Tierhaltung im Weinbau


von Hans-Peter Schmidt

Noch vor 50 Jahren waren die meisten Winzer wie selbstverständlich auch Tierhalter. Nicht nur, dass sie auf Pferde oder Maulesel als Zugtiere angewiesen waren, sondern sie hielten zur Eigenversorgung und Düngemittelproduktion verschiedene Haustierarten. Aufgrund von knappen Weideflächen wurden auch die Weinberge wie selbstverständlich als Futtergrundlage genutzt. Lässt sich eine solche Form der Kreislaufwirtschaft auch heute noch sinnvoll im Weinbau umsetzen?

Als es noch keine Supermärkte gab und noch nicht fünf Wochen Jahresurlaub in der Ferne verbracht werden mussten, wurden in fast jedem ländlichen Haushalt einige Nutztiere gehalten. Zumindest zwei Legehennen hatte nahezu jeder, häufig kamen einige Ziegen für Milch und Fleisch hinzu, auch Hausschweine gehörten zu den beliebten Tieren, von denen auch kleinere Familien sich eines hielten, um Essensreste zu verwerten und im Winter über proteinreiche Nahrung zu verfügen. Einzig die eher in Herden zu haltenden Schafe und Kühe waren den größeren Bauern vorbehalten, wobei sich gerade in den Schweizer Bergen auch öfters mehrere Familien eine Kuh teilten oder zusammen eine kleine Schafherde auf den Bürgerschaftsweiden hielten.

Nur in Weinbergen mit aktivem Bodenleben finden Hühner auch ihre liebste Nahrung. Photo: Patrick Rey

Die Anzahl an Haustieren war begrenzt durch die Menge an Essensresten und an Weideflächen. Verhungert ist den Alpentälern in den letzten Jahrhunderten niemand, aber jedes Landstück wurde bis auf den letzten Grasflecken genutzt und es gab keine Küchenabfälle, die in der Müllverbrennung endeten. Die Stoffkreisläufe waren geschlossen und die Verfügbarkeit der natürlichen Ressourcen einer Gegend markierten die Grenzen der Wohlstandsentwicklung.

Ohne die Integration von Tieren in den landwirtschaftlichen Alltag ist eine effiziente Nutzung und Schließung der Stoffkreisläufe nur unter sehr hohem technischen und damit letztlich energetischen Aufwand möglich. Bei traditioneller Tierhaltung allerdings muss, und dies ist eine der bäuerlichen Grundregeln überhaupt, die Anzahl der gehaltenen Tiere im Verhältnis zum lokal verfügbaren Futter stehen. In der industriellen Landwirtschaft ist dieses Grundprinzip jedoch vollends auf den Kopf gestellt. Während in der Pflanzenproduktion mit enormen Aufwandmengen an Mineraldüngern und chemischen Pestiziden die Produktion maximiert und die Ernte ebenfalls unter hohem Energieaufwand um die halbe Welt transportiert wird, werden die Tiere zu Millionen auf engstem Raum gehalten, mit Importfutter gemästet und die Gülle dann hunderte Kilometer weit mit Schiffen und Eisenbahnwagons entsorgt.

Für den Weinbau trifft diese aberwitzige Produktionsweise, wenn auch in geringerem Masse, ebenfalls zu. Man baut Wein auf riesigen Monokulturflächen an, bezieht die Dünger aus der Erdölproduktion sowie aus Kali- und Phosphatminen, lässt den Trester vergammeln (statt wie früher an Hühner und Schweine zu verfüttern) und serviert den Wein in feinen Restaurants zu Fleisch und Käse, die von Tieren stammen, welche fernab in stinkenden Massenställen mit genmodifiziertem Futter aus Südamerika und Antibiotika aus der Pharmaindustrie gemästet werden.

Schafe bringen nicht nur Dünger, sondern helfen sehr effizient beim Entlauben und Putzen der Stämme. Bild: Patrick Rey

Könnte es anders gehen? In der auf markwirtschaftliche Effizienz getrimmten Landwirtschaft, wo Löhne der größte Kostenfaktor sind, vermutlich nicht, in einer auf Ressourceneffizienz fokussierten Landwirtschaft freilich schon. Leider ist letzteres wohl nur in einer idealen Welt oder im Rahmen extern finanzierter Forschungsprojekte möglich.

 

Des Winzers Umgang mit Haustieren

Noch vor 50 Jahren waren die meisten Winzer wie selbstverständlich auch Tierhalter. Nicht nur, dass sie auf Pferde oder Maulesel als Zugtiere angewiesen waren, sondern sie hielten zur Eigenversorgung und zur Düngemittelproduktion je nach Gegend verschiedene Haustierarten. Aufgrund von knappen Weideflächen wurden auch die Weinberge wie selbstverständlich als Futtergrundlage genutzt und dabei zugleich der Aufwand des Misttransportes vom Stall zum Feld reduziert.

Je nach lokalen Voraussetzungen, wie Stockdichte, Erziehungssystem der Reben und Lage der Weinberge, kam es zu verschiedenen saisonalen Weidefolgen zwischen den Reben. Nach der Weinlese konnte und sollte neben der im Herbst aufgelaufenen Begrünung auch das Reblaub verwertet werden, was insbesondere Schafen und teilweise sogar Kühen Zugang zu den Rebflächen verschaffte.

Nach der Schneeschmelze wurden zum Unterhalt der Begrünung wiederum Schafe und gern auch Schweine, oft sogar beide Tierarten gemeinsam eingesetzt. Mit Beginn des Austriebs mussten die Schafe jedoch rasch abgezogen werden, da sie eine besondere Vorliebe für frische Knospen und junge Blätter haben. Einigen Winzern soll es gelungen sein, ihren Schafen das Fressen von Rebblättern durch das Spritzen mit wermuthaltigen Kräuterextrakten oder auch durch Holzessig abzugewöhnen, aber für viele war dieser Aufwand wohl zu groß und das Ergebnis zu riskant. Schweine mussten spätestens beim Farbumschlag der Trauben abgezogen werden, da Trauben für sie schon bei leicht süßem Hauch ein vorzüglicher Genuss sind. Ziegen sind für den Weinbau leider gänzlich ungeeignet, da sie zu gern an Rinde und Holz knabbern und damit die Reben langfristig schädigen.

Über die ganze Wachstumssaison nützlich und damit als besonders geeignete Tierarten gelten seit jeher Hühner und Gänse, was sogar schon im ältesten Lehrbuch der Landwirtschaft, bei Cato dem Älteren, geschrieben steht. Der Weinberg muss dafür aber nah genug am Hof bzw. am Stall gelegen sein, da die Hühner und Gänse nachts in Sicherheit gebracht und auch tagsüber vor Greifvögeln, Fuchs und Hunden gesichert werden müssen. Letzteres wurde am besten durch Mischherden mit Schafen oder/und Schweinen erreicht. Allerdings ergänzen auch Hühner ihr Futter gern durch reife und auch unreife Trauben, was, wie schon oben genannter Cato wusste, durch das Füttern von durchgeseihten grünen Trauben abgewöhnt werden kann.

 

Über den Nutzen der Tiere im Weinberg

Nutztiere im Weinberg haben den Vorteil, dass sie sich effizient um die Begrünung kümmern, diese in wertvollen organischen Dünger umwandeln und zudem Sekundärprodukte wie Eier, Milch, Wolle und Fleisch liefern. Durch ihre Anwesenheit im Weinberg sorgen sie zudem für eine deutlich höhere Vielfalt an Mikroorganismen, was die Gefahr von Schädlingen minimiert. Die Mikroorganismen im Dung sorgen in Kombination mit dem Niedertrampeln der Begrünung (lebendiger Rolojack !) für die Förderung des Bodenlebens sowie für Schutz und Aufbau von Humus. Wird als Futterergänzung und  in der Einstreu zudem Pflanzenkohle eingesetzt, reichert sich der Boden ähnlich den bekannten Terra Preta Böden nach und nach mit hochwertig aufgeladener Pflanzenkohle an. Die Bodenfunktionen können so optimiert, der Humusaufbau gefördert, organische Nährstoffe rezykliert und nicht zuletzt Kohlenstoff aus der Atmosphäre stabil im Boden gebunden werden.

Hühner lieben es, an Pflanzenkohlestücken zu knabbern. Es verbessert ihre Verdauung, speichert die Pflanzennährstoffe im Mist und sorgt für gute Luft im Stall.

 

Gründe für das Aussterben der Haustiere zwischen den Reben

So sinnvoll die Verbindung von Weinbau und Tierhaltung auch erscheint, vor etwa 50 Jahren starb die Nutzung der Rebflächen für Nutztiere quasi aus. Dies jedoch nicht vordergründig wegen des erheblich höheren Aufwands im Vergleich zur Weide und Stallhaltung, sondern vor allem aufgrund der immer häufigeren Spritzungen giftiger Pflanzenschutzmittel. Die extrem hohen Einsatzmengen an Schwefel und Kupfer, wie sie damals üblich waren, sowie die schon bald darauf üblich gewordenen chemischen Pestizide vergifteten den Tieren das Futter. Erschwerend kam noch hinzu, dass man die Begrünung lieber mit Herbiziden unterdrückte, anstatt sie mit entsprechendem Aufwand nutzbringend zu pflegen.

Nur in Weinbergen mit hoher Biodiversität und ohne chemische Pflanzenschutzmittel fühlen sich Tiere auch wohl. Foto: Patrick Rey (Blich nach Mythopia)

Will man heute wieder Nutztiere im Weinbau einsetzen, gilt folglich als Voraussetzung die gezielte Anlage nährstoffreicher Begrünungen sowie der Verzicht auf Pestizide und die Reduktion von Kupfer und Schwefel auf absolute Minimalmengen.

 

Erfahrungen mit Zwergschafen im Walliser Weinbau

Am Ithaka Institut im Wallis (ehemals Delinat Institut) werden schon seit Jahren im Frühjahr Schafe zum Unterhalt der Begrünung eingesetzt. Da die Begrünung in der Regel zwei Monate vor dem Austrieb der Reben in vollem Wuchs steht, können kleine Schafherden hier sehr effizient und ohne großen Aufwand eingesetzt werden. Diese zwei Monate sind allerdings zu kurz, als dass sich eine eigene Schafherde lohnen würde, so dass in der Regel nur Kleinherden von anderen Schäfern zum Einsatz kommen.

Die meiste Arbeit mit der Begrünungspflege fällt jedoch auf die Monate von Mai bis Anfang August, weshalb wir nach einer Möglichkeit suchten, auch in dieser Zeit Tiere zur Begrünungspflege einzusetzen. Im Frühjahr 2013 starteten wir daher einen Versuch mit Zwergschafen der Rasse Ouessant. Der entscheidende Vorteil dieser Rasse besteht darin, dass die Tiere zu klein sind, um an die Knospen und Rebblätter heranzureichen. Sie fressen daher nur die Begrünungspflanzen und die an den Stämmen wachsenden Seitentriebe. Letzteres bedeutet eine zusätzliche Arbeitsersparnis, da der Arbeitsgang des Stammputzens wegfällt.

Grüne Trauben werden gern auch mal mit der Zunge geputzt.

Die kleine Schafherde (wir hatten zunächst mit nur 5 Zwergschafen begonnen) wird mit einem Elektrozaun vor Füchsen und Hunden geschützt. Die Installation dieser Zäune ist in den engen Rebenreihen etwas aufwändig, aber wenn sie einmal installiert sind, kann man die Herde relativ rasch von einem Weinberg zum nächsten umweiden. Bei einer Begrünungsintensität wie bei uns im Wallis sind in der Hauptvegetationszeit pro Zwergschaf etwa 200m2 notwendig, in der Nebensaison braucht es eine gut doppelt so große Fläche und im Winter natürlich zusätzliches Heufutter.

Die Erfahrungen des ersten Jahres sind im Ganzen gesehen als durchaus positiv zu bewerten. Es sollten allerdings größere Herden vorgesehen werden, da sich solche viel leichter als Einzeltiere von Weinberg zu Weinberg umsetzen lassen. Einziger Wermutstropfen dieses Versuches war, dass die Tiere die Stämme der jungen Apfelbäume sowie die Büsche an den Zeilenenden benagt haben. Für diese müssen wir im nächsten Jahr einen geeigneten Schutz anbringen, was kein unerheblicher Mehraufwand ist. Die beiden strengsten Wintermonate verbringen die Schafe nun in der Nähe des Hauses, nicht allerdings weil sie den Schnee nicht mögen, sondern weil Füchse und Luchse sich bei höheren Schneelagen die armen Tiere trotz Elektrozaun nicht vom Maul absparen.

Für Vegetarier und Winzer mit Kindern, die besonders rasch eine besondere Beziehung zu den niedlichen Schafen aufbauen, kann an eine wirtschaftliche Nutzung mit Hilfe des Metzgers freilich nicht gedacht werden. Nur für die natürliche Düngung lohnt sich der ganze Aufwand freilich auch nicht.

 

Hühner zwischen den Reben

Wirtschaftlich interessanter scheint da schon die Haltung von Hühnern zwischen den Reben. Zu diesem Zweck haben wir einen mobilen Hühnerstall gebaut. Wie einen großen Wohnanhänger können wir den Stall so aller drei Wochen von Parzelle zu Parzelle fahren, um den Hühnern stets grünen Auslauf und einen hygienischen Stallvorhof zu bieten. Ausgestattet ist der mobile Stall mit einer solargesteuerten Tür, die sich morgens öffnet und abends bei Einbruch der Dunkelheit automatisch wieder schließt. Auf diese Weise sind die Hühner weitestgehend autonom. Wir müssen nur jeden zweiten Tag nach dem Rechten sehen, einige Essensreste und Körner als Zusatzfutter bringen und natürlich die gelegten Eier einsammeln.

Der Elektrozaun hat bisher alle vierbeinigen Räuber fernhalten können. Größere Probleme bereiten Bussard und Adler, die nach etwa drei Wochen auf den Geschmack gekommen waren. Erst als wir mehrere Spiegel in der Nähe des Stalls und auf dessen Dach anbrachten, einige Schutznetze befestigten und Silberpapier aufhängten, waren die Greifvögel schließlich irritiert genug, um aufzugeben. Seither haben wir kein Huhn mehr verloren. Der Aufwand ist freilich erheblich, da die Hühnerweide ja regelmäßig gewechselt wird.

Wir haben 30 alte Hühner aus der Intensivhaltung gerettet. Es nahm sich wie in ein Wunder an, zu welch prächtigen Tieren sie sich schon nach einigen Wochen vor diesem Panorama regenerierten.

Die dreißig Hühner legten im Schnitt 25 Eier am Tag. Ihre Versorgung liegt traditionell in den Händen der Kinder, und so dürfen sie auch einmal pro Woche die Eier auf dem Markt in Sion verkaufen, was ihnen ein erkleckliches Taschengeld einbringt.

Rechnet man den Hühnerversuch im Weinberg auf die natürliche Flächenkapazität hoch, so könnten leicht 150 Hühner pro Hektar gehalten werden. Das ergäbe rund 40.000 Eier pro Jahr und Hektar. Bei einem Biopreis von 50 bis 80 Rappen pro Stück im Direktverkauf, klingt dies nach einem beachtlichen Zubrot für den ökologisch arbeitenden Winzer.

Aber 150 Hühner, die aller 3 Wochen umgesetzt, vor Greifvögeln geschützt, denen zugefüttert, deren Stall ausgemistet, die im Winter versorgt (Trinkwasser nicht einfrieren lassen!), gesund erhalten und deren Eier vermarktet werden müssen, machen auch beachtlich viel Arbeit, die mit dem Metier des Winzers nur entfernt zu tun hat. Außerdem kann er die umzäunten Flächen nur unter größeren Umständen mit Maschinen befahren; alle Arbeitsschritte im Weinberg sind behindert und brauchen mehr Zeit. Früher oder später wird sich der Winzer so fragen, warum er sich dies antut und die Hühner nicht auf einer Fläche hält, wo sie niemanden stören. Und außerdem will er ja noble Weine an Operngänger und nicht alltägliche Eier an Hausfrauen verkaufen.

Kurz, die Idee ist wunderbar, und in Notzeiten sind Hühner sicher eine Möglichkeit, die Flächen intensiver zu nutzen. In einer Welt der Arbeitsteilung und des Zwangs zu wirtschaftlicher Effizienz werden Hühner im Weinberg wohl weiterhin eine Seltenheit bleiben. Für einige wenige Familienhühner, die den Kindern Verantwortungsgefühl lehren und Taschengeld bringen sowie die Essensreste aus der Buschenschenke verwerten, ist der Weinberg ein schöner und geeigneter Ort. Für eine wirtschaftliche Nutzung im Sinne einer Sekundärkultur wohl eher nicht.

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11 Antworten zu “Tierhaltung im Weinbau””

  1. Humi
    Titel:

    Guten Tag,
    ich überlegte, Gänse in meinem Hobby-Weingarten “einzusetzen”, und da stoße ich auf diesen interessanten Artikel! Gänse putzen ja sehr viel Gras weg, und deren Düngung wäre auch schonender als die von Hühnern, meine ich? Als Schutz gegen den Fuchs plane ich einen kleinen Teich (den die Gänse ohnehin brauchten) mit einem Floß als Schutzinsel. Gibt es schon irgendwo konkrete Erfahrungen mit der Gänsehaltung im Weinberg? Oder Gegenargumente?
    Danke im Voraus und beste Grüße.

  2. hps
    Titel:

    Ich halte Gänse für ideale Partner in der Weinbergsarbeit. Der Habicht könnte zwar auch Gänsen im Winter gefährlich werden, aber das RIsiko ist sicher deutlich geringer als bei Hühnern. Und wenn Sie sogar einen kleinen Teich als Schutzzone anlegen können, wäre das natürlich ideal (mit den zusätzlich großen Effekten auf die Biodiversität durch das Feuchtbiotop). Ich weiß das bei Fasoli im Veneto Gänse eingesetzt werden (Fasoli). Die Ithaka-Leser würden sich freuen, nächstes Jahr von Ihren Erfahrungen zu hören. Beste Grüsse, hps

  3. Weinhandel Schickert
    Titel: Kleinlandwirtschaft

    Das erinnert mich an meine Kindheit.

    Meine Großeltern betrieben eine Kleinlandwirtschaft, in der auch nichts verloren gehen durfte.

    Küchen- und Gartenabfälle wanderten in den Futtertrog und die Hühner wurden im Frühjahr in die noch leeren Gemüsebeete getrieben um Engerling und Co. herauszupicken.

    Im Herbst durften die zwei Muttersauen und ihre Ferkel unter den Obstbäumen das Fallobst – begeistert – fressen.

    Holzasche – zusammen mit einigen Holzkohlestückchen – landete auf dem kleinen Misthaufen und wurde mit ausgebracht. Auch ein bisschen Terra Preta.

    Statt einen Weinberg hatten sie nur einen Weinstock an der Südseite der Scheune. Der köstliche Früchte trug, die sofort verzehrt wurden ohne Wein zu keltern.

  4. Kruft Achim
    Titel:

    Hallo Hans-Peter, habe da eine Frage: Wir hatten letztes Jahr richtig fetten Klee (durch die Delinat-Einsaat im Jahr davor). Habe ich fast nicht befahren/gewalzt 2013. In diesem Jahr ist alles weg, nur noch Gräser…Wir hatten ein sehr trockenes Frühjahr, liegt es daran ? Oder muß man zu einem bestimmten Zeitpunkt mähen ?

    Liebe Grüße… Achim Kruft vom http://www.veldenzerhof.de

  5. Peter Birett
    Titel: Arbeitsteilung

    Warum muß einer alles alleine machen?
    Früher gab es den Zeigen-Peter bzw. Gänsemagd, welche von verschiedenen Häusern und Höfen die Tiere einsammelten und durch die Felder trieben. Ich vermute, daß je nach Jahreszeit die Felder wohl definiert waren und es reih-um ging.
    Dh nicht der Weinbauer sollte die Tierhaltung betreiben, sondern er könnte zusammen mit den verschiedenen Tierwirten die Landwirtschaft in Symbiose betreiben. Indem er seine Weinberge über’s Jahr hinweg verschiedenen Tierherden zur Verfügung stellt, erhält er auch eine gute Mischung an Ausscheidung vor Ort als Dünger.

  6. Angelika Balz
    Titel: Hühner gegen Drosophila

    Hallo! Bin bei der Frage, ob wohl sonst noch jemand Hühner im Obstbau einsetzt, auf Eurer Internetseite gelandet. Die ist sehr interessant und entspricht im großen und ganzen unserer Vorstellung von Landwirtschaft.
    Wir sind in diesem Sommer erstmalig in unserer Heidelbeerkultur mit Drosophila suzukii konfrontiert worden und haben daraufhin Hühner zur Nachlese der befallenen Beeren in die Anlage verfrachtet. Leider mussten wir den Versuch aufgrund der angeordneten Aufstallpflicht wegen H5N8 abbrechen. Wir haben aber auf dem Hofgelände auch Heidelbeersträucher und bis vor kurzen ganzjährig freilaufende Hühner gehabt – Luftlinie 800m zur Anlage und keine Drosophila! Diese Fruchtfliege ist doch auch im Weinbau zu finden? Habt Ihr da schon Erfahrungen oder Erkenntnisse sammeln können? Das würde uns brennend interessieren! Liebe Grüße -Angelika Balz

  7. hps
    Titel:

    Liebe Angelika Balz, vielen Dank für die Beobachtungen zur Drosophilia in den Heidelbeeren. Wir haben bisher noch keinen direkten Effekt der Hühner auf die Anfälligkeit der Trauben gegen die Suzuki beobachten können, da die Hühner nach dem Weichwerden der Trauben zu feinschmeckerisch unsere Ernte dezimieren und daher in dieser Zeit verbannt werden. Ich kann mir den (indirekten) Effekt allerdings sehr gut vorstellen, denn wir haben ebenfalls beobachten können, dass die hohe Biodiversität zwischen den Reben den Befall durch die Essigfliege stark reduziert hat und vor allem die Verbreitung von Essigstich quasi unterbunden hat, da die Larven durch andere Insekten aus den befallenen Trauben herausgefressen haben. Grüsse, hps

  8. Michael
    Titel:

    Hallo! Vielen Dank für diesen sehr informativen Beitrag, toll dass es so etwas gibt. Angeregt davon habe ich einen örtlichen Schäfer kontaktiert, um in der verbleibenden Zeit vor dem Austrieb eine kleine Herde in meine Weinberge zu bekommen. Das wird wohl auch klappen. Nun frage ich mich, inwieweit im vergangenen Jahr nachgepflanzte Reben gesondert geschützt werden müssen. Haben Sie da Beobachtungen machen können? Wird da evtl. daran geknabbert werden und ich beuge besser mit Hasennetzen o.ä. vor? Oder ist das Grünzeug doch so viel interessanter, dass ich mir keine Sorgen machen muss? Dank & Gruß!

  9. hps
    Titel:

    Sobald der Saftfluss einsetzt und das kann an einem warmen Wintertag schon sein, werden die Jungpflanzen für Schafe interessant. Da sollten Sie besser vorbeugen und die nachgesetzten Jungpflanzen schützen. Dann brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen…

  10. Rico
    Titel:

    Hallo,
    Wenn ich mir Tiere im Weinberg halten möchte ist aus meiner Sicht der Pflanzenschutz das größte Problem. Da der Wein ja in Monokulturen angebaut wird. Gibt es denn Ansätze wie und in welchem Maße Pflanzenschutzmittel angewendet werden müssen/sollten? Denn selbst das biologische PSM Schwefel hat eine Wartezeit von 56 Tagen(zumindest bei Reben). Oder können die Tiere nach PSM-Einsatz bedenkenlos auf dem Weinberg weiden?

    Vielen Dank
    Rico

  11. hps
    Titel:

    Wenn mit Kupfer und Schwefel oder chemischen Pestiziden gespritzt wird, würde ich in dieser Zeit die Tiere nicht in den Weinberg lassen. Je nach Aufwandmenge ist Schwefel sicher das geringste Problem. Bei Minimalkupferstrategien mit 50g/ha würde ich mir auch keine größeren Sorgen machen. Aber grundsätzlich war die Arbeit mit Tieren für uns noch einmal ein zusätzlicher Anlass, Pflanzenschutzstrategien zu finden, die weder für Winzer noch Tiere toxisch sind. Ist es nicht absurd, Lebens- und Genussmittel in einer Weise herzustellen, dass es für Tiere giftig und lebensgefährlich wäre, sich in den Feldern oder eben Weinbergen zu verirren? Eine wirtschaftlich vertretbare Lösung für das Problem haben wir aber auch nach 10 Jahren nicht gefunden. Grüsse, Hans-Peter

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