Denn wir wissen nicht, was wir essen


von Hans-Peter Schmidt

Wir kennen noch die Namen der Nahrungsmittel, die wir in den Regalen der Supermärkte sehen oder im Restaurant serviert bekommen, aber wir wissen nicht, woher sie kommen und wer sie wie hergestellt hat. Im Grunde wissen wir nicht mehr, was wir essen. Wir vertrauen einer Reihe von Großhändlern und Produzenten, die ihrerseits jeden direkten Kontakt zum Konsumenten verloren haben. Aus Lebensmitteln sind Produkte geworden, die von externen Kontrollorganen stichprobenartig überprüft werden. Die entscheidende selbstregulative Kontrolle zwischen Produzenten und Konsumenten ist jedoch im Prozess der Massenproduktion ausgeschaltet worden. Grundprinzip der Nahrungsmittelindustrie ist die Verheimlichung der Prozesse hinter dem bloßen ästhetischen Anschein des Produktmarketings geworden.

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Fragen Sie in Ihrem Restaurant einmal, ob der Koch weiß, woher das Gemüse seiner Beilagen kommt. Fragen Sie in der Küche der Schule Ihrer Kinder, in welchem Boden die Kartoffeln gewachsen sind, mit welchen Pestiziden und Konservierungsstoffen sie behandelt, mit welchen Mitteln sie gereinigt oder gar geschält wurden. Fragen Sie im Supermarkt, was das Schwein, dessen Kotelett eingeschweißt in der Kühltruhe liegt, zu fressen bekam, wie es aufwuchs und geschlachtet wurde.

Die EHEC-Krise ist ein Warnschuss, der jedoch, wie es scheint, kaum als solcher wahrgenommen wird. Solange man nur nach einem Infektionsherd sucht, um dann den Gurken- oder Sprossenbetrieb zu schließen und die Bevölkerung beruhigt an die Salatbar zurückschickt, wird man dem vielschichtigen Problem, das die Grundfesten der modernen Agrar- und Lebensmittelbranche erschüttert, nicht gerecht. Die eigentlichen Symptome des EHEC-Skandals sind doppelter Natur.

  1. Selbst nach über 4000 Erkrankungen konnte trotz fieberhaftem Einsatz verschiedenster Kontrollorgane nicht nachvollzogen werden, woher das infizierte Essen kam, das die 4000 Leute an verschiedenen Orten der Republik zu sich genommen haben. Egal ob im Restaurant oder in der eigenen Küche, die Wege vom Produzenten zum Konsumenten sind zu lang, als dass sie sicher nachvollzogen werden könnten. Bei lokaler Nahrungsmittelversorgung, wo zwischen Produzent und Konsument maximal zwei Händler oder Verarbeiter liegen, hätte innerhalb kürzester Zeit die akute Infektionsquelle herausgefunden und geschlossen werden können. Die Gefahr einer Epidemie hätte gebannt und die Wirtschaftskrise des gesamten europäischen Agrarsektors verhindert werden können. Das Problem der nicht rückführbaren Verteilungswege massenhaft erzeugter Nahrungsmittel darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die EHEC-Erreger zwar durch Gewächshausgemüse auf den Menschen übertragen werden können, dass die eigentliche Quelle des Erregers aber nicht das Gemüse, sondern die Gedärme infizierter Tiere sind.
  2. Noch schwerwiegender allerdings wiegt das Verschweigen der Ursache, weshalb so gefährliche bakterielle Mutagene überhaupt entstehen und sich so rasant vermehren können. EHEC-Bakterien sind in den Verdauungstrakten von Rindern entstanden, wo sie nicht nur Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben, sondern ein Gegenmittel zur Verteidigung gegen Antibakteria produzieren, welches für den Menschen besonders toxisch ist. Es können daher zur Behandlung von EHEC beim Menschen keine Antibakteria eingesetzt werden. Hintergrund dieser EHEC-Mutation ist, dass die gleichen Antibiotika, die den Menschen in Krankheitsfällen verabreicht werden, vielen Rindern täglich ins Futter gegeben werden, wodurch sich ideale Selektionsbedingungen für die Anzucht resistenter Erreger ergeben. Da in Industrieställen zudem hunderte, oft gar tausende Rinder auf zu engem Raum auf ihren Exkrementen hausen, infizieren sich die Rinder gegenseitig in kürzester Zeit. Und wenn die Bauern nicht wie in Hochsicherheitslabors in hermetischer Schutzkleidung arbeiten, ist ihre Ansteckung vorprogrammiert. Schon heute haben viele Bauern die gleichen Krankheiten wie ihre Kühe.

Die Massentierhalter streiten jede Verantwortung ab, weil Gemüse angeblich nicht mit Gülle gedüngt werde. Doch zum einen kann auch Gemüse unter der Bezeichnung »Kompost« mit Fäkalien, Gülle und Gärresten aus der Biogasproduktion gedüngt werden und zum anderen reicht es schon, wenn auf den Feldern vorher andere Pflanzen mit Gülle gedüngt wurden, denn die Erreger können außerhalb des Darms bis zu ein Jahr lang überleben. Dass die Bakterien so übertragen werden können, wurde bereits vor etwa zehn Jahren von Solomon et al nachgewiesen.

Andreas Zappf, der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), hat darauf hingewiesen, dass “Infektionen mit dem EHEC-Erreger in den häufigsten Fällen durch das Essen von Fleisch verursacht werden” (dapd-Meldung vom 3.6.2011). Die Albert-Schweitzer-Stiftung schreibt diesbezüglich: “Tiere in der Intensivhaltung sind besonders anfällig für Krankheiten, weil ihre Immunsysteme zum einen durch den Mangel an Licht und Bewegung geschwächt sind und zum anderen ihre Verdauungssysteme aufgrund der falschen Ernährung mit Kraftfutter besonders anfällig für Durchfallerreger wie EHEC sind” (Quelle siehe hier).

Es ist beinahe als Wunder anzusehen, dass nicht schon längst viel schlimmere Epidemien über unsere Städte hereingebrochen sind. Doch nach Rinderwahnsinn, Geflügelgrippe, Schweinegrippe und EHEC ist es nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Katastrophe, die vielleicht nicht mehr mit so viel Glück überstanden wird, über uns hereinbricht.

Viehställe sind längst zu Zuchtanstalten von Krankheitserregern geworden. In Biogasanlagen wird die Zuchtarbeit unter besten Temperaturbedingungen fortgesetzt und auf den Feldern, wo die Reststoffe dieser Anlagen ebenso wie Gülle unhygienisiert ausgebracht werden, wird schließlich für deren Massenverbreitung gesorgt. Dass Spanien Entschädigungszahlungen aus Deutschland fordert, weil auf ihren Gurken zwar EHEC gefunden wurde, nicht aber jener für die derzeitige Seuche verantwortliche Stamm, grenzt an absurdes Theater.

 

Genmodifiziertes Saatgut oder das Herbizid im Blut

Anteil an dem immer massiveren Auftreten bakterieller Krankheiten in der Viehzucht haben aber nicht nur die industriellen Haltungs- und Produktionsbedingungen, sondern insbesondere auch die eingesetzten Futtermittel. Ein großer Teil des europäischen Viehfutters besteht aus Soja und Mais, die aus Süd- und Nordamerika importiert werden, wo sie aus genmodifiziertem Saatgut heranwachsen. Ob die genmodifizierten Pflanzen an sich schädlich für Tier- und Mensch sind, bleibt zunächst dahingestellt. Aber was nachgewiesenermaßen extrem schädlich ist, ist das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, mit dem die dagegen resistenten Pflanzen regelmäßig eingesprüht werden, um konkurrierendes Unkraut zu eliminieren. Sogar kurz vor der Ernte wird Getreide noch einmal mit Glyphosat eingesprüht, damit die zu erntenden Pflanzen gleichmäßig absterben und somit vor der Ernte besser trocknen. Der Wirkstoff des Herbizids gelangt so direkt ins Futter. Die Tiere nehmen also über die Nahrung Herbizide auf, die über Milch und Fleisch in die Nahrungskette des Menschen geraten, und die Tiere anfällig gegen jedwede Krankheitserreger machen. Das von der amerikanischen Firma Monsanto hergestellte Glyphosat (Handelsname: RoundUp, das auch in vielen Kleingärten und bei der Stadtpflege eingesetzt wird) kann mittlerweile nicht nur im Fett und Fleisch der Tiere, sondern ebenso im Blut von Bauern, schwangeren Frauen und Föten nachgewiesen werden. Kinder kommen mit Unkrautex im Blut zur Welt. Bei Tieren kann Glyphosat zu Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten führen (Quellen hier – und hier ein ausführlicher Bericht über Hintergründe und Gefahren von Glyphosat).

Der ehemalige Militärberater für biologische Kriegsführung und Leiter des US-Komitees für neue Epidemien und Krankheitserreger, Don M. Huber, schrieb sowohl an den amerikanischen Landwirtschaftsminister als auch an den Präsidenten der Europäischen Kommission einen öffentlichen Brief. Darin schätzt er die Situation in der Viehproduktion als Notlage ein: „In den letzten 40 Jahren arbeitete ich als Wissenschaftler für professionelle und militärischen Agenturen, die biologische Gefahren evaluieren und Gegenmaßnahmen planen, was auch biologische Kriegsführung und Schutz vor Epidemien beinhaltete. Gestützt auf diese Erfahrungen glaube ich, dass die Gefahr, die von diesem [durch Glyphosat verursachten] Krankheitserreger ausgeht, unvergleichlich und äußerst riskant ist. Es sollte als absoluter Notfall für die Gesellschaft begriffen werden.“ (siehe vollständigen Brief von Don M. Huber)

Eine von der Bundestagabgeordneten Ulrike Höfken beauftragten Studie über „Gentechnisch veränderte Pflanzen in Futter- und Lebensmitteln“ kommt zu dem Schluss, dass in der EU zwischen 2010 und 2011 schätzungsweise 13 Millionen Tonnen Sojabohnen und 23 Millionen Tonnen Sojamehl importiert wurden. Ein großer Teil davon ist glyphosattolerantes Soja (RoundUp-Ready-Soja) aus den USA, Argentinien und Brasilien. Produkte von Tieren, die mit diesen Sojabohnen gefüttert werden, kommen in den Handel, ohne dass sie mit einem Gentechnik-Label gekennzeichnet werden müssen.

Zitat: “Da beispielsweise in Deutschland bis zu 80 % der Eiweißfuttermittel importiert werden und „seit 1996 jedes Jahr Millionen Tonnen gentechnisch veränderten Sojas in Europa und Deutschland, hauptsächlich für Futtermittel eingesetzt werden, muss man davon ausgehen, dass die meisten Verbraucher zu Produkten von Tieren greifen, die mit gentechnisch veränderten Sojabohnen gefüttert wurden. […] Der Anbau und die Verwertung von herbizidtoleranten und insektengiftproduzierenden Pflanzen führen zu einer nie da gewesenen großflächigen und permanenten Exposition der Umwelt mit bestimmten Herbiziden und Insektiziden. Diese Stoffe, ihre Abbauprodukte und Beistoffe und die sich daraus ergebenden „Giftcocktails“ sind zu einem festen Bestandteil der Nahrungskette geworden. Fahrlässigkeiten oder Fehleinschätzungen bei der Bewertung der damit einhergehenden Risiken führen zu einer kaum einzugrenzenden Gefährdung von Mensch und Umwelt.“

Allein in Argentinien wurden auf 47 Millionen Hektar mit Roundup-Ready-Sojabohnen angebaut. Im Jahr 2008 wurden in den transgenen Sojakulturen Argentiniens etwa 200 Millionen Liter Glyphosat ausgebracht (Trigona, 2009, Valente 2009, zitiert nach PAN AP, 2009).

 

Gen-Lobby fordert subversive Massnahmen gegen Europa

Offenbar genügt es dem militärisch-industriellem Komplex der USA nicht, dass die europäische Viehbestände und Konsumenten mit Glyphosat über die importierten Futtermittel verseucht werden, sondern sie wollen, dass auch in Europa der Milliardenmarkt für Millionen Tonnen über die Maisfelder gesprühten Glyphosates in Gang kommt. Daher rief der ehemalige amerikanische Botschafter in Frankreich, Craig Stapleton, 2007 in einer kürzlich von Wikileaks veröffentlichten Botschaftsdepesche zu Vergeltungsmaßnamen gegen die europäische Landwirtschaft auf. Nur so könne die EU vor weiteren Verboten genetisch modifizierten Saatgutes abgehalten werden. Wörtlich schrieb er: „Die Landesgruppe Paris empfiehlt, dass wir eine Liste gezielter Vergeltungsmaßnahmen erstellen, die quer durch die EU schmerzhafte Folgen verursachen, denn schließlich handelt es sich hier um einen Fall kollektiver Verantwortung. Die Liste soll insbesondere auf die schlimmsten Schuldigen abzielen. Die Liste sollte eher maßvoll als wirklich grausam sein und vor allem langfristig wirken, denn ein schneller Sieg ist nicht zu erwarten.“ (Wikileaks Quelle)

 

Urban Farming – Stadtgärten

In Deutschland haben während der EHEC-Krise rund 50% der Bevölkerung ihre Ernährung umgestellt und frisches Gemüse von ihrem Speiseplan gestrichen. Zugleich haben fast 30% der Deutschen einen eigenen Garten und konnten sich so auch während der Krise gefahrlos ernähren. Stadtgärten, Dachgärten, Terrassen und mobile Gärten fördern nicht nur die Biodiversität, sondern werden in Zukunft in immer größerem Maße für eine sichere, gehaltvolle Ernährung der Bevölkerung sorgen, sorgen müssen. Ob es die Bevölkerung in Europa retten kann, ist trotzdem fraglich, solange der Massentierhaltung keine Schranke gesetzt wird. Die größte Gefahr für die zivilisierte Welt ist derzeit weder der Klimawandel noch der Peak Oil noch die Jugendarbeitslosigkeit noch das Finanzsystem, sondern eine sich ungebremst ausbreitende Seuche aus den Ställen der Massentierhaltung, die Düngung mit unaufbereiteter Gülle und die Ausbringung von unkompostierten Reststoffen aus Biogasanlagen.

Es ist nicht auszuschließen, dass die verzweifelt agierende Politik bald den absurdesten, ihr aber am sichersten scheinenden Ausweg beschließt, nämlich Gülle und Gärreste ebenso wie schon jetzt die menschlichen Fäkalien zu Sondermüll zu erklären. Dann dürften diese nicht einmal mehr kompostiert werden und wären für den Einsatz in der Landwirtschaft verboten. So würde der natürliche Nährstoffkreislauf komplett zerstört und die Agrochemie mit ihren perfiden Marionetten wie Craig Stapleton hätten den Endsieg errungen, denn ab diesem Moment müssten flächendeckend synthetische Düngemittel und die mit ihnen einhergehenden Pestizide zum Schutz kranker Gemüse- und Getreide eingesetzt werden. Gestraft wären alle vorbildlich arbeitenden Viehzüchter, die gesamte ökologische Landwirtschaft, die Gewässer, das Klima, die biologische Vielfalt und schließlich sogar die Ernährungssicherheit.

Die Alternative wären gesunde Futtermittel für gesunde Tiere mit genügend Auslauf. Dann könnte auch der Viehmist wieder, wie in den letzten 8000 Jahren der Landwirtschaftsgeschichte, gefahrlos auf die Felder ausgebracht werden und zur nachhaltigen Nährstoffversorgung unserer Kulturpflanzen beitragen. Solange sich unsere Gesellschaft darauf nicht einigen kann, bleibt EHEC – anstatt heilender Warnschuss – das Fanal einer höchstens mit der mittelalterlichen Pest zu vergleichenden Seuche, die früher oder später durch Europa und die Welt fegen wird.

Hilflos ist der Mensch sich selbst ausgeliefert. Er würde gern anders. Doch so wie es ihn dreimal pro Minute atmet, ihm das Blut durch die Adern pumpt und ihm das Essen im Leib verdaut, so macht es ihm auch ständig Lust auf Dinge, von denen er weiß, dass er sich besser fern von ihnen halten sollte.

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8 Antworten zu “Denn wir wissen nicht, was wir essen””

  1. Martin206
    Titel:

    Ein sehr treffender Artikel.
    Selten sowas gutes – und leider wahres – gelesen.
    -M-

  2. Tessa14
    Titel:

    und v.a. tönt der Artikel sachlich, nicht wertend, regt zum nachdenken an und das macht ihn so wertvoll. Hoffentlich lesen ihn viele Menschen.
    Danke. T.P.

  3. Volker
    Titel: Nicht neu!

    Wir bewegen uns – mit rasender Geschwindigkeit – in die falsche Richtung. Ich habe mich längst vom konventionellen Supermarkt verabschiedet und div. andere (gute) Entscheidungen getroffen.
    Zum Glück bin ich nicht allein unterwegs, wenngleich die Mehrheit sich sehr schwer tut.
    Der Deutsche gibt etwa 8 % seines Einkommens für Lebens(?)mittel aus: Das spricht für sich…

  4. Hans
    Titel: Konsequent weiterdenken = Vegetarisch essen!

    Sehr informativer Artikel und gute Gedanken. Wenn jetzt noch die Tatsache hinzugezogen wird, dass alle “grösseren Viren” in den letzten Jahren auf Grund unnatürlicher und grausamer Massentierhaltung (Kühen als Vegetarieren wird Fleisch verfüttet) zustande kam, bleibt nur ein konsequenter Schritt: Vegetarier werden und naturnah einkaufen. H.

  5. Fredy Abächerli
    Titel:

    Hallo Hans-Peter

    Gratulation zu Deinen weiterführenden Gedanken über unsere Nahrungsmittelversorgung vom Grosshandel.
    Bereits kurz nach der vermeintlich überstandenen EHEC-Krise wird in der Schweiz mit der Einführung des Fütterungsverbotes für Küchenabfälle und Speisereste ein weiterer Meilenstein in diesem System der Zerstörung der natürlichen Grundlagen gesetzt: Die Schweizer Schweinezüchter werden ab 1. Juli den Import von Soja durch den Wegfall der „Schweinesuppe“ als Futter massiv ankurbeln. Auf der anderen Seite fördert die revidierte Verordnung zur Entsorgung Tierischer Nebenprodukte (VTNP) die Verwertung von Grünabfällen über Biogasanlagen. Das Kompostieren von Grünabfällen aus Gemeinden, welche Küchenabfällen enthalten können, wird mit neuen Auflagen erschwert, für tierhaltende Betriebe sogar fast verunmöglicht. Mit der neuen Regelung müssen nun viele erfahrene Kompostierer bei den Kantonstierärzten eine Betriebsbewilligung einholen! Diese Fachspezialisten der Seuchenbekämpfung erkennen scheinbar das von Dir so trefflich beschriebene Gesamtsystem noch nicht!

    Dabei wäre es so einfach: wenn ein Bauer weniger Gülle produziert, seinen Mist besser pflegt, im Idealfall gar kompostiert, seine Böden so behandelt, dass er die Bodenfruchtbarkeit fördert, kann er infolgedessen den Einsatz von Kunstdüngern und Pflanzenschutzmitteln massiv reduzieren. Mit einer guten Tierhaltung und –fütterung ist es zum Beispiel möglich auf Antibiotikabehandlungen am Euter der Milchkühe mit Unterstützung von Hausmitteln sogar bei Hochleistungskühen vollständig zu verzichten. Die Förderung einer naturnaher produzierenden Landwirtschaft hat einen ganz grossen Haken: Wer bezahlt die Beratung der Bauern, die nachher weniger künstliche Hilfsmittel benötigen, wenn die Agro- und Pharmachemie viel weniger verkaufen und dadurch die Forschung und Ausbildung an unseren Hochschulen nicht mehr für ihren Eigennutz mitfinanzieren können?

    Ähnliche Zusammenhänge hat Siegfried Lübke aus Oberösterreich durch das Studium seiner riesigen Literatur zur Boden- und Humusforschung auch schon aufgezeigt. Diese teils bereits über 50 jährigen Schriften zu den Themen Mikrobiologie – Düngung – Boden – Pflanzengesundheit geben weitere Erklärungen, warum wir uns mit solchen Problemen wie EHEC beschäftigen müssen.

    Zum Glück gibt es noch viele naturnah und vernünftig produzierende Landwirte, die Lebensmittel von hoher Qualität anbieten. Die findet man direkt beim Bauern, in speziellen Kleinläden und kaum im Supermarkt.

  6. Ikarus
    Titel:

    [http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Glyphosat] kämpft euch durch diese Diskussion …wenn ihr es bis zum Ende geschafft habt und das Thema auch gelesen habt, dann wird wohl klar wie so manches bei uns zustande kommt.

  7. Fredy Weber
    Titel:

    Guten Morgen, Herr Schmidt!

    Offensichtlich bin ich der zweite “Fredy”, der schreibt (der erste am 26.6.).
    Vielen Dank für die erschreckenden und aufrüttelnden Informationen. Bei dieser Gefahrenfülle will einem alles im Hals stecken bleiben.
    Ich habe zu RoundUp zwei ganz persönliche und begleitende Anmerkungen:
    Schon viele Jahre meide ich jegliches Brot aus konventionellem Getreideanbau, einmal aus ökologischem Prinzip und zweitens, weil ich auf dem Land – inmitten von Feldern und Äckern – wohne und weiß, wo diese Herbizide verspritzt werden.
    Aber das Persönliche dabei:
    Durch die Herbizide wird der Geschmack eines Brotes als Endprodukt geradezu vernichtet, ein Geschmack, der sich selbst bei einem tiefgefrorenen Ökobrot so signifikant würzig-appetitlich in die Nase schleicht.

    Und das Zweite:
    Als ich einen “größeren” Landwirt aufsuchte, um nach einer Maschine zu fragen, mit der ich den Boden in den engen Rebzeilen lockern und dann die Quecken entfernen könnte, verwies er mich auf RoundUp: Das sei das einzig wirkungsvolle Mittel – und auch für einen ökologisch arbeitenden Hobbywinzer dürfte doch ein einmaliger Griff in die Giftkiste kein Problem sein….

    Soviel dazu aus meinem ganz persönlichen Erfahrungsschatz.
    Ich grüße Sie herzlich -

    Fredy Weber

  8. Sylvelin Lichtenberg
    Titel:

    man bekommt richtig Angst vor der Zukunft, wenn man das alles liest. Ich bin froh, einen Garten mein Eigen zu nennen.

    sylvi

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