und was dieses bestimmte Produkt für die Allgemeinheit bewirkt. Kurz: Ein fairer Preis und das Ausschleichen aller versteckten Steuern ermöglichen zunehmenden Durchblick und werden gegenseitiges Vertrauen – Wirtschaft/Gesellschaft/Politik/Kultur/Ethnien/Religionen usw. in Zukunft aufbauen helfen.

  8. hps
    Titel:

    Sicher ist auch das eine Möglichkeit, sofern die Mehrwertsteuern den Verbrauch an Ökosystemdienstleistungen und Ressourcenverbrauch wiederspiegeln. Entscheidend ist vor allem, dass die tatsächlichen Kosten, also auch die Kosten, die erst in Zukunft anfallen, auf die Verbrauchsgüter aufgeschlagen werden.

  9. Jochen Binikowski
    Titel:

    Vieleicht wäre es ja ein Anfang wenn man zunächst die Steuergerechtigkeit mit simplen Methoden erhöht. Z.B. eine Mindeststeuer von 1,5% auf alle Firmenumsätze, Mieteinkünfte, Börsengeschäfte, Einnahmen von Organisationen, Parteien, Kirchen usw., wird mit der regulär fälligen Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer verrechnet. Dann könnte man noch die Mwst.-Karusselgeschäfte unterbinden indem Rückerstattungen nur noch mit anderweitiger Steuerschuld verrechnet werden können.

    Alleine mit diesen beiden Maßnahmen würde der Staat genügend Einnahmen haben um die allgemeinen Steuersätze zu senken und ökologisch sinnvolle Maßnahmen zu finanzieren.

  10. DS
    Titel: Wirtschaftsstrukturen und -impulse verändern

    Der Kern unserer Probleme ist eindeutig die bisherige Art wie wir Wirtschaften. Dies ist in seinen Auswirkungen mindestens seit den 70er Jahren bekannt. Aber erst jetzt scheinen die Botschaften allmählich in der Breite so anzukommen, dass sie nicht als verharrende Schreckensbotschaften dastehen, sondern konstruktive Gegenkonzepte provozieren, die ein zunehmend breite Aufmerksamkeit erfahren. Das macht Hoffnung trotz der riesigen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen! Es gibt kein global bedeutsames PinPong-Spiel mehr zwischen den beiden Ideologien Kommunismus und Kapitalismus. Dies bietet die Chance einen schonungslosen Blick auf das noch verbliebene Geld- und Zinssystem, auf die Marktmechanismen und ihre unzulänglichen ideologischen Glaubensgrundsätze zu werfen und es in etwas Besseres umzuwandeln. Die Steuerpolitik ist zweifellos ein Ansatz unter vielen, mit dem Impulse auf nationaler Ebene in günstigere Richtungen gegeben werden können. Steuern, wie einiges andere auch werden aber durch Politik entschieden und leider scheint die Politik überwiegend (noch?) der Steigbügelhalter des jetzigen Wirtschaftens zu sein, im Glauben, dies sei die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung (“Geht’s der Wirtschaft gut, gehts den Menschen gut”). Das diese Verantwortung in einem tiefenökologischen Sinne real nicht wahrgenommen wird, ist – so befürchte ich – ggf. in der Bevölkerung noch immer nicht konsequent genug in der Breite angekommen und je mehr Zeit ungenutzt vergeht um so härter werden uns die Auswirkungen treffen. Individuelle Lebensstile zu hinterfragen und zu ändern, wirtschaft- und steuerlich gewagte Experimente ggf. sogar im regionalen oder nationalen Alleingang zu wagen, ist ja auch mit schwer absehbaren Folgen behaftet und wird voraussichtlich durch die meisten Wähler sofort abgestraft anstatt belohnt werden.

    Es gibt großartige Ansätze und Ideen wie wir uns Umstellen können (siehe z.B. auch http://www.postwachstumsoekonomie.org, http://www.gemeinwohl-oekonomie.org, http://www.margritkennedy.de, http://www.wupperinst.org, http://www.transitionnetwork.org). Und dies sollten wir – jeder nach seinen (auch weitreichenden aber sicherlich im bisherigen kurzsichtigem Sinne nicht immer wirtschaftlich klugen) Möglichkeiten – auf vielschichtigen Ebenen mit viel mehr Mut und Weitsicht wagen, in der Rolle als PolitikerIn, als UnternehmerIn, als BürgerIn, als Individuum. Es kann nur besser werden im Vergleich zum “Weiter so und Wachstum über alles”. Als Industrienationen haben wir da zudem eine besondere Verantwortung! Unsere lokale Resilinenz und geringere Verschwendung bei gleichzeitigem Aufrechterhalten einer guten Versorgung (Nahrung, soziale und rechtl. Sicherheit und Gerechtigkeit, Bildung, individuelle Freiheit)würde nicht nur gutes sinnfüllendes Vorbild sein können, sondern eröffnet u.a. echte Chancen für die Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern und mildert unseren übermächtigen geschichtlichen C02 Fußabdruck. Also viel Mut zu Diskussionen, Wahlen, Einmischungen, Umstellungen und größeren Lebenserfüllung wünsche ich allen!

  11. toniB
    Titel:

    Ich bin gegen eine allgemeine Fleischsteuer – diese sollte man nur für “industrielle und nicht tiergerechte” Fleischproduktion einführen. Es gibt vor allem im alpinen Bereich sehr viele Flächen, welche sich keinesfalls für Ackerbau eignen. Auf Grünlandflächen kann man z. B. Rinder halten und wenn man diese Tiere artgerecht mit Gras und Heu füttert bekommt man Fleisch in 1 a Qualität und darauf möchte ich keinesfalls verzichten. Da diese Tiere langsamer wachsen als solche die mit Gensoja und womöglich noch mit tierischem Eiweiß, welches beim Vegetarier Rind überhaupt nichts zu suchen hat, gefüttert werden, ist der Fleischpreis automatisch höher.

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