Domaine de Mythopia


von Erwan Hausdorf

Im Angesicht der höchsten Alpengipfel schmiegt die Domaine de Mythopia sich in eine Waldlichtung unterhalb des Chateaus d’Ayent. Auf einer Höhe von 720 bis 800 Metern parzellieren sich die Steillagen des Weinbergs über eine Fläche von gut 2 Hektar, die von Obstbäumen, Hecken, kleinen Weideflächen, Böschungen, Blumenfeldern sowie zwei Wildbächen gesäumt und unterteilt wird. Umgeben wird der Rebberg von weiteren 3 Hektar, auf denen seltene hochstämmige Apfelsorten wachsen, Bienen zu den alpinen Wildblumen ausschwärmen, Aromakräuter und Beeren angebaut werden.

Morgenstunde in Mythopia / Photo: Patrick Rey

Seit 2005 wurde konsequent die herrschende Monokultur aufgebrochen, ganze Rebzeilen wurden entfernt und durch Hecken vielfältiger Buschpflanzen ersetzt, an den Nordenden der Zeilen wurden Bäume gepflanzt, inmitten der Rebflächen wurden kleine Patches mit Aromakräutern und Blumen angelegt. Zwischen den Zeilen wächst eine üppige Leguminosenbegrünung, die den Boden mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und vielfältigen Lebensraum für Insekten bietet. Durch neue Pflanzenschutzstrategien auf pflanzlicher Basis kann in Mythopia mittlerweile gänzlich auf den Einsatz von Schwefel verzichtet werden.

Mythopia Panorama

Auf zahlreichen Versuchsflächen werden Strategien für umfassende Ökologisierungsmaßnahmen entwickelt und Erkenntnisse über Bodenaktivierung und Entgiftung durch Gründünger, Komposte sowie Biokohlen gewonnen. Die Resultate werden durch umfangreiche Messreihen und Beobachtungen wissenschaftlich dokumentiert und ausgewertet. So konnte u.a. nachgewiesen werden, dass durch die Gründüngung mit Leguminosen gänzlich auf zusätzlichen Stickstoffdünger verzichtet werden kann und der Eintrag von Biokohle die Wasserspeicherkapazität der Böden so steigert, dass keine Bewässerung mehr nötig ist. Innerhalb von drei Jahren nahmen die Wildkräuter zwischen den Rebzeilen von lediglich 4 Arten auf 72 Arten zu. Im selben Zeitraum nahm die Anzahl der im Weinberg heimischen Schmetterlingsarten von 2 auf 18 Arten zu. Dass durch die Erhöhung der Biodiversität die aromatische Qualität und Typizät der Pinot Noir Weine Mythopias sich von Jahrgang zu Jahrgang beeindruckend weiterentwickeln, bestätigt den zugrunde liegenden Ansatz, dass hinter den Maßnahmen der Biodiversifizierung nicht nur Idealismus, sondern ein klares Votum für die Verbesserung der Weinqualität stehen. (für weitere Informationen siehe: www.mythopia.ch)

[Photos: Patrick Rey, Arbaz]

VN:F [1.8.1_1037]
Bewertung: 4.5/5
Domaine de Mythopia4.554

Tags: ,


Verwandte Beiträge


RSS-Feed für alle eingehenden Ithaka Kommentare abonnieren

2 Antworten zu “Domaine de Mythopia””

  1. Karin Maichle
    Titel:

    Grüezi,

    da möchte ich doch gleich einmal hinfahren! Eine gute Sache. Kann man das Teroir besuchen? Arbeiten?
    Schöne Fotos übrigens…….

    Ich grüsse recht herzlich , K. M.

  2. hps
    Titel:

    Führungen durch die Versuchsanlagen von Mythopia mit anschliessender Verkostung wird es ab Mai wieder regelmäßig geben.

Einen Kommentar hinterlassen