(Deutsch) Terra Preta – Modell einer Kulturtechnik


par Hans-Peter Schmidt

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9 Le Responses pour “(Deutsch) Terra Preta – Modell einer Kulturtechnik””

  1. Marko Heckel
    Titre: Hudewald und Lichtungsfeldbau

    Hallo Hans-Peter
    Hast Du Quellen zum Lichtungsfeldbau und der geschlossenen Kreislaufwirtschaft im Elbegebiet? Das würde ich gerne vertiefen.

    Zum Hudewald oder Hutewald noch einige Anmerkungen. In einem Landschaftsplanungsseminar bei der Betrachtung von Karten aus dem 18.Jh. lernte ich, dass die Hute der wesentliche Waldzerstörer war. Der Wald wurde massiv ausgedünnt, Unterwuchs verhindert und das aufwachsen junger Bäume unmöglich. Wobei vor allem Schafen, Ziegen und Rinder das Problem waren, die wühlenden Schweine stören weniger. Selbst der dünne noch vorhandene Wald war sehr viel weniger produktiv und funktional als heute.
    In dem mir von Dr. Haiko Pieplow empfohlenen Buch « Landschaftsentwicklung in Mitteleuropa » (Bork, schwierig) wurden mir zur Waldentwicklung die Augen geöffnet. Durch Hutung, Abholzung und Ackerbau hatte der Wald im 14. Jh. auf 15% der Fläche abgenommen (18.Jh. war auch schlimm). Katastrophale Erosion und Verwüstung und Regionalklimaänderung (Vb-Wetterlage) waren die Folge. Gefolgt von Hungersnöten und Pest. Die Zusammenhänge sind atemberaubend. Mit heute 31% in Deutschland stehen wir also im historischen Vergleich nicht schlecht da. Jetzt ist ein Umbau in Mischwald und Agroforstwirtschaft angesagt.
    Gruß Marko

  2. hps
    Titre: Bewirtschaftungsintensität

    Salut Marko, zum Lichtungsfeldbau gibt es eine gute Darstellung in Hansjörg Küster « Geschichte des Waldes », da sind auch eine Reihe weiterführender Quellenangaben zu finden. Die interessanteste Zeit des Lichtungsfeldbaus fand allerdings bereits vor dem Mittelalter statt. So wie alle landwirtschaftlichen Systeme entscheidet sich auch der Erfolg von Waldgärten, Hudewald, Lichtungsfeldbau usw. an der Beachtung der jeweils angepassten Wirtschaftsintensität. Ebenso wie man Weiden durch zu hohe Viehdichten rasch überweiden kann, können auch Hudewälder durch zu hohe Viehdichten schnell überlastet werden. Deine Beispiele aus dem späten Mittelalter sowie aus dem Beginn der Industrialiesierung zeigen dies sehr deutlich. Entscheidend ist nicht die Wahl des Bewirtschaftungssystems, sondern dessen nachhaltige Bewirtschaftung. Grüsse, hps

  3. Marko Heckel
    Titre: Guns Germs and Steel

    Ich habe das Buch « Guns Germs and Steel » von Diamond begeistert verschlungen. Nach einigen Jahren und neuen Informationen kann ich den Folgerungen von Diamond nicht mehr zustimmen (besser « 1491″ von Mann). Die hier erwähnte Ausrottung der Großtiere in den Amerikas durch menschliche Jagd ist inzwischen sehr fragwürdig. Menschliche Siedlungsspuren die einige zehntausende Jahre älter als 13.000 Jahre sind wurden gefunden und das Besiedlungsalter verschiebt sich immer weiter in die Vergangenheit (siehe « 1491″). Das katastrophale Ende der letzten Eiszeit scheint ein wahrscheinlicherer Kandidat für die Ausrottung der Großtiere. Alles was von « Guns, Germs and Steel » als wichtige Faktoren europäischer Überlegenheit übrig bleibt sind die Germs/Krankheiten. Es sieht tatsächlich so aus, als wenn ganze Völker sogar ohne direkten Kontakt zu den Europäern weggestorben sind an Pocken, Masern, Grippe, Malaria und mehr. Nur einer von 20 Indianern hat nach realistischen Schätzungen diese Krankheitswellen des ersten Jahrhunderts nach Columbus überlebt. Die laut Diamond angeblich überlegene LW Europas konnte mit der Produktivität der Inkas, Azteken oder Amazonier nicht mal im Ansatz mithalten. Diamond zwingt die Fakten zu sehr in seine Kausalkette um seine Frage nach der Überlegenheit Europas zu beantworten.
    Ein neueres Buch das Terra Preta und sehr viel mehr berücksichtigt und ergebnisoffner ist « 1491″ von Charles Mann – die Amerikas vor Columbus – und taufrisch « 1493″ – die Amerikas und die Welt nach Columbus das Homgenocene (Das Zeitalter der Vermischung der Ökosysteme der Welt durch den Menschen)
    Gruß Marko

  4. hps
    Titre: Diamond - Mann

    Diamonds Hauptfrage nach der Überlegenheit gewisser (eurasischer) Kulturen ist auch meiner Ansicht nach die Hauptschwäche des Buches. Insofern bevorzuge ich auch sein einige Jahre später erschienenes « Collapse », auch wenn er dort ebenfalls die Fakten gern in seine Hauptthesen zwingt. Aus welchem Grund das Großwild in Amerika ausgestorben ist, ist unter Fachleuten nach wie vor umstritten. Entscheidend auch für die landwirtschaftliche Entwicklung in Amerika ist aber die Tatsache, dass es kein Großwild und entsprechend auch keine größeren Haustiere gab. Dass die Landwirtschaftlich vieler amerikanischer Hochzivilisationen höher war als selbst heute in Europa beschreibt Diamond durchaus, doch insofern Landwirtschaft nicht zu seinem Fachgebiet gehört, bleiben die Darstellungen, da gebe ich Dir recht, häufig etwas mangelhaft. Trotzdem finde ich Diamonds Bücher nach wie vor sehr inspirierend, weshalb er auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Debatten der Zivilisationsgeschichten genommen hat. Die beiden Amerika-Bücher von Charles Mann sind wirklich großartig und jedem zu empfehlen. Grüsse, hps

  5. Horst Stöckl
    Titre:

    Hallo Herr Schmidt,
    mein Interesse an Terra Preta ist durch einen Artikel in GEO, März 2009 geweckt worden: Amazoniens schwarze Sensation. Gelesen habe ich ihn wegen meines Interesse für Archäologie. Frage: Kennen Sie archäologische Fachliteratur, auch Bücher, in denen auch andere Kulturaspekte der alten Amazonier (Keramik, Werkzeuge, Siedlungsstrukturen, zeitliche Entwicklung etc.) etwas gründlicher behandelt werden als in dem GEO-Artikel?

    Noch 2 Fragen:

    Pflanzenkohle kein Dünger: Gilt dies uneingeschränkt oder nur annähernd? Immerhin enthält sie doch die Mineralien der Asche, die bei ihrer Verbrennung zurückbleiben würde. Ist das vernachlässigbar?

    Rückführung von Holzasche alle 40 bis 80 Jahre, wenn die kompletten Bäume aus dem Wald herausgenommen werden: Das wird ja von vielen als eher schädlich eingestuft. Wie müsste es durchgeführt werden, damit kein Schaden entsteht? Vermischen mit Holzkohle? Sehr wenig auf einmal?

    Stabiles Ökosystem eines nachhaltig bewirtschafteten Mischwaldes würde durch Pflanzenkohle unnötig angegriffen. Wodurch?

    Grüße und vielen Dank
    Horst Stöckl

  6. hps
    Titre:

    Sehr zu empfehlen ist das Buch « 1491″ von Charles Mann. Im 9ten Kapitel, den aussführlichen Fussnoten und dem noch ausführlicheren Literaturverzeichnis finden Sie nahezu alles, was derzeit zu dem Thema veröffentlicht wurde.

    Die Kohle enthalt tatsächlich eine Vielzahl an Mineralstoffen, doch sind diese entweder so stark an der Kohle gebunden, dass sie selbst mittelfristig nicht pflanzenverfügbar sind, oder sie liegen in Verbindungen vor, die nicht so leicht verfügbar gemacht werden können.

    Ich halte Asche auch nicht unbedingt für eine besonders gute Walddüngung. Mit der Bemerkung im Artikel ging es mir vor allem darum, dass Nährstoffe, die dem System entzogen werden, auch wieder zurückgeführt werden müssen, und dass dies selbstverständlich auch für den Wald gilt.
    Mit besten Grüssen, hps

  7. Friedrich Georg
    Titre: Gartendüngung

    Mich interessiert, was ein Privatgärtner zur Bodenverbesserung (Humusbildung) tun kann. Kompost allein reicht ja wohl nicht aus, um die entnommenen Nährstoffe zu ersetzen. In welchem Verhältnis sollte Biokohle oder z.B. Lavakörner zugemischt und in welchem Zeitraum wie tief in die Erde eingebracht werden?

  8. Silvio Waser
    Titre: Das Waldgarten-Prinzip

    Heute wurde ein Bericht über mein Buch, das Waldgarten-Prinzip-In Gemeinschaft auf drei Ebenen pflanzen Silvio Waser, Neue-Wege-Gehen Verlag veröffenticht unter dem Titel: Ein Paradies für Schmetterlinge und Bienen..siehe unter Landbote-Archiv.(Tageszeitung von Winterthur)
    Herzliche Grüsse Silvio Waser

  9. C. Lenz
    Titre: Austerben der Megafauna in Amerika

    Hallo! Mit Interesse bin ich gerade den Kommentaren gefolgt. Kürzlich habe ich gelesen das es neue Hinweise gibt das das Austerben der großen Tierarten in Amerika dem Ende der letzten großen Eiszeit zuzuschreiben ist. Neue Untersuchungen zeigen das wahrscheinlich vor ca 11000 Jahren ein oder mehrere Kometen in die Nord Amerikanische Eiskappe einschlugen und so ein (katastrophal) schnelleres Abschmelzen verursacht haben. Die gängige Meinung ist das es ein langsames Abschmelzen mit kleinen Schmelzwasserpulsen gab.
    Einige Geologen vergleichen die Wassermengen die sich in diesem Szenario bewegten mit dem Golfstrom und halten Meeresspiegelanstiege von über 10m über Nacht für möglich. Immer wieder über Wochen.
    http://cometresearchgroup.org/comets-diamonds-mammoths/
    Eine solche Katastrophe würde auch das Austerben der Megafauna besser erklären als die Steinzeitlichen Jäger die allem Anschein nach Industriell die Megafauna abgeschlachtet haben. Da traut sich der Mensch zuviel schlechtes zu… ;)
    https://www.youtube.com/watch?v=tys4ArbWH6Q

    Liebe Grüße und danke für eure harte Arbeit!
    C. Lenz

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