Terra Preta – Pflanzenkohle – Klimafarming


von Hans-Peter Schmidt

Pflanzenkohle, wie Sie schon vor tausenden Jahren von den Völkern am Amazonas zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit verwendet wurde, kann einen entscheidenden Beitrag gegen den Klimawandel und gegen den Hunger auf der Welt leisten. Pflanzenkohle aktiviert das Bodenleben, und bei ihrer Herstellung kann viel Energie gewonnen werden. So viel, dass die gesamte Landwirtschaft klimapositiv werden könnte.

Viele Jahrzehnte lang galt es unter Anthropologen als ausgemachte Sache, dass sich in den Regenwäldern am Amazonas unmöglich eine höher entwickelte Zivilisationen hatte herausbilden können, da es angeblich großer Städte bedarf, um bedeutende zivile Errungenschaften hervorzubringen. Große Städte aber seien im Amazonasgebiet undenkbar, weil die Humusschicht der Böden am Amazonas zu gering ist, um die Nahrungsmittelversorgung Hunderttausender von den eigenen Äckern zu gewährleisten. Die Erklärung schien so einleuchtend, dass niemand sie ernsthaft in Zweifel zog und die Berichte des spanischen Konquistadoren Orellana von blühenden Städten am Fluss für bloße Legenden gehalten wurden. In den 1960er Jahren jedoch wurden am Zusammenfluss von Amazonas, Rio Negro und Madeira eindeutige Überreste großer vorkolumbianischer Zivilisationen entdeckt, was die Wissenschaftler zu neuen Bodenuntersuchungen zwang, um zu erklären, wie diese Städte sich überhaupt hatten ernähren können. Bei diesen Untersuchungen stießen die Anthropologen auf die so genannte Terra Preta, die künstlich erzeugte Schwarzerde im brasilianischen Regenwald. Offenbar hatten die Ureinwohner am Amazonas in traditionellen Kohlemeilern Holz sowie pflanzliche und tierische Abfälle zu Holzkohle geschwelt, um sie einerseits zur Erzeugung heißerer Feuer für die Keramikherstellung und andererseits zur dauerhaften Fruchtbarmachung der nährstoffarmen Böden zu nutzen.

Während die Menschen in fast allen Zeitaltern der Geschichte glaubten, dass das goldene Zeitalter hinter ihnen liegt und die jeweils früheren Generationen viel besser wussten, wie man sich unter Nutzung der natürlichen und spirituellen Möglichkeiten aus den Schwierigkeiten des Alltags windet, hat sich dies mit den beeindruckenden Erfolgen der Industrialisierung Ende des 18ten, Anfang des 19ten Jahrhundert ins Gegenteil gekehrt. Fortan galt die Ideologie des Fortschritts, durch den der Ort aller Weisheit und allen Bescheidwissens in die Zukunft verschoben und die Vergangenheit als bloße Treppenstufe zur Wissensentwicklung abqualifiziert wurde. Plötzlich war die Vergangenheit nur noch einen beschaulichen Rückblick wert, die Geschichte wurde zum nutzlosen Gegenstand schöngeistiger Beschäftigungen und es kam zu jener fatalen Arroganz, die dem Leben und Wissen der früheren Völker jede Relevanz für die Gegenwart absprach.

Die Entdeckung der Terra Preta im Amazonas ist eines der ganz wenigen Beispiele dafür, dass Archäologie und Anthropologie auf ihren Grabungen in die Vergangenheit auf eine altertümliche Technik stießen, die zu einem wesentlichen Anstoß für die Lösung eines entscheidenden Problems der Gegenwart werden könnte.

In einer Zeit, wo landwirtschaftliche Böden durch Herbizide, Pflanzenschutzmittel, Überdüngung und Erosion verarmen, wenn nicht gar absterben, zugleich aber der Zwang zur Versorgung der Überbevölkerung des Planeten immer wieder als Ausrede gegen einen nachhaltigen Wandel der landwirtschaftlichen Methoden herhalten muss, sind Maßnahmen gefragt, die, anstatt nur den Idealismus von der schönen, wilden Natur ins Wortgefecht zu bringen, zur Entwicklung intelligenter Strategien führen, die die Produktivität der Landwirtschaft, den Klimaschutz und Naturschutz vereinen. Die Verwendung von Bio-Kohle, wie sie in vorkolumbianischer Zeit ganz ähnlich zur Erzeugung von Terra Preta im Amazonasgebiet eingesetzt wurde, könnte, wie neuste Forschungen zeigen, zur Grundlage einer solchen Strategie werden.

2. Pyrolyse

Bio-Kohle wird durch Pyrolyse organischer Grundmaterialien wie Holz, Stroh, Weintrester, Grünschnitt, aber auch Trockenmist, Klärschlamm oder Küchenabfällen gewonnen. Unter Sauerstoffausschluss wird die getrocknete Biomasse auf Temperaturen von 400 bis 800 Grad erhitzt, wobei die langkettigen Kohlenstoffverbindungen der organischen Zellen zerbrochen werden. So entstehen Wärme, Pyrolysegase und bis zu 40% Bio-Kohle, deren Konsistenz der von normaler Grillkohle entspricht. Es handelt sich bei der Pyrolyse im Grunde um eine über 5000 Jahre alte Methode, nur dass in den Köhleröfen unserer Vorfahren nur Holz als Ausgangsprodukt verwendet wurde und die Pyrolysegase ungenutzt in die Atmosphäre entwichen. Dank intelligenter Schwelkammern und dem so genannten Flox-Verfahren können nunmehr die äußerst energiereichen Pyrolysegase sehr schadstoffarm verbrannt werden. Die dabei entstehende Abwärme lässt sich zu Heizzwecken nutzen oder über einen Kraft-Wärme-Koppler in Elektrizität umgewandelt werden.

Biokohle aus Grünschnitt

Biologische Reststoffe wie Grünschnitt, Trester oder Mist werden momentan entweder kompostiert oder verrotten ungenutzt. Beim Kompostieren und Verroten vergast jedoch die Biomasse zu 90% respektive 99% als CO2 und Methan. Bei der technisch relativ einfach konstruierbaren und somit auch dezentral einsetzbaren Pyrolyse verschwelt die Biomasse zu 40% reiner Pflanzenkohle und bei der Verbrennung des restlichen Synthesegases entstehen nur relativ geringe Mengen CO2 und keinerlei Methan oder gar Lachgas. Arbeitet man die Pflanzenkohle in den Erdboden ein, entzieht man der Atmosphäre dauerhaft Kohlenstoff, der somit nicht mehr zur Klimaerwärmung beitragen kann. Da zudem die Energie des Synthesegases zur Elektrizitätsgewinnung eingesetzt werden kann und somit fossile Brennstoffe ersetzt, ist die Klimabilanz bei der Pyrolyse von biologischen Reststoffen im Vergleich zu deren bloßer Verrottung nahezu 95% klimapositiv.

3. CO2-Zertifikate und Bodenverbesserung durch Pflanzenkohle

Die Karbonbilanz der Pyrolyse liegt bei erstaunlichen 489 kg CO2, die pro Tonne Grüngut aus dem Karbonkreislauf herausgehalten werden (Siehe: Sequestrierungspotential / potential of CO2-sequestration in English).

Wird die durch Pyrolyse gewonnene Pflanzenkohle in landwirtschaftliche Böden eingebracht, lagern sie dort ebenso wie Erdöl oder Braunkohle über mehrere Jahrtausende stabil. Das Karbon der Bio-Kohle wird somit aus dem Karbonzyklus herausgenommen, da es weder durch Verbrennung noch durch Verrottung zu CO2 oder Methan umgewandelt wird. Durch den Bodeneintrag der Bio-Kohle würden die landwirtschaftlichen Böden zu Kohlenstoffsenken, die im Unterschied zu instabilem Humus auch als CO2-Zertifikate geltend gemacht werden können.

Wie das Terra Preta Beispiel zeigt, ist der Bodeneintrag von Bio-Kohle jedoch nicht nur unter klimapolitischen Erwägungen interessant, sondern vor allem auch agronomisch, wodurch sich eine der vielversprechendsten Symbiosen von Landwirtschaft und Klimaschutz abzeichnet.

Durch den Eintrag von Pflanzenkohle in landwirtschaftlich genutzte Böden lassen sich äußerst positive Auswirkungen auf die Bodenaktivität, Bodengesundheit und Ertragskapazität erzielen. In entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen (Quellen hier) konnten folgende Vorteile für die Bodenkultur nachgewiesen werden:

  • Verbesserung des Wasserspeichervermögens, wodurch Einsparungen bei künstlicher Bewässerung und sogar Neubepflanzungen von Trockengebieten möglich werden
  • Deutlicher Zuwachs der Bodenbakterien, die in den Mikroporen der Kohle geschützten Lebensraum finden, wodurch die Nährstoffumsetzung für die Pflanzen gefördert wird
  • Zunahme der Wurzelmykhorrizen für eine verbesserte Mineralstoffaufnahme
  • Adsorption toxischer Bodenmoleküle wie NOx, Cu, wodurch die Ausspülung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ins Grundwasser verhindert wird
  • Höhere Bodendurchlüftung und somit deutliche Reduktion der Methan- und Lachgasemissionen
  • Verbesserung der Kationen-Austausch-Kapazität für den Stoffhaushalt der Pflanzen
  • Verstärkung der Stickstoff-Fixierung
  • ph-Ausgleich

Je nach angebauter Kultur werden zwischen 10 und 120 t  Bio-Kohle pro Hektar in den Boden eingetragen, womit das Äquivalent von 36 bis 440 t CO2 pro Hektar gebunden werden. Wird zudem ein Teil der aus Biomasse hergestellten Bio-Kohle zur Gewinnung von Elektrizität verwendet und die landwirtschaftlichen Maschinen weitestgehend auf Strom- und Li-Akku-Betrieb umgestellt, wäre die Landwirtschaft nicht mehr wie heutzutage für 15% der klimaschädigenden Emissionen verantwortlich, sondern würde

Eine Hand voll Zukunft

klimapositiv wirtschaften, die Städter also nicht nur mit Nahrungsmitteln, sondern auch mit Energie und nachhaltiger Luftreinigung versorgen.

4. Ausblick
Seit 2008 werden in den Weinbergen von Mythopia die ersten großflächigen Versuche zur Bodenverbesserung durch Eintrag von Bio-Kohle durchgeführt, wobei auch unterschiedliche Kohleformen, Kohle-Kompost-Mischungen sowie Kohle-Gründüngungs-Kombinationen untersucht werden. Dank des von Delinat aufgebauten Forschungsnetzwerkes, an dem mehrere deutsche und schweizerische Institute und Universitäten beteiligt sind, werden ab 2009 die Grundlagenforschung, die On-Farm Versuche und die klimapolitischen Beratungen ausgeweitet. Im Januar 2010 wird die Firma Delinat eine erste Pyrolyse-Anlage zur Herstellung von 1000 t/a Bio-Kohle in Betrieb nehmen, um auf ausgewählten Partnergüter in Spanien, Italien und Frankreich weitere Versuche mit verschiedenen Bodentypen in verschiedenen Klimazonen durchzuführen.

[Eine Zusammenstellung einiger aktueller Pflanzenkohle-Forschungsergebnisse sowie deren Interpretation finden Sie hier.

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41 Antworten zu “Terra Preta – Pflanzenkohle – Klimafarming””

  1. Althaus Hans Peter
    Titel:

    Endlich eine Nachricht an der Klima-Front, die mich sehr euphorisch stimmt.
    Um einen modernen Begriff zu strapazieren: Das ist eine Win-Win -Vinum -
    Situation. Ein weiterer Kick für mich, noch mehr Mund-zu-Ohr-Propaganda zu machen für Delinat. Würde gerne sofort in meinem Garten Versuche dazu anstellen, und auch in der Zeitschrift von Bioterra Schweiz davon berichten, denn ich bin deren Gartenberater….

    Danke HP Althaus

  2. Riedel Ralf
    Titel:

    unbedingt versuchen über andere Medien wie in TV, auf Messen, in Fachzeitschriften die Ueberlegungen bekannt machen.
    Ich werde diesbezüglich als Sachbearbeiter für Gesundheit und Umwelt in Richterswil, mein möglichstes tun.

    Ralf Riedel
    Umwelttechniker

  3. hps
    Titel:

    Für Versuchszwecke stellen wir gern Biokohle zur Verfügung. Auf den Artikel in Ihrer Zeitschrift freuen wir uns und stehen gern für Fragen bereit. Danke für die geteilte Euphorie, Hans-Peter

  4. TonyKatz
    Titel:

    Super, wenn das Monsanto und Syngenta wüßten…

    Es ist einfach fantastisch, daß Biolandbau auch noch (viel) besser werden kann…

    Also aufgrund der beschriebenen Eigenschaften von Biokohle halte ich das für eine hervorragende Maßnahme am Anfang der Umstellung eines bisher konventionell (verseuchten und verarmten) betriebenen Ackers auf nun intelligent sehr vorteilhaft biologisch betriebenen Ackers. [...]

  5. Dr. Anita Schwaier
    Titel:

    wieviele Kilo Kohle sollte man denn pro Hektar ausbringen? Irgendwann ist ja eine Obergrenze erreicht. Außerden erwarte ich, dass die leichte Kohle sich nach einiger Zeit an der Oberfläche anreichert. Wenn dann mal Feuer ausbricht, haben wir für das Klima nichts gewonnen. Da sind sicher noch umfangreiche Versuche mit unterschiedlichen Böden erforderlich. Da bin ich gespannt auf die Ergebnisse.
    MfrGr A. Schwaier

  6. hps
    Titel:

    Sehr geehrte Frau Schwaier, im Weinbau führen wir unsere Versuche mit Mengen von 10-20 t pro Hektar durch. Im Getreideanbau brachten Biokohle-Mengen von bis zu 100 t pro Hektar ausgezeichnete Resultate, erst ab 140 t / ha wurden Ernteeinbußen festgestellt.
    Die Frage, wie sich die Kohle im Boden verteilt und durch Humus, Mineralien, Verdauungsprozesse gebunden wird, ist ein wichtiges Thema unseres Forschungsprojektes. Übrigens findet am 27.1. in St. Gallen der erste Karbon-Workshop statt, wobei genau dieses Thema auf dem Programm steht (wir werden in Ithaka darüber berichten). Dass sich die Kohle entzünden könnte ist allerdings eher unwahrscheinlich, solange zumindest üppige Begrünung den Boden bedeckt.

  7. Peter Straub
    Titel:

    Die Pyrolysetechnik ist hochinteressant und kann mit hoher Wahrscheinlichkeit entscheidende Beiträge für die Agrarproduktion, die Energieerzeugung und die Klimamässigung leisten.

    Der Frage von Frau Dr. Schwaier ist sicher Beachtung zu schenken. Von einem gewissen, relativ hohen Kohlestoffgehalt ist eine Entzündbarkeit des Bodens nicht ausgeschlossen. Auf der Insel Svalbard (Spitzbergen) brannten Kohleberge, die von der deutschen Luftwaffe im 2. Weltkrieg in Brand geschossen worden sind, während Jahren. In US-Virginia brennt ein verlassenes Kohleberwerk seit Jahrzehnten, weil Menschen dort einst ein Feuer entfacht und es dann vor Verlassen des Stollens nicht richtig ausgelöscht haben.
    In der Nähe aktiver Vulkane also z.B. ist diese Methode des Kohlenstoffeintrags in Böden entsprechend eingeschränkt oder ergänzt anzuwenden.
    Die vielfältige und dezentalisierte Energiewirtschaft wird, zusammen mit anderen technologischen und kulturellen Massnahmen bedrückende Abhängigkeiten von Rohstoffen jeder Art so weit einschränken, dass jedenfalls diese keine Anlässe zu Kriegen mehr geben können sollten.
    Allerdings werden die unterbewusst kultischen Elemente des Krieges und seiner Menschen opfernden Grausamkeit immer noch verdrängt. Auch hier ist noch viel Erkenntnis- und Kulturarbeit zu leisten. Mit Lösung der Versorgungs- und Verteilungsprobleme allein ist dieser Aspekt des Kulturellen nicht zu bewältigen.

  8. hps
    Titel:

    Die Frage des Feuerschutzes nehmen wir sehr ernst und deren Untersuchung ist auch Teil unseres Projektes. Danke für die warnenden Hinweise. Die Biokohle, wie sie bei unserem Herstellungsprozess entsteht, ist allerdings tatsächlich sehr schwer entzündlich. Wir haben die Biokohle mit einem Butan-Strahlflammer zu entzünden versucht und es nicht geschafft. Auch die Terra Preta Böden in Amazonien brennen nicht. Für besonders trockene, Buschfeuer gefährdete Landstriche müsste die Frage aber auf jeden Fall noch einmal extra untersucht werden. Danke, hps

  9. Christian Radecke
    Titel:

    Die Möglichkeit, mit Bio-Kohle die Böden sowie das Klima zu verbessern, finde ich sehr interessant und zukunftsträchtig. Da ich mich als Theologe stets auch mit der Sprache beschäftige, möchte ich Ihnen vorschlagen, für den neuen Begriff “Klima-farming” noch ein besseres Wort zu finden – ein Wort, welches ohne englischen Wortteil auskommt, wenn möglich ganz deutsch ist und sofort verstanden werden kann. Es reicht schon, dass unsere Fachwörter nicht der eigenen Sprache entstammen, sondern griechische und lateinische Silben enthalten; da braucht es nicht noch Englisch (wie dies leider in vielen Lebensgebieten schon lange geschieht). Herzlichen Dank für Ihren wichtigen Einsatz!

  10. hps
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Radecke, Sie sprechen ein heikles Thema an, das mir seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet. Ich gebe Ihnen ganz und gar Recht, dass Klimafarming ein schreckliches Unwort ist. Klima kommt aus dem Griechischen, wo es Krümmung bedeutet und im übertragenen Sinne für die durch die Erdkrümmung verursachte Variation der atmosphärischen Ereignisse steht. Und Farm leitet sich vom lateinischen firma ab, was feste Zahlung bedeutet, weil große Ländereien an viele Kleinbauern gegen feste Zahlung vermietet wurde.
    Wir haben den Begriff mit vielen Leuten diskutiert und nach richtig deutschen Worten gesucht, aber zwischen Klimalandwirtschaft und Luftreinigungsbauer haben wir nichts Adäquates gefunden. Ein wichtiger Vorteil des Wortes Klimafarming ist, dass es im Englischen wir Französischem ebenso verstanden wird, und Klimafarming wird ja als weltweites Konzept entwickelt.
    Wir sind für alle Vorschläge offen und freuen uns über jede Idee, die uns aus dieser Schwierigkeit des Wortes heraushelfen könnte.

    PS.: Gegen viel Widerstand von der Wissenschaftlerfront scheint es uns übrigens zu gelingen, anstatt des englischen biochar im deutschen Sprachraum das Wort Biokohle durchzusetzen.

  11. Hermann Schuster
    Titel:

    Da wir unsere Landwirtschaft schon seit 1991 Biologisch bewirtschaften und in keiner Boden- Klimatischen Gunstlage sind, haben wir schon einige Hochs und viele Tiefs erlebt.
    Vor einigen Wochen bin ich auf das Terra Preta Phänomen aufmerksam geworden, und beschäftige mich seitdem sehr viel damit. Schlechten Boden mit Holzkohle (Kohlenstoff) ertragreicher und das Grundwasser vor Nährstoffauswaschungen zu schützen, gleichzeitig CO2 langfristig zu speichern halte ich für eine zukünftige Notwendigkeit in der Landwirtschaft. Möchte selbst einige Feldversuche unternehmen, Problem ist aber noch woher bekommt man Kohle die keine PAKs enthält. Weiters währe ich dankbar für Hinweise,
    wo man sich weiter über Terra Preta und deren neuesten Erkenntnissen informieren kann.

  12. hps
    Titel:

    Wo gibt es Biokohle
    Die Delinat-Ökologieforschung und der Kompostierer La Coulette werden im Sommer 2009 die erste 500 KW – Pyrolyseanlage in Dauerbetrieb nehmen, um jährlich rund 1000 t Biokohle zu erzeugen. Die Biokohle wird dem Jungkompost ganz am Anfang des Kompostiervorgangs zugeführt, um Kompost und Biokohle zu aktivieren, wobei eine hochfruchtbare, der Terra Preta vergleichbare Muttererde entsteht. Da die Biokohle dabei nicht zersetzt wird, bleibt sie für die Kreation von Kohlenstoffsenken verfügbar.
    Ab Herbst 2009 können wir sowohl Terra Preta ähnliche Muttererde als auch reine Biokohle liefern, die dann bei lokalen Kompostierern zur Herstellung der Muttererde verwendet werden kann. Unser mittelfristiges Ziel ist es allerdings, die Installation von Biokohleanlagen in allen größeren Weinregionen zu initiieren und Transportwege gering zu halten.

    In unserem Forschungsnetzwerk Biokohle (siehe hier) führen wir sehr umfassende Untersuchungen zum Thema Biokohle und Klimafarming durch. Dies reicht von Analysen des biologischen Grundmaterials und der Kohlestruktur über die Wirkungen in Kompost und Boden, die Energieeffizienz und die Kohlestabilität in Karbonsenken bis hin zu Auswirkungen auf die Weinaromen. Die Ergebnisse dieser Forschungen werden regelmäßig hier auf Ithaka vorgestellt. Andere Veröffentlichungen in deutscher Sprache gibt es bisher kaum. Die meisten englischsprachigen Studien zum Thema sind auf der Webseite der International Biochar Initiative nachzulesen. Für weitere Informationen und Beratung können Sie gern mit der Delinat Ökologieforschung Kontakt (hier) aufnehmen.

  13. Fredy Weber
    Titel:

    Ich bin selbst Hobbywinzer, zugleich aber auch Delinat-Kunde.
    Nach einer Bodenumstellung vor etwa 10 Jahren stelle ich konsequent Kompost her und bringe ihn in Garten und Weinberg aus. Die Idee der Biokohle ist faszinierend. Gerne würde ich hier bei mir auch etwas tun wollen, aber ich lese nirgendwo, wie ich an Biokohle kommen kann.
    Für eine Hilfe danke ich herzlich – Fredy Weber

  14. hps
    Titel:

    DELINAT BIOKOHLE ab Herbst 2009 erhältlich
    Delinat wird ab Herbst 2009 selbst Biokohle in größeren Mengen herstellen, um zum einen unsere Winzer zu versorgen, und zum anderen um Versuche anderer Winzer, Gärtner und landwirtschaftlicher Betriebe zu unterstützen. Unseres Wissens gibt es bisher noch keine anderen professionellen Hersteller von Biokohle in Europa. Für kleinere Versuche kann man sich jedoch mit handelsüblicher Holzkohle oder Holzkohlenstaub behelfen. Zwar liegt bei handelsüblicher Holzkohle die Pyrolysetemperatur meist über 600°C, wodurch die Struktur der Kohle weniger interessant ist, ein sichtbarer Erfolg wird sich aber trotzdem relativ schnell einstellen.
    Die Biokohle tragen wir übrigens nicht direkt in die Böden ein, sondern benutzen die Kohle zunächst zur Aktivierung von Kompost, wobei wir die Kohle schon vor der Kompostierung in das zu kompostierende Material einarbeiten. Auf diese Weise wird die Mineralisierung des Komposts positiv beeinflusst, die spezifische Oberfläche des Kompost wird mehr als verzehnfacht, wodurch die mikrobielle Aktivität erheblich anwächst und die Methanemissionen werden auch gesenkt. Der so aktivierte Kompost ähnelt dann bereits sehr stark der Terra Preta. Die Wirksamkeit der Biokohle ist also am größten, wo sie gemischt mit Kompost in die Böden eingetragen wird, die Kohlenstoffsenkenkapazität wird dadurch nicht verändert.

  15. Gabriel Hipp
    Titel:

    Bin Hobbywinzer und Delinatkunde und immer wieder fasziniert darüber, welche neuen Erkentnisse und Zusammenhänge sich im Hinblick auf biologisches Wirtschaften ergeben. Von Bio-Kohle habe ich bis jetzt noch nichts gehört, werde es auf jeden Fall zur Kompost- und Bodenverbesserung ausprobieren. Auch wenn man von der älteren Generation oft nur ausgelacht wurde, habe ich seit einigen Jahren einen kleinen Weinberg am Haus, und daraus einen ordentlichen Wein in Grenzlage zu keltern, macht ausserordentliche Freude, noch dazu, wenn andere ihn gelungen finden .
    Weiter so, das sollte die Zukunft sein.

    Viele Grüße an alle Haus- und Hobbywinzer

  16. gaertner
    Titel:

    einige Dinge sind für mich noch ungeklärt:

    1.) wie wird die Biomasse, aus der die Kohle entstehen soll getrocknet?
    entsteht dabei kein CO2 und/oder Mehtan?

    2.) wie wird die Biomasse eigentlich erhitzt?

    3.) wie hoch ist der Energie input (Erhitzung der getrockneten Biomasse) im Vergleich zum Energie output (Verbrennung der Pyrolyse Gase)?

    über eine Beantwortung dieser Fragen würde ich mich sehr freuen.

    liebe grüße,

    roman

  17. hps
    Titel:

    Vielen Dank für die Anfrage.

    1. Normale Pflanzenreste wie Grünschnitt, Stroh, Trester sind trocken genug für die Pyrolyse. Zu feuchtes Ausgangsmaterial wie Klärschlamm wird durch die Abwärme der Pyrolyse getrocknet. Methan entsteht nur, wenn die Kompostierung bereits eingesetzt hat.
    2. Die Biomasse wird durch die Abwärme, die bei der Verbrennung des Synthesegases entsteht, erhitzt.

    Energie- und Sequestrierungsbilanzen sowie detailliertere technische Informationen finden Sie hier
    Mit freundlichen Grüssen, hps

  18. Rolf Sindermann
    Titel:

    Ich plane im kommenden Frühjahr einen Gemeinschaftsgarten in Berlin zu initiieren. Auf einer ungenutzten Brache soll ein sozialer Raum entstehen in dem urban gegärtnert wird. Es werden u. A. auch Gemüse und Obstsorten gemeinschaftlich angebaut werden.
    Eignet sich das beschriebene Verfahren -schätzungsweise- auch für die Verbesserung der Bodenqualität für andere Kulturen als Wein?
    Viele Grüße und ein großes Lob für euer Engagement!
    Rolf Sindermann

  19. hps
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Sindermann,
    Biokohle eignet sich auch für Obst- und Gemüsekulturen ausgezeichnet, und ein Beitrag gegen die Klimaerwärmung ist es in jedem Fall. Die Idee Ihres Gemeinschaftsgartenprojekts gefällt mir sehr, und wir unterstützen es gern mit einer Lieferung Biokohle im nächsten Frühjahr.
    Mit besten Wünschen für Ihr Projekt,
    Hans-Peter Schmidt

  20. Werner Senn
    Titel:

    Betr. Biokohle bin ich kürzlich auf folgenden Link aufmerksam gemacht worden:
    http://www.ecoportal.net/content/view/full/85017
    Ich bin alles andere als ein Eco-Fundamentalist; die Artikelserie über Biokohle fand ich sehr interessant und die Schlussfolgerungen einleuchtend. Ich finde es aber wichtig, dass auch Gegenargumente berücksichtigt werden und es würde mich daher interessieren, welche Argumente der Position aus Ecoportal entgegengesetzt werden können.
    Besten Dank schon mal für etwelche Kommentare dazu.
    Werner Senn

  21. Mika Latuschek
    Titel:

    Lieber Werner Senn, bei Spanisch muss ich leider passen, ich habe aber heute von der ETC Group in Ottawa eine Deklaration von 150 NGOs aus Süd und Nord zugesandt bekommen, die sich vehement gegen Klimafarming und Biokohle im großen Stil wendet:
    http://www.regenwald.org/international/englisch/news.php?id=1234
    Im März gab es eine Biokohle-Debatte im britischen ‘Guardian’ mit Pro- und Contra-Beiträgen von George Monbiot, James Lovelock, James Hansen und anderen:
    http://www.guardian.co.uk/environment/2009/mar/24/george-monbiot-climate-change-biochar
    Nach Abwägung aller Argumente muss ich sagen, wir sollten sehr aufpassen, dass wir hier nicht dem nächsten Hype aufsitzen. Wohlgemerkt, hier geht es nicht um den eigenen Garten, sondern um große Plantagen.

  22. hps
    Titel:

    Lieber Herr Senn, lieber Herr Latuschek,
    vielen Dank für die Hinweise auf die besorgte Debatte über Biokohle-Nutzung. Wir bereiten für nächsten Samstag einen Artikel über die Gefahren agrar-industrieller Biokohleherstellung vor, wo wir auch ausführlich auf die Diskussion im Guardian sowie der ETC-Group eingehen werden. [den erwähnten Artikel finden Sie mittlerweile hier]

  23. Dietmar Millitzer
    Titel:

    Sehr geehrte Damen und Herren, mich interessiert das Thema Bodenfruchtbarkeit und Terra Preta sehr. Ich würde zugern mit Biokohle in meinem Gemüsegarten (größeres Gründstück) experimentieren. Sie hatten erwähnt das Sie die Biokohle nicht direkt in den Boden einarbeiten, sondern einem Kompost zumischen. Jedoch wohne ich in Deutschland und ich kann mir vorstellen, dass eine Art “Kompostversand-/Transport” in Kleinmengen logistisch zu teuer wäre. Es gibt doch sicherlich die Möglichkeit, die “reine” Biokohle gesackt zu bekommen. Dies wäre doch sicherlich ein gute Möglichkeit ?? Über Ihre Antwort würde ich mich freuen.
    Dietmar Millitzer, GaLa-Bau Grünplan

  24. hps
    Titel:

    Ja natürlich, sobald die Anlage steht, versenden wir gern die Biokohle auch gesondert. Sie können diese dann Ihrem eigenen Kompost zuführen oder in den Boden einfügen, wo sie entsprechend der herrschenden Bioaktivität verstärkende Wirkung entfaltet. hps

  25. Karsten Weitzenegger
    Titel:

    Unsere Genossenschaft spendet jährlich mehr als 5000 Euro an atmosfair, um unser Unternehmen klimaneutral zu stellen. Könnten wir nicht auch Klimazertifikate durch Beteiligung am Terra Preta Projekt erhalten? Das würde noch mehr zu unserer Praxis passen. Wie ist das mit dem „Goldstandard“?

  26. hps
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Weitzenegger,
    zur Zeit können noch keine staatlich anerkannten Klimazertifikate mittels Biokohle erzeugt werden. Die Klimakonferenz von Kopenhagen am Ende des Jahres wird höchst wahrscheinlich eine diesbezügliche Gesetzesänderung beschließen. Wie in unserem Artikel “Biokohle gegen Trockenheit in Paraguay” berichteten, haben wir gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut ein Forschungsprojekt lanciert, um eine möglichst einfache Biokohleanlage zu entwickeln, die die Leute vor Ort in Südamerika, Afrika oder Asien mit und aus eigenen Mitteln konstruieren können. Statt ihre Wälder abzuholzen, könnten sie so mit Bioabfällen Kohle erzeugen und diese zur Verbesserung ihrer Böden und Ernten einsetzen. Sollte Ihre Genossenschaft an der Unterstützung eines solchen aktiven Entwicklungs- und Klimaprojekt Interesse haben, auch wenn dabei kurzfristig noch keine Klimazertifikate erzeugt werden, würden wir uns über Ihre Kontaktaufnahme freuen (ithaka@delinat.com). Ihr Hans-Peter Schmidt

  27. Andreas Thomsen
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Schmidt,
    über diese Seite freue ich mich sehr, zumal es im Internet noch immer kaum Orte gibt, an denen ein Austausch über ‘Biokohle’ stattfindet.
    Ich finde das Thema extrem faszinierend, auch deshalb, weil es noch so viel herauszufinden gilt. Seit zwei Jahren mache ich kleine Versuche im Garten, und es ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich verschiedene Pflanzen auf Holzkohle-Kompost im Boden reagieren. Zumindest in unserem Boden (recht schwere Braunerde) scheint es einigen Arten “grad’ egal” zu sein (Zwiebeln, Erdbeeren…), während andere Gemüse die Kohle wohl regelrecht lieben (Spinat, Kürbisse, Auberginen, Zuckermais…).

    Schwarze Grüße – andreas thomsen

  28. citizennet
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Schmidt,

    ein faszinierendes und hoffnungsvoll stimmendes Thema was die CO2-Bindung betrifft.

    Eine Frage was die Bodenverbesserung betrifft, kann man da jetzt schon ungefähre Aussagen machen, wie stark sich die Biokohle von normaler Asche unterscheidet. Durch meinen Holzpelletofen habe ich im Jahr ca. 10 Liter Asche, die ich auch jetzt schon in den Garten einbringe. Ich vermute, daß bei Holzpellets durch die bessere Verbrennung die Asche von der Struktur ungünstiger ist als Asche, die bei Scheidholzverbrennung entsteht und als die Struktur der Biokohle ?

  29. hps
    Titel:

    Von der Struktur her lässt sich Biokohle und Asche nicht wirklich sinnvoll vergleichen. Als Düngemittel ist Asche natürlich trotzdem sehr interessant – schauen Sie doch bitte mal in den Kommentaren des folgenden Artikels, da haben wir bereits zu diesem Thema debattiert: Biokohle, ein traditioneller Bodenverbesserer in Europa

  30. Werner Post
    Titel:

    Hallo,

    welche Art Reststoff verblieb in den Holzvergaseröfen, die im letzten Krieg hier die Kfz mit Treibstoff versorgten?

    Wenn möglich, bitte die Antwort an meine Mailanschrift senden.

    MfG
    Werner Post

  31. hps
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Post

    Die Holzvergasertechnik (bis hin zu Blockheizkraftwerken) ist seit deren Erfindung (vor 1900) und deren Anwendung während des Zweiten Weltkrieges stark weiterentwickelt, energieeffizienter und heute sehr umweltverträglich geworden.
    Grundsätzlich verbleiben bei der Holzvergasung, nebst den Rauchgasen, die über den Kamin entweichen mehr oder weniger grosse Mengen von Asche mit evtl. kleinen Kohlestücken zurück. In diesen Reststoffen befinden sich Mineralstoffe, allfällige Metalle…
    Die Beschaffenheit dieser Reststoffe hängt u. a. von folgenden Faktoren ab, die zur damaligen Zeit sehr unterschiedlich gewesen sein können:
    - Art und Feuchtigkeitsgehalt des verwendeten Holzes (gutes Holzgas brennt rauchlos)
    - Model, Technik und Grösse des Holzvergaserofens /-motors
    - Verbrennungstemperatur (üblicherweise um 1200 Grad). Durch diese hohen Temperaturen sind saubere und Umwelt schonende Abgase gewährleistet. Liegen die Temperaturen darunter, steigt der Anteil an schädlichen Gasen usw.
    - Problematisch bei dieser Art der Energiegewinnung aus Holz war die Teerbildung. Diese unwillkommene Substanz (sie ist ‚Gift’ für den Gasmotor) entsteht, sobald ligninhaltige Biomasse vergast wird. Als Folge waren oft ganze Motorblockreinigungen nötig.
    Heute entsteht nahezu teerfreies Holzgas. Dieses lässt sich leicht kühlen und mit einem Trockenfilter einfach abreinigen.

    Mehr dazu finden Sie u. a. unter:
    http://www.holzgas.ch/594/index.html (mit interessanten alte Fotos…)
    http://www.buch-der-synergie.de/c_neu_html/c_03_05_biokraftwerke_biodiesel_holz.htm
    http://www.bhkw-anlagen.com/100kwbiomassebhkw/holzvergaserheizkessel/index.php

  32. Horst Wagner
    Titel:

    Hallo,

    ich habe dieses Jahr 30 Kompostboxen (je 1 cbm) aufgebaut und mit unterschiedlichen Ausgangsmaterialien, “Impfstoffen” und Zusätzen aufgesetzt. Nachdem ich den ZDF Bericht über Terra Preta gesehen habe, auch mit dem Ziel Kompost mit Hilfe von Holzkohle Terra Preta ähnliches Substrat herzustellen. Einen ersten Feldversuch mit Radieschen habe ich auf meiner web.site http://www.terra-preta-sachsen,de dokumentiert (nicht wissenschaftlich). Wertvolle Hinweise habe ich auf Ihrer web-site gefunden. Dafür Vielen Dank!
    Wer hat Erfahrungen oder möchte sich im Frühjahr an Versuchen mit Terra-Preta-Kompost im Gemüseanbau o. ä. beteiligen? Mein Versuchfeld ist in Meißen/Sachsen.
    Viele Grüße
    Horst Wagner, wagner.mei01atyahoo.de

  33. Jochen Binikowski
    Titel:

    Hallo Horst,

    das Ergebnis überrascht mich nicht. Bei unseren Experimenten hier auf den Philippinen ist es ähnlich. Ich würde aber auf jeden Fall noch etwas Holzasche hinzugeben, das erhöht den P und K Gehalt und hält bestimmte Bodenschädlinge fern, insbesondere Bakterienwelke.

    In dem Link war ein Tippfehler, hier die korrekte Schreibweise:

    http://www.terra-preta-sachsen.de

  34. Horst Wagner
    Titel:

    Hallo Jochen,

    danke für die Richtigstellung und für dem Hinweis mit der Holzasche. Ich werde das testen.
    Viel Erfolg für euere Experimente! Gibt es was im www. über euch?

  35. Jochen Binikowski
    Titel:

    Hallo Horst,

    ja, schau mal hier:

    http://www.buddel.de/kft/index.htm

    Inzwischen sind die Ergebnisse der Regenzeit-Experimente vom letzten Jahr zum Teil bereits in der kommerziellen Umsetzung. Mit Tomaten, Auberginen und Bittergurken (Ampalaya) haut das sensationell hin, mit Chili gibt es kleinere Probleme. Seit einigen Tagen laufen die ersten Ernten, Verkauf zu Spitzenpreisen. Selbst ein mittelprächtiger Taifunausläufer mit 120 KMH und einer Woche Dauerregen konnte den Pflanzen nichts anhaben. Unsere Farm ist bereits Stadtgespräch hier und immer mehr kleine Farmer adoptieren unsere Methoden.

    Unser Problem: Wir wissen das es funktioniert, aber nicht warum. Wir bräuchten jetzt händeringend wissenschaftliche Unterstützung. Solange ich die nicht habe werde ich vorerst keine Details veröffentlichen. In der Sache dürfte nämlich ein enormer Sprengstoff für die Saatgut- Pestizid- und Kunstdünger-Mafia liegen. Denen möchte ich nicht in die Hände spielen.

    Eines sei aber bereits verraten: Der Glaubensstreit ob Bio oder konventionell, Hybrid oder traditionell, lenkt von der Lösung ab. Die liegt bei uns in der Kombination von allen Methoden. Ohne die umfassende chemische Analyse unserer Erdmischung sowie ideoligiefreier Herangehensweise wären wir niemals auf diesen Trichter gekommen.

    Die Regenzeit bzw. Hochpreissaison für Gemüse dauert noch bis Februar/März. Zeit genug um alle Investitionen für Experimente und Farmerschließung wieder hereinzuholen. Und um ein seit langem geplantes Großexperiment mit Mais durchzuführen, das wäre dann im Erfolgsfall der Durchbruch zur Massenanwendung, und zwar ohne Emissionshandels – Subventionen.

  36. Steffen Ehrmann
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Schmidt,

    sie schreiben über die positiven “Nebeneffekte”, die sich allesamt sehr gut anhören.
    Nun, bei solchen Behauptungen sollten sie auch immer die Quellen mit angeben, sodass das nachprüfbar wäre. Sie schreiben allerdings lediglich, dass “einige wissenschaftliche Arbeiten” das stützen. Sind sie gewillt und in der Lage diese Arbeiten darzulegen, sodass ich diese selbst durchgehen könnte?

    viele Grüße
    Steffen Ehrmann

  37. hps
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Ehrmann,
    eine Zusammenstellung einiger aktueller Forschungsergebnisse sowie deren Interpretation finden Sie unter: http://www.ithaka-journal.net/73
    Mit bestem Dank für diese Aufforderung,
    Ihr Hans-Peter Schmidt

  38. Carola Holweg
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Steffen Ehrmann,
    als Ergänzungsbeispiel zu der sehr konkreten Ergebnis-Übersicht von Herrn Schmidt hier ein Ergebnis einer chinesischen Forschergruppe, auf das ich bei eigenen Literatur-Recherchen gestoßen bin. Die Gruppe beschreibt für zwei unterschiedliche Biochar-Böden, dass die Pestizidaufnahme in Pflanzen unter Anwesenheit von Biokohle zurückging (Chemosphere 2009;79(5):665-71). Interessant (hoffentlich aber niemandem eine Rechtfertigung für noch mehr Einsatz von “-ziden”).
    Nachtrag zu Kopenhagen: an alle Interessierte die Frage, ob ein Beschluß mit Relevanz für die Biokohle-Anwendung bekannt ist.
    Viele Grüße
    Carola Holweg

  39. Felix
    Titel:

    Sehr geehrter Herr Schmidt,
    sie schrieben, dass Terra Preta wohl auf der COP 2009 noch als Co2-Senke im Sinne des Clean Develompent Mechanism anerkannt würde, um CER damit erzeugen zu können. Meines wissens nacht dauernd die Verhandlungen mit der UN über die Anerkennung der TP bis heute an, ist das richtig?

  40. hps
    Titel:

    Leider ja

  41. Felix
    Titel:

    Wälder werden im Kyoto Protokoll ja auch nicht als Co2-Senken anerkannt, weil sie auch schnell wieder platt gemacht werden können nachdem die Zertifikate ausgestellt wurden.
    Da die Terra Preta auch sehr dezentral angewandt werden kann ist eine Kontrolle natürlich sehr sehr schwierig… der CDM ist wohl immer einfacher anzuweden bei Großprojekten, die leicht zu überwachen sind.

    Und eine Frage interessiert mich dabei auch sehr: Angenommen ein Kleinbauer verbessert über 10Jahre seinen Boden mit Terra Preta und erzeugt einen sehr fruchtbaren Boden… muss diesen dann verkaufen und es kommt ein an kurzfristigen maximalgewinnen interessierter Landwirt daher und kauft es… wenn dieser den Boden maximal ausbeutet.. wie schnell sind dann die Effekte des Humusaufbaus zunichte gemacht.
    Ein Teil der Holzkohle wird ja wahrscheinlich schon im Boden verbleiben… da kann er so viel pflügen wie er will..

    Dieses Beispiel ist natürlich auch ein Fallstrick für Zertifikate für Pflanzenkohle..

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