Biokohle auf der Tagesordnung der Weltklimakonferenz


von Hans-Peter Schmidt

Auf der Klimakonferenz von Kyoto 1997 war Biokohle nur ganz wenigen Insidern bekannt. Ihre äußerst positiven Auswirkungen auf landwirtschaftliche Böden sowie die Möglichkeit, mit Biokohle dauerhafte Karbonsenken zu schaffen, war damals noch nicht wissenschaftlich gesichert. Aus diesem Grund fand Biokohle auch keine Aufnahme in das Klimaprotokoll und lässt sich bis heute nicht in Form von Klimazertifikaten geltend machen. Damit Biokohle, die James Lovelock etwas übertrieben als die letzte Chance der Menschheit bezeichnete, in die neuen politischen Strategien gegen den Klimawandel Aufnahme findet, haben sich zahlreiche Staaten und Organisationen stark gemacht.

Im soeben erschienen Verhandlungspapier für die nächste Klimakonferenz in Kopenhagen wurde Biokohle im Kapitel „Förderliche Maßnahmen zur Verringerung von Klimagasen” aufgenommen. Was als großer Erfolg und Richtungsentscheid gewertet werden kann.

Im Kapitel Landwirtschaft lautet der Paragraph 134 des Entwurfs der United Nations Convention on Desertification:
134.  Die Unterzeichner sollen in der Erforschung und Entwicklung von neuen Technologien zur Verringerung von Klimagasen im Landwirtschaftssektor zusammenarbeiten. Es besteht die Notwendigkeit zu internationaler Zusammenarbeit, um Anreize zur Reduktion von landwirtschaftlichen Emissionen insbesondere in Entwicklungsländern zu schaffen. Besondere Bedeutung hat dabei die Karbonsequestrierung in landwirtschaftlichen Böden, insbesondere durch die Nutzung von Biokohle und die Förderung von Karbonsenken in Trockengebieten. “

Der Text wurde in den Verhandlungstext der Arbeitsgruppe für langfristige Zusammenarbeit  aufgenommen (unter dem UNFCCC link: http://unfccc.int/resource/docs/2009/awglca6/eng/08.pdf, Seite 36).

Was wir ganz allgemein von Klimazertifikaten halten, haben wir in unseren Artikeln: Gefahren der Wunderwaffe – Biokohle in der Kritik und Die Biokohle debatte ausführlich dargelegt. Da wir aber die Biokohle und ihre Verwendung im ganzheitlichen Konzept des Klimafarmings dennoch für eine der entscheidenden Strategien gegen den Klimawandel halten, begrüßen wir mit großer Erleichterung diesen ersten Schritt der politischen Entscheidungsträger.

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Eine Antwort zu “Biokohle auf der Tagesordnung der Weltklimakonferenz””

  1. Jochen Binikowski
    Titel:

    Durch meine langjährige Beschäftigung mit der Terra Preta Technik in den Tropen möchte ich ein wenig auf die Euphorie-Bremse treten. Es ist nach den derzeitigen Regelungen vollkommen ausgeschlossen, dass Kleinbauern in der Dritten Welt direkt vom Zertifikatehandel profitieren werden, egal wieviel Biochar sie in den Boden bringen.

    Es wird nämlich eine CDM-Zertifizierung vorausgesetzt. Die kostet mindestens 100.000 Dollar, also völlig illusorisch für diese Landwirte. Selbst wenn sie sich zusammenschließen und so diese Kosten vieleicht aufbringen können, kommt der alles entscheidende Knackpunkt:

    Wer soll die Zertifikate kaufen und zu welchem Preis?

    Als ernsthafte Käufer kommen hauptsächlich Energie- Stahl- Dünger- und Zementkonzerne in Frage. Die brauchen Millionen Tonnen im Jahr. Wegen der Transaktionskosten (da wollen ja jede Menge Finanzakrobaten von der Wall Street sowie die jeweiligen Finanzminister kräftig mitverdienen) brauchen die entsprechend große Anbieter.

    Deshalb werden diese Konzerne eigene Tochterfirmen gründen, die die Zertifikate verkaufen. Bleibt sozusagen in der Familie. Mit der geballten Finanzmacht sind der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern seit einigen Jahren gängige Praxis. Da werden erst Urwälder gerodet und das Holz teuer verkauft, danach lässt man sich die Wiederaufforstung mit Monokulturen aus dem Zertifikatehandel teuer bezahlen und von der gekauften Presse als Klimaretter feiern.

    Deshalb meine Vorhersage: Eher konvertiert der Papst zum Islam als dass bei der Kopenhagen-Konferenz etwas herauskommt, wovon ein Kleinbauer in der Dritten Welt auch nur einen einzigen müden Peso mehr in der leeren Familienkasse hat.

    Aber auch ohne Subventionen aus dem Zertifikatehandel ist Biochar eine gute Sache für die Kleinbauern. Das wird sich wegen der Kunstdüngereinsparung und Bodenverbesserung so oder so durchsetzen, nur eben langsamer. Aufhalten können das nur noch Regierungen durch von den Konzernen gekaufte gesetzliche Einschränkungen. In Deutschland ist dies bereits der Fall: Holzasche (fällt bei der Biochar-Herstellung automatisch an und lässt sich nicht von der Holzkohle trennen) ist als Dünger verboten. In der Schweiz aber erlaubt…

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