Biokohle in der Umweltpolitik der USA
von Tim Caspar Boehme
Von der Präsidentschaft Barack Obamas werden große politische Veränderungen erwartet. Dazu zählt auch ein radikaler Wandel in der Umwelt- und Energiepolitik der neuen US-Regierung. Neben den Plänen des neu ernannten Energieministers Steve Chu gibt es mit dem neuen Innenminister Ken Salazar einen Politiker in Obamas Kabinett, der sich im Laufe seiner politischen Karriere wiederholt für Energie- und Umweltthemen engagiert hat. Zu den umweltpolitischen Zielen des ehemaligen US-Senators gehört auch der verstärkte Einsatz von Biokohle und Pyrolysetechniken.

Biokohle, die aus organischen Materialien wie Holz, Grünschnitt oder Klärschlamm gewonnen werden kann, ist ein 5000 Jahre altes Produkt, das historisch vor allem als Brennstoff zur Erzeugung besonders heißer Temperaturen für Metallschmieden verwendet wurde, mitunter aber auch als Bodenverbesserer Einsatz fand. Biokohle entsteht durch Pyrolyse, d.h. die thermische Aufspaltung der organischen Kohlenstoffverbindungen des Ausgangsmaterials. Da sich auf diesem Wege reiner Kohlenstoff binden lässt und dessen Verbrennung zu CO2 verhindert werden kann, ist Biokohle klimapolitisch von großem Interesse. Seit die Pyrolyse nicht mehr wie früher in Kohlenmeilern, sondern in raffiniert durchdachten Anlagen hergestellt wird, können zudem die entstehenden Synthesegase schadstoffarm verbrannt und als Energie nutzbar gemacht werden.
Der neue Innenminister der Vereinigten Staaten zählt zu den Politikern, die das Potential von Biokohle schon früh erkannt haben. Salazar, der bereits in 90er Jahren als Leiter des Colorado Department of Natural Resources ein Programm zur Umweltbildung an öffentlichen Schulen entwickelte, wurde im Jahr 2004 in den US-Senat gewählt. Dort brachte er drei Jahre später den berühmten „Salazar Harvesting Energy Act of 2007“ als Gesetzesvorlage ein. In diesem Gesetzesvorschlag wurden unter anderem die verstärkte Verwendung von Biokohle und die Entwicklung von Pyrolysetechniken zur Gewinnung von Biokohle gefordert. Zwar konnte Salazar sein Vorhaben nicht vollständig durchsetzen, doch gelang es ihm, Forschungsmittel in Höhe von 500 Millionen US-Dollar für Biomasseforschung bewilligt zu bekommen.
In den Vereinigten Staaten gibt es für das Thema Biokohle mittlerweile eine größere Öffentlichkeit. So berichtete das Magazine Time in einem Artikel vom vergangenen Dezember über das Potential zur Reduzierung von Kohlendioxid durch die Verwendung von Biokohle in der Landwirtschaft bei gleichzeitiger Ertragssteigerung der Böden. Im selben Monat stellte die International Biochar Initiative anerkennend fest, dass die Ernennung Salazars eine „gute Nachricht für Biokohle“ sei.
Unter amerikanischen Umweltschützern ist Salazar allerdings umstritten, da er zum Beispiel im Jahr 2005 gegen eine Verordnung für erhöhte Standards zur Energieeffizienz von Autos und Lastkraftwagen stimmte. Auch werden ihm seine engen Verbindungen zur Bergbau- und Kohleindustrie vorgeworfen. Kieran Suckling vom Center for Biological Diversity, das sich für bedrohte Arten und deren Lebensräume engagiert, hält Salazar vor, dass er oft den Interessen von Industrie und Großbauern den Vorzug gegenüber Fragen wie dem Klimawandel, Energieeffizienz oder bedrohten Arten gebe.
Gegen diese Kritik spricht allerdings Salazars klare Befürwortung des verstärkten Einsatzes von Biokohle und Pyrolysetechnologien, wie sie in seinem Gesetzesvorhaben von 2007 zum Ausdruck kommt. Für die Umweltpolitik der US-Regierung bedeutet die Ernennung Salazars in jedem Fall, dass sie einen Politiker unter ihren Reihen hat, der auf einem klimapolitisch wichtigen Gebiet bestens informiert ist. Sie wäre gut beraten, diese Kenntnisse auch zu nutzen, um die Erforschung der Potentiale von Biomasse voranzutreiben und die Ergebnisse in die Tat umzusetzen. Auf diese Weise könnten die Vereinigten Staaten, was ja lange ganz anders aussah, schon bald eine Vorreiterrolle in der Klimapolitik übernehmen und ihren Einfluss in der Welt für die Entwicklung des Klimafarming geltend machen.<–>
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