Schmetterlinge – Ökologische Wahrsager im Weinberg


von Hans-Peter Schmidt

Schmetterlinge gehören durch die Farbspiele ihrer Flügel zu den größten Täuschungskünstlern der Natur. Doch zugleich gehören sie auch zu den unhintergehbaren Wahrsagern. Denn wo es – wie in den meisten Weinbergen, Obstplantagen, Kartoffelackern und Getreidefeldern – keine Schmetterlinge mehr gibt, braucht es keine Biokontrolle: Ihre Abwesenheit ist ein untrügliches Anzeichen dafür, dass das Ökosystem zerstört ist.

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Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum)

Viele Schmetterlingsarten haben sehr hohe Ansprüche an die biologische Vielfalt ihres Lebensraums. Ebenso wie Bienen ernähren sie sich hauptsächlich von Pflanzennektar und sind insofern auch als Bestäuber von großer Bedeutung. Schmetterlinge können erstaunlich weite Wegstrecken zurücklegen, um Habitate aufzusuchen, in denen sie die von ihnen bevorzugten Nektarblüten finden und in denen vor allem jene Pflanzen wachsen, auf deren Blättern sie ihre Eier ablegen. Denn die meisten Raupen, aus denen die Falter letztendlich metamorphieren, sind von ihrer Nahrung her auf Blätter ganz bestimmte Pflanzen angewiesen.

Hohe Schmetterlingsvielfalt kann aus diesen Gründen nur dort erreicht werden, wo eine hohe Pflanzenvielfalt herrscht. Die Pflanzenvielfalt lockt Schmetterlinge an, und die Schmetterlinge tragen dazu bei, dass die Pflanzenvielfalt erhalten bleibt. Der Schutz bestimmter Falterarten bewahrt oft einzigartige, artenreiche Biotope mit vielen Spezialisten, wobei die Maßnahmen zur Förderung von Schmetterlingen eben zugleich Maßnahmen zur Förderung der allgemeinen Biodiversität sind. Die Anwesenheit bestimmter Schmetterlingsarten und vor allem die Anzahl verschiedener Schmetterlingsarten ermöglicht daher verlässliche Aussagen über die Qualität eines Ökosystems.

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Federgeistchen (Pterophorus sp.)

Dass Schmetterlinge zudem die ästhetische Qualität der Landschaft erhöhen und ähnlich wie Heuschrecken oder Grillen das Erlebnis von Natur und Landschaft bereichern, ist ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt.

Maßnahmen im Weinberg

Als wir vor 5 Jahren die Weinberge der heutigen Domaine des Delinat Institutes erwarben, waren sie ebenso wie fast alle Weinberge im Wallis kahl gespritzt. Die Böden lagen nackt und der Erosion preisgegeben unter der glühenden Sommersonne. Kein Baum, kein Strauch, keine Blume soweit das Auge reichte, einzig Reben, dicht an dicht. Es roch hauptsächlich nach Schwefel und die Krume nach Fäulnis. Die Reben waren kaum 35 Jahre alt, doch allem Anschein nach bereits am Ende ihres Lebenszyklus.

Angesichts dieses Trauerspiels gehörte eigentlich nicht allzu viel Vernunft und Mut dazu, alle konventionellen Wahrheiten zunächst in Frage zu stellen, alle Prinzipien des Weinbaus noch einmal grundlegend neu zu durchdenken und nach Lösungen zu suchen, die Weinbau und Naturschutz nicht als Widerspruch erscheinen lassen.

Als erstes lichteten wir die viel zu engen Rebzeilen aus, um eine vielfältige, hoch wachsende Begrünung auf Basis verschiedener Leguminosen einzusäen. Durch diese mit Kompostbeigaben unterstützte Begrünung wurde die Regenerierung des Bodens eingeleitet und die Vorraussetzungen für autonome Nährstoffzyklen geschaffen. Pro Hektar wurden 15 Obstbäume und 250 Heckenbüsche an den Rändern, aber auch mitten in den Reben gepflanzt. Zudem wurden mehrere biologische Hotspots von je 10 bis 15 m2 mit Aromakräutern und Nektarblumen angelegt. Pro Hektar wurden 8 Bienenstöcke und zahlreiche Wildbienenhotels aufgestellt. In jeder zweiten Rebzeile wachsen Sekundärkulturen, die nicht nur die Biodiversität erhöhen, sondern auch den Gesamtertrag steigern: Erdbeeren, Himbeeren, Rosen, Kartoffeln, Kürbisse, Mais, Erbsen, Zwiebeln, Porree, Tomaten, Aronia und einiges mehr. Durch Einsatz organischer Pflanzenschutzmittel konnte auf Schwefelspritzungen verzichtet werden.

Das Ergebnis spricht für sich:

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Dickkopffalter (Thymeleus sp.)

Wo man anfangs nur mit Mühe ein oder zwei Schmetterlingsarten fand, konnten mittlerweile 47 verschiedene, teils sehr seltene und vom Aussterben bedrohte Schmetterlingsarten (Gesamtliste siehe hier) nachgewiesen werden. Dank der Gesundung des Bodens wachsen mittlerweile über 150 Wildpflanzenarten (Liste siehe hier) auf der Domaine. Zugleich sind die Reben wieder gesundet und stehen dank aktiver Gründüngung in bestem Wuchs. Die Weinerträge entsprechen den Werten für Qualitätswein. Durch Verzicht auf Dünger, Herbizide und chemische Pestizide konnten zudem die Kosten erheblich reduziert werden. Die Qualität der Weine hat sich deutlich verbessert, und mittlerweile gehören die Pinot Noir de Mythopia anerkanntermaßen zu den besten des Wallis.  .

Es braucht also im Grunde weder Idealismus noch sonderlich viel Umweltbewusstsein und auch die ideologische Frage Bio oder Nicht-Bio ist letztlich unerheblich: Der Winzer muss nur rein wirtschaftlich an 5 Fingern abzählen, wie lohnenswert es ist, die Biodiversität in seinem Weinberg zu fördern.

Photos von Patrick Rey, Arbaz

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15 Antworten zu “Schmetterlinge – Ökologische Wahrsager im Weinberg””

  1. Andreas Simmelbauer
    Titel:

    Ein sehr guter Artikel – gerade Schmetterlinge sind die “Hingucker” in unserer mitteleuropäischen Natur! Aber ganz ehrlich: die Falter lassen sich noch besser mit der Kamera einfangen, sprich viel faszinierender darstellen! Mit freundlichen Grüssen

  2. Christian Moritz-Bauer
    Titel:

    Die Photos mit den Schmetterlingen, wie auch die Geschichte die dahinter steht sind ganz wunderbar! Haben Sie vielleicht schon darüber nachgedacht auf Basis dieser Photos einen Kalender zu gestalten? Ich bin sicher, der würde unter den delinat-Kunden sehr gut gehen!

    Herzliche Grüße,
    Christian Moritz-Bauer

  3. Jacob Duijn & Anne Seifried
    Titel:

    Lieber Hans-Peter,
    Wie ich mich selbst vor 14 Tage auf Dein Weingut überzeugen konnte, kann ich Deinen wunderbaren Artikel nur unterstützen. Ich habe den ganzen Tag bei euch nur lernen können was ” Ökologische Wahrsager im Weinberg” bedeutet.
    Auch bei mir im Weinberg finde ich immer mehr Schmetterlinge und natürliche Kräuter. Und auch seit unsere Umstellung im Jahre 2004 auf biologisch-dynamischen Weinbau haben wir die gleichen Reaktionen bei uns im Weinberg.
    Zu Deinem letzten Absatz Idealismus gehören nicht 5 Finger, sondern nur 1.

    Ich freue mich auf Dein Seminar im Januar 2010 bei uns.

    Liebe Grüße aus Bühl an Dich und Deine Mitarbeiter,

    Jacob & Anne von Weingut Duijn aus Bühl/ Baden/ Deutschland

  4. Carola Kienmandl-Grond
    Titel:

    Lieber Hans-Peter,
    heute waren die Informationen besonders interessant.
    Ich habe noch nie auf Schmetterlinge im Weinberg geachtet. Außerdem ist die beschriebene Vielfalt der Sekundärbepflanzung für mich völlig neu. Meine bisherige Meinung war, dass möglichst nur Weinstöcke und der karg wirkende Boden, ohne jegliche Sekundärpflanzen zu einem Weinberg gehören. Ein Weinbauer hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass jegliche Zusatzpflanzen die Entwicklung der Reben stören und ihnen “Kraft” wegnehmen.
    Ein völlig anderes Bild hast Du heute gezeichnet. Mein Mann und ich brechen jetzt zu einer kleinen Walking-Tour durch Weinberge (Bisamberg/ Wien) auf und ich schaue jetzt genauer.
    Danke für den Artikel!!!!
    Viele grüse an Dich und Dein Team
    Carola Kienmandl-Grond

  5. Edda Santucci
    Titel:

    Hallo Hans-Peter,
    vielen Dank für diesen Artikel heute über die Schmetterlinge. Mein Besuch letzte Woche bei Euch hat mich so bestärkt, daß ich jetzt “missionarisch” noch viel mehr aktiv bin in unserem Verein, dem ca. 15 Hobby-Winzer angehören. Im Kleinen muß man ja beginnen, aber die Jungen im Verein sind sehr offen für dieses Thema. Die Alten halt sehr kritisch. Ich hoffe bloß, daß mein erster Wein so gut wird, daß die sich auch Gedanken machen müssen.

    Heute morgen habe ich 22 verschiedene Kräuter im Weinberg gesetzt. Jeder Spaziergänger hat gefragt, was wir denn hier machen. Und jeder war sehr überrascht, was dahinter steckt. Die Menschen wissen einfach auch zu wenig Bescheid. Deshalb werde ich die nächsten Tage mal beginnen, Info-Tafeln so basteln und im Weinberg aufzustellen. Gleich neben die Bienenhotels.

    Ich habe an diesem Tag so viel bei Euch gelernt, wie ich es wirklich selten auf einem Seminar getan habe. Ein ganz großes Kompliment an Euch alle!

    So – und jetzt bestelle ich mir ein Schmetterlingsbuch.

    Herzliche Grüße, und schon in Vorfreude auf den nächsten Newsletter,

    Edda

  6. Jean-René Speich
    Titel:

    Die ganze Mythopia-Geschichte ist für mich ein Dauer-Aufsteller. Ich freue mich auf jeden neuen Beitrag. Ein grosses Kompliment für Euer Engagement!

    Nebenbei sind mir beim Lesen dieses Beitrages folgende Gedanken gekommen:
    35 Jahre alt sind diese Reben also. Ziemlich sicher wurde dieser Rebberg genau so lange mit chemischen “Pflanzenschutzmitteln” beglückt. Das muss ja Spuren hinterlassen, im Boden, ev. auch in den Reben. Ich denke vor allem an Kupfer.
    Hat man das zu Beginn untersucht?
    Wenn ja, was hat man gefunden?
    Und drittens: Ist es möglich, dass die neuen Zwischenkulturen solche Rück-stände aufnehmen?

    Freundlich grüsst Euch
    Jean-René Speich

  7. Claudio Niggli
    Titel:

    Es ist die Frage aufgetaucht, wie Raupen am besten bestimmt werden können. Da besonders die Vielfalt der Nachtfalter riesig ist, macht es keinen Sinn, sich mit umfassender Spezialliteratur zu quälen. Es gibt aber ganz hilfreiche Webseiten, auf welchen Fotos von Raupen oder Faltern eingestellt und dann von Schmetterlingskundigen bestimmt werden können:
    http://www.lepiforum.de
    http://www.schmetterling-raupe.de

    Ein schöner Bildband mit zahlreichen Raupen ist:
    Die schönsten Raupen. Nach Farbfotos erkannt. Autor: Frieder Sauer. Verlag: Fauna (2000)

    Viele der unzähligen Schmetterlingsbücher bilden auch mindestens einen Teil der zugehörigen Raupen ab.

  8. Esther Schreier
    Titel:

    danke für ihren bericht aus dem paradies. eindrücklich!
    dass delinat sich für biodiversität einsetzt, ist hocherfreulich.
    das führt zu folgender frage:
    sind sie bzw. ihr botschafter herr c. niggli bereits (gratis-)
    abonnent der zeitschrift HOTSPOT (hrsg: forum biodiversität schweiz)?
    wenn nicht, würde es uns freuen, wenn sie es werden würden.

    das ziel des herausgebenden forums biodiversität schweiz und der
    zeitschrift HOTSPOT ist es, den interdisziplinäre wissenschaftlichen
    austausch zwischen biodversitätsforschenden in der schweiz und auf
    internationaler ebene zu fördern sowie den dialog zwischen
    wissenschaft einerseits und verwaltung, praxis und politik
    andererseits zu intensivieren.

    das forum biodiversität ist zudem der offizielle nationale und
    internationale anprechpartner für alle fragen rund um die
    biodiversitätkonvention, die 1992 auch von der schweiz unterzeichnet
    wurde.

    sie finden die digitalen HOTSPOT-ausgaben unter:
    http://www.biodiversity.ch/d/publications/hotspot/

    wenn sie diese zeitschrift, die zwei mal jährlich ein deutsch und in
    französisch erscheint, nicht bereits kennen, empfehle ich ihnen als
    biologin und gestalterin von HOTSPOT, ein (gratis-)abonnement zu
    bestellen.

    die themenschwerpunkte der beiden folgenden nummern lauten:
    «10 jahre forum biodiversität schweiz»
    «der wandel der biodiversität bis 2010»

    mit freundlichen bio-grüssen
    esther schreier

  9. hps
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Speich,
    Die Mythopia Rebberge haben tatsächlich eine ziemlich “chemische Geschichte”, die wir nun nach und nach abbauen. Wie Sie richtig schreiben, tragen die Begrünung und Sekundärkulturen zur Austragung bzw. Fixierung jender Rückstände bei. Insbesondere die Leguminosen, die wir zur Gründüngung verwenden, speichern große Mengen an Kupfer. Da die Leguminosen jedoch nur einmal pro Jahr von Schafen abgefressen werden und ansonsten als Bodendecker im Weinberg bleiben, ist die tatsächliche Austrag relativ gering. Insofern das Kupfer aber durch den Einbau in die Zellen der Leguminose in den organischen Kreislauf geht, wird es gebunden und unschädlich gemacht. Kartoffeln, Kürbisse, Tomaten usw. nehmen ebenso wie Wein Kupfer in ihren Früchten auf. Da diese geerntet und aus dem Feld entfernt werden, führt dies zur Reduktion von Bodenkupfer. Je nach Sekundärkultur, Erntemenge und Einsatz von Weidevieh liegt die ausgetragene Gesamtmenge an Kupfer zwischen 200 und 2 kg / ha.
    Mit freundlichen Grüssen, Hans-Peter Schmidt

  10. Kohler Markus
    Titel:

    Dasselbe Problem wie Herr Speich habe ich auch mit den von Delinat geförderten Weinproduzenten in Spanien und Italien. Wie ist eine Umstellung in einer vielfach relativ kurzen Zeit möglich ? Sollten die Anforderungen für Bio-Zertifikate inbezug auf Schwermetallrückstände und Chemikalien im Boden nicht strenger gehandhabt werden ?
    Grüsse Markus Kohler – ein wehementer Verfechter der Bio-Produkte.

  11. hps
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Kohler, das Problem von Schwermetall bzw. OCB stellt sich nicht nur in Spanien und Italien, sondern auf allen landwirtschaftlichen Flächen mit dieser Vergangenheit. Insofern die Rebe beides nicht in den Trauben anreichert, geht davon zwar keine gesundheitliche Gefahr aus, für das Ökosystem ist es natürlich trotzdem ein schweres Erbe. OCB bleiben über 50 Jahre in den Böden zurück, sollten diese Böden deshalb vom Bioanbau ausgeschlossen werden? In dem Fall würde es schwer werden, überhaupt genügend Flächen für 10% Bioanbau im Land zu finden. Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern, aber Maßnahmen für eine ökologisch nachhaltigere Zukunft können wir ergreifen – dies halte ich für das Wichtigste beim Bioansatz. Hinsichtlich Biozertifizierung, da gebe ich Ihnen recht, ist es eine schwierige Situation. Siehe auch unseren Artikel: http://www.ithaka-journal.net/pestizidbindung-durch-aktivkohle

  12. Hans-Martin Ulmer
    Titel:

    Zum Problem der CHEMIKALIEN-Rückstände nach der Umstellung auf Bioanbau:

    Ich meine, daß man da nicht allzu große Anforderungen für die Zertifizierung stellen darf, weil es ja – solange keine gesundheitliche Gefährdung zu erwarten ist – vor allem darum geht,

    - erstens den weiteren Eintrag von Chemie und ihre weitere Anreicherung in der Natur zu verhindern, und

    - zweitens die Nivellierung und Gleichschaltung der Lebensmittelproduktion zu immer geschmacks-ärmeren und langweiligen Produkten aufzuhalten

    - drittens die faszinierende Artenvielfalt und Schönheit einer gesunden Natur zu erhalten

    Da erzähle ich nichts Neues.

    Worauf es mir ankommt ist es mitzuteilen, daß es in der (Umwelt-)Medizin nur wenig gesicherte Erkenntnisse zur tatsächlichen Schadwirkung von Chemikalien gibt, weil man die Wirkung eines Schadstoffs in der Realität nicht isolieren kann und die Wechselwirkungen verschiedener Chemikalien viel zu komplex sind, um diese wirklich – mit Ausnahmen – verstehen zu können.

    Was man in der Allergologie inzwischen sicher weiß ist, daß Chemikalien zu einer erheblichen Verstärkung von Allergien führen können. Ich selbst kann feststellen, daß meine Obst-Allergie durch die von mir selbst gezogenen (“Bio”-)Apfelbäume nicht provoziert wird, aber durch die meisten Produkte des “normalen” Lebensmittelhandels.

    Trotz der ganzen Chemie – das muß man sich vor Augen halten – werden wir immer älter!

    Der Mensch kann offensichtlich sehr viel Chemie tolerieren, wobei die “Arten-Vielfalt” der Menschen aber dafür sorgt, daß eine Minderheit von Individuen sehr viel empfindlicher reagiert – und deshalb kann nur das Prinzip “So wenig Chemie wie möglich” gelten, wie es ja von Delinat und anderen praktiziert wird.

    Um zum Ausgangspunkt der Zertifizierung zurückzukommen:

    Man sollte bekanntermaßen problematische Schwermetall- und Chemikalienbelastungen überprüfen, um gesundheitliche Gefährdungen auszuschließen, aber in diesem Punkt KEINE höheren Anforderungen als beim konventionellen Weinbau stellen, denn das würde die Winzer, die umstellen, “bestrafen” und dadurch die gewünschte Entwicklung behindern.

    Ich freue mich auf kritische und andere Reaktionen!

    Dr.med. Hans-Martin Ulmer/Villingen/Baden/Deutschland

  13. Beat Antoine Heer
    Titel:

    Lieber Herr Schmidt
    Ich bin sehr erstaunt, was in den 5 Jahren seit der Umstellung alles möglich wurde und staune ob dem Biodiversitätsquantensprung. Gratulation! das einzige, was mich etwas irritiert hat an Ihrem Beitrag ist der Ausdruck “Schmetterlinge … grösste Täuschungskünstler”. Dieser Ausdruck ist nirgendswo erläutert, offenbar für sie selbstsprechend, aber er scheint mir zu antropozentrisch in der Deutung eines (welches?) Phänomens der Schmetterlinge. Ich bin der Meinung, dass Schmetterlinge mit ihrem Farbenspiel eher den allgemeinen Farbeindruck ihres Lebensraumes unterstützen, spiegeln. Ihre Farbvielfalt (Artenzahl) ist doch wohl eher einhergehend mit der Arten- und Farbenvielfalt der Pflanzen eines Ortes.
    Freundliche Biodiverstätsgrüsse
    Beat Antoine Heer, Cham

  14. cln
    Titel:

    Lieber Herr Heer
    Vielen Dank für Ihre anregende Frage.
    Der Ausdruck “Täuschungskünstler” bezieht sich bei den Tagfaltern auf zwei weit verbreitete Phänomene: bei zahlreichen Arten sind zur Abschreckung von Fressfeinden – vor allem Vögeln – leuchtende Farbmuster und oft auch falsche Augen vornehmlich auf der Flügeloberseite ausgebildet worden. Diese bunten Schreckfärbungen stehen im Gegensatz zur unscheinbar braun, grau oder grün gefärbten Flügelunterseite (Imitation von lebenden Blättern, Rinde oder Laub), welche den Falter bei geschlossenen Flügeln in Ruhestellung in geeigneter Umgebung perfekt mit dem Untergrund verschmelzen lassen. Sollte solch ein getarntes Individuum trotzdem von einem Räuber aufgespürt werden, blitzen beim Öffnen der Flügel während des Abflugs die kontrastreich gefärbten Flügeloberseiten und falschen Augen auf und irritieren so den Verfolger. Man kann also tatsächlich von Täuschung sprechen, wobei diese aber im Gegensatz zu Täuschungsmanövern beim Menschen keine bewussten Aktionen sind, sondern durch Selektion vererbte Merkmale und angeborene, instinktive Verhaltensweisen, was ihre Kritik bezüglich Anthropozentrik (Menschbezogenheit) durchaus rechtfertigt.
    Liebe Grüsse aus dem Institut, Claudio Niggli

  15. Herbert Löffler
    Titel: Pestizide im Wein !!

    Pestizide im Wein – ein Dauerbrenner nicht nur das Permanent mit Spritzmitteln, Pestiziden und Kunstdünger die Umwelt verpestet wird, auch die Lärmbelästigung ist nicht mehr hinnehmbar, zumal die Winzerschaft weder Sonntag, Feiertag noch die Nachtruhe einhalten. Es wird so viel von Lärmemissionen gesprochen, aber die neuen Maschinen werden immer lauter. Der Industrie muss man den Vorwurf machen, was wird hier für ein Müll produziert. Die alten Maschinen waren weitaus leiser.

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